Das freie Wort

Ex-Bundeskanzler

Unser Herr Ex-Bundeskanzler unterscheidet sich für mich kaum mehr von den heute regierenden Herren in den ehemals kommunistischen Ostblockstaaten. Moral und Integrität scheinen für ihn und seine Vertrauten verzichtbarer Luxus zu sein. Ich nehme ihm auch nicht ab, dass die SMS und Chats im Eifer des Gefechts so formuliert wurden, sondern sie lassen vielmehr auf den Charakter aller Beteiligten schließen. Was sich da hinter dem Rücken der Öffentlichkeit abspielte, kann locker mit jedem Mafiafilm mithalten. Ich war nie ein FPÖ-Fan, aber dagegen ist Straches Ibiza-Affäre wie das Kasperltheater in der Urania. Und wer weiß, ob da nicht auch Basti Fantasti und ein paar seiner Jünger die Hand im Spiel hatten? Richtig und mutig finde ich von Beate Palfrader, dass sie sich nicht zu einer geschlossenen Pro-Kurz-Front „nötigen“ ließ und darauf hinwies, wie schlimm solche Ränkespiele – die ohnehin fragile Einstellung der Menschen zu Politik und Politikern beeinträchtigen – sind. Wir Bürger werden sowieso für dumm verkauft. Nach seinem Rücktritt ist Sebastian Kurz weiterhin der mächtigste Mann in seiner Partei und hat alle Fäden in der Hand. Am liebsten würde ich ihn und seine Handlanger in keinem politischen Amt mehr sehen, aber das wird wohl ein Wunschtraum bleiben. Die Herren richten es sich schon – wie gewohnt. Liebe Grüße von einer enttäuschten Bürgerin.

Ulrike Jahrmann, Neunkirchen

Erschienen am So, 17.10.2021

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