Das freie Wort

Die EU-Finanzjongleure

Die Mitgliedsstaaten der EU haben sich auf den Finanzhaushalt für 2020 geeinigt. Die Gesamtausgaben erhöhen sich auf 153,6 Milliarden Euro. Das wird für Österreich bedeuten, dass wir statt rund einer Mrd. ca. 1,3 Mrd. bezahlen werden. Das ist der sogenannte Nettobeitrag, den wir leisten müssen. Im Vergleich dazu erhält Polen jedes Jahr von der EU ca. 15 Mrd. an Förderungen ausbezahlt. Die beiden führenden EU-Vertreter Österreichs, Othmar Karas und Kommissar Hahn, haben, um einen guten Eindruck bei der EU zu machen, vorweg erklärt, dass sie mit dieser Beitragserhöhung einverstanden sind, da damit ja viel Gutes bewirkt wird. Viele österreichische Bürger werden sich fragen, ob das die Richtigen sind, die unsere Interessen in Brüssel vertreten. Auf den ersten Blick betrachtet erscheinen die EU-Gesamtausgaben von über 150 Mrd. erschreckend hoch. Wenn man sich jedoch die finanziellen Transaktionen der EZB (= Europäische Zentralbank) ansieht, die bis vor Kurzem von Mario Draghi dirigiert wurde, hält sich dieser Schrecken in Grenzen. Seine Politik, die von Christine Lagarde fortgeführt werden wird, bestand darin, dass mehr oder weniger wertlose Schuldnerpapiere von notleidenden Mitgliedsstaaten im Ausmaß von monatlich 60 Mrd. Euro aufgekauft wurden. Das Gesamtausmaß dieser Ramschpapiere betrug eine Billion (= 1000 Milliarden). Im Vergleich dazu verblassen die EU-Gesamtausgaben. Man fragt sich, ob die EZB-Bosse mit diesen Finanztricks nicht gleich das gesamte EU-Budget finanzieren könnten. Dann würde man sich das Feilschen bei der Budgeterstellung ersparen. Signor Draghi gilt auch als der Erfinder der Null-Prozent-Zinspolitik. Die Schuldenmacher werden belohnt, die Sparer bestraft, denn Sparen sei schädlich. Man sollte das gesamte Geld ausgeben, alle Einkaufswünsche erfüllen und damit das Wirtschaftswachstum ankurbeln. Eine Wirtschaft, die ständig wachsen soll, schädigt die Umwelt, trägt dazu bei, dass die Klimakatastrophen noch weiter zunehmen. Draghi hat auch die Negativzinsen, vorerst nur für die Banken, eingeführt. Sie werden dann fällig, wenn sie Geld horten sollten und nicht in Form von Krediten weitergeben. Der nächste von vielen bereits befürchtete Schritt besteht darin, dass man das Bargeld abschafft. Wenn jemand am Ende des Monats noch ein Guthaben hat, wird es mit Negativzinsen belastet. Alles soll ausgegeben werden, damit die Wirtschaft boomt, sparen wäre dann vollkommen sinnlos. Wir benötigen ein vollkommenes Umdenken der Wirtschaftsstrategen. Umweltbewusstsein und Wirtschaft dürfen keine Gegensätze mehr sein. Für die Menschen in der EU und speziell in unserem Land muss ein erfülltes Leben auch dann ermöglicht werden, wenn es kein weiteres Wirtschaftswachstum oder gar einen Rückgang gibt. Mehr Bescheidenheit ist angebracht, ständiger Massenkonsum, basierend auf Ausbeutung der natürlichen Ressourcen, zerstört unsere Zukunft und vor allem die unserer Kinder.

Dr. Host Filzwieser, Bruck a. d. Mur

Erschienen am Fr, 22.11.2019

Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Weitere Leserbriefe
15.2.2026Datum auswählen
EU-Beitritt der Ukraine: Quo vadis, Europa?
Es ist ein von langer Hand vorbereiteter Schachzug von Amerika, der Europa schrittweise, langsam, aber sicher an den wirtschaftlichen Abgrund führt. ...
Gerhard Forgatsch
Helm „überschattet“ Olympische Spiele?
Es waren bisher wirklich fantastische Olympische Spiele in Italien: großartige Leistungen von den Olympioniken, mit fairen Gesten untereinander – ...
Karl Aichhorn
Tote Ukrainer
Wenn in den Nachrichten von Tausenden Toten im Ukraine-Krieg die Rede ist, so regt das anscheinend fast niemanden mehr auf. Sportveranstaltungen in ...
Monika Wurzenberger
EU-Beitritt der Ukraine
Die EU wird doch hoffentlich nicht in Erwägung ziehen, die Ukraine aufzunehmen. Was Zelenskij fordert, entbehrt jeglicher Grundlage. Logisch, dass er ...
Dagmar Junker
Ukraine in die EU?
Zelenskij will – wie immer – in einem Eilverfahren zur EU. Helfer für diesen Wahnsinn wäre Trump, der sich damit aus dem Krieg herausnehmen könnte, ...
Paul Glattauer
Ukraine niemals zur EU
Was glaubt denn der sinnesverwirrte Trump eigentlich? Noch bestimmen wir Europamitglieder, hoffen wir, wer bei der EU als Mitglied aufgenommen wird. ...
Sigi Gsteu
Aufrüstung in Europa
Was ist mit der Menschheit los? Statt endlich einmal zu versuchen, auf dieser einzigen Welt, die wir haben, in Frieden zu leben, den Frieden zu ...
Günter Pock
Gespräche für den Frieden
Ja, Herr Bundeskanzler Stocker, die EU muss unbedingt mit Putin reden, um den Krieg zu beenden (ein Teil Russlands gehört zu Europa). Nur bitte, wo ...
Ilse Schwarzberger
„Denn sie wissen nicht, was sie tun“
Wenn man die letzten politischen Nachrichten verfolgt hat, muss man sich zwangsläufig die Frage stellen, ob die Welt bzw. deren Staatenlenker noch ...
Herbert Platzer
Die Tränen von Sharon Stone
Sharon Stone ist eine sehr gut aussehende Frau und eine wunderbare Schauspielerin: Ihr kleiner Tränenausbruch hat dazu beigetragen, dem immer etwas ...
Johanna Sibera
EU versus Amerika
Es erstaunt mich täglich aufs Neue, dass Politiker augenscheinlich blind sind. Während Amerika eine Grundsatzentscheidung im Klimaschutz kippt, will ...
Annemarie Senz
Trump und Klimaschutz
US-Präsident Trump streicht den Klimaschutz. Für diese Verantwortungslosigkeit werden ihn seine Kinder und Enkelkinder verfluchen, wenn diese so alt ...
Rudolf Danninger
Fataler Schritt
US-Präsident Trump hebt eine zentrale Klimaschutzregel auf und erklärt Treibhausgase für ungefährlich. Was für ein fataler Schritt! Wer in ...
Ingo Fischer
„Gastpatienten“
Hört doch endlich einmal mit dem Ausdruck „Gastpatienten“ auf! Seit wann sind wir angestammten Österreicher Gäste im eigenen Land?
Wolfgang Langthaler
Reparaturmedizin als Ersatzreligion
Angesichts des zahlenmäßigen Anstiegs sexuell übertragbarer Erkrankungen erinnert „Krone Gesund“-Ressortleiterin Dr. Eva Greil-Schähs an die ...
Dr. Wolfgang Geppert
SPÖ-Parteitag
Kein Gegenkandidat für den SPÖ-Bundesvorsitzenden. Andreas Babler dürfte im Amt bleiben – easy.
Markus Karner
Babler bleibt
Eine ereignisreiche Woche geht zu Ende. Glaubte man bis vor wenigen Tagen noch, von den Medien befeuert, dass Christian Kern für den Parteivorsitz ...
Mag. Patricia Velencsics
Grünes Licht für roten Parteichef
Es gäbe sicher Ambitionen, gegen den schwachen Babler anzutreten. Wer aber will schon den Scherbenhaufen – entstanden durch Unerfahrenheit in der ...
Georg Culetto
Doch kein Suizid?
Nun behauptet ein Arzt, der bei der Autopsie Jeffrey Epsteins nach dessen Tod in der Gefängniszelle anwesend war, es sei doch kein Suizid gewesen, ...
Herbert Jöbstl
Lena Schilling
Es ist ihr gutes Recht, eine Erbschaftssteuer zu fordern und damit die restlichen Leistungsträger aus dem Land zu vertreiben. Meiner Meinung nach ...
Dr. Peter Kozlowsky

Voriger Tag
15.2.2026Datum auswählen
Nächster Tag
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt