Do, 20. Juni 2019
22.03.2008 10:56

Weitere Botschaft

Bin Laden ruft zum Heiligen Krieg gegen Israel auf

Der arabische Fernsehsender Al-Jazeera hat nach der Drohung vom Mittwoch gegen die EU und den Papst am Donnerstag eine zweite Audio-Botschaft ausgestrahlt, die Osama bin Laden zugeschrieben wird. Darin verurteilt der Sprecher die Verhandlungen zwischen Israelis und Palästinensern und ruft zu einem Heiligen Krieg für die Befreiung Palästinas auf. Palästina könne nicht durch Verhandlungen und Dialog zurückgewonnen werden, sondern "mit Feuer und Eisen", heißt es in der Botschaft.

"Das nächstgelegene Schlachtfeld des Jihad, um unser Volk in Palästina zu unterstützen, ist das Schlachtfeld im Irak", heißt es auf dem Tonband. Zugleich warf Bin Laden den arabischen Führern vor, sie billigten die israelischen Angriffe auf den von der radikalislamischen Hamas kontrollierten Gazastreifen. Zur Echtheit der Botschaft gab es zunächst keine unabhängigen Angaben.

Terrorexperte: Neue Botschaft "leere Drohung"
Nach Ansicht eines führenden israelischen Anti-Terrorexperten ist auch nach den jüngsten Drohungen von Terrorchef Osama bin Laden in absehbarer Zukunft nicht mit größeren Anschlägen der Al-Kaida in Europa zu rechnen. Wie Eli Carmon vom Internationalen Anti-Terror-Institut ICT in Herzliya am Donnerstag nach Angaben der israelischen Internetzeitung "Ynet" sagte, ist die Ankündigung einer "harten Vergeltung" wegen der Mohammed-Karikaturen nicht mehr als eine "leere Drohung".

Es handle sich vielmehr um eine propagandistische Aktion um zu beweisen, dass Al-Kaida die Werte des Islam schütze. Es sei auch anzunehmen, dass Bin Laden zeigen wollte, dass er immer noch Macht besitzt und Politik machen kann, meinte Carmon. Dabei bediene sich der Al-Kaida-Chef der derzeit in der islamischen Welt herrschenden gegen das Christentum und den Westen gerichteten Stimmung.

Bin Laden droht in Botschaft EU und Papst
Sollte es sich tatsächlich um eine Botschaft Bin Ladens handeln, wäre es die zweite innerhalb von zwei Tagen. Eine Website islamischer Extremisten veröffentlichte erst am Mittwochabend eine Rede Bin Ladens zusammen mit einem Foto, das den Terrorführer mit einem Sturmgewehr zeigt. Darin drohte er Europa wegen der in dänischen Zeitungen veröffentlichten Mohammed-Karikaturen mit Vergeltung. Auch den Papst hat der Terrorpate im Visier.

Europa müsse sich auf eine "Abrechnung" gefasst machen, sagte der Chef des Terrornetzwerks Al-Kaida in der Tonbandbotschaft, von der das auf die Beobachtung islamistischer Websites spezialisierte US-Institut SITE berichtete. Die Zeichnungen seien "Teil eines Kreuzzuges" gegen den Islam und der Papst sei in die Publikation der Karikaturen involviert, sagte Bin Laden. Der Leiter des ebenfalls auf Islamisten-Websites spezialisierten US-Instituts IntelCenter, Ben Venzke, nahm die Drohung ernst. 

"Stellt euch auf die Freiheit unserer Taten ein"
Der Al-Kaida-Chef richtete sich in seiner Tonbandbotschaft laut SITE an die "Intelligenten" in der Europäischen Union. Die Veröffentlichung der Karikaturen sei ein größeres Verbrechen als das Vorgehen der westlichen Truppen gegen muslimische Dörfer und die Tötung von Frauen und Kindern, sagte er. Die "Abrechnung" werde noch "ernster" sein. "Wenn ihr die Freiheit eurer Worte nicht kontrolliert, dann stellt euch auf die Freiheit unserer Taten ein." Kryptisch fügte Bin Laden hinzu, die Antwort der Muslime werde sein, was der Feind sehe, nicht, was er höre.

Bush als "unterdrückerischer Verbündeter" Europas
Bin Laden griff in der Botschaft auch US-Präsident George W. Bush an, den er als Europas "unterdrückerischen Verbündeten" bezeichnete, "der - zusammen mit seiner aggressiven Politik - bald das Weiße Haus verlassen" werde. Die "grausamen Handlungen" der US-geführten Militärkoalitionen im Irak und in Afghanistan hätten "den Krieg nicht beendet", sondern vielmehr "unsere Entschlossenheit gestärkt, an unseren Rechten festzuhalten, unser Volk zu rächen und die Invasoren aus unserem Land zu jagen", sagte Bin Laden weiter.

EU ruft zu "Toleranz und Respekt" auf
Eine Sprecherin der Europäischen Union hat angesichts der jüngsten Drohungen zu "gegenseitiger Toleranz und Respekt" und gegen Gewalt aufgerufen, wich aber Fragen nach einer konkreten Terrorgefahr aus. In der EU und ihren Mitgliedstaaten würden sowohl Meinungs- als auch Religionsfreiheit Anwendung finden, sagte die Sprecherin der slowenischen EU-Ratspräsidentschaft am Freitag. Freiheiten seien stets mit Verantwortung verbunden. "Meinungsfreiheit sollte in einem Geist des Respekts für Religionen und anderer Glaubensbekenntnisse und Überzeugungen ausgeübt werden."

CIA hält Bin-Laden-Botschaft für echt
Der US-Geheimdienst CIA hält die Botschaft nach Angaben eines Geheimdienstmitarbeiters für echt. Die CIA sei überzeugt, dass es sich um die Stimme Osama bin Ladens handle, sagte der Mann am Donnerstag. Die Äußerungen seien Teil "der laufenden Propaganda-Kampagne der Al-Kaida".

Pünktlich zum 5. Jahrestag des US-Irak-Einmarschs
Die Veröffentlichung der Botschaft fiel mit dem fünften Jahrestag des Einmarschs der US-Truppen im Irak zusammen. Bush hatte am Mittwoch in einer Rede den Irak-Krieg gerechtfertigt und von Fortschritten im Anti-Terror-Kampf gesprochen. Der Irak sei zu einem Land geworden, in dem erstmals arabische und US-Streitkräfte gemeinsam gegen das Terrornetzwerk Al-Kaida kämpften, betonte er.

Alter der Botschaft unbekannt
Es gebe keine Hinweise darauf, wann die Erklärung aufgenommen worden sei, sagte Adam Raisman, der für das SITE-Institut in Washington Veröffentlichungen von Terror-Organisationen untersucht. Die Website mit der jetzt verbreiteten Erklärung war bereits früher als Sprachrohr der Al-Kaida genutzt worden. Zuletzt hatte sich Bin Laden am 29. Dezember vergangenen Jahres mit einer Tonbotschaft im Internet zu Wort gemeldet. Damals warnte er die muslimische Weltbevölkerung vor einer Unterstützung der irakischen Regierung, die von den USA gesteuert werde und versprach die "Befreiung Palästinas".

Mohammed-Karikaturen erregten Bin Ladens Zorn
Die Veröffentlichung von zwölf Karikaturen des Propheten Mohammed in einer dänischen Zeitung hatte vor zwei Jahren in der islamischen Welt eine Welle der Empörung und Gewalt ausgelöst. Mehr als ein Dutzend dänische Zeitungen druckten im Februar dieses Jahres als Demonstration der Pressefreiheit erneut eine der umstrittenen Karikaturen. Grund war die Aufdeckung von Mordplänen gegen den Zeichner.

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