02.12.2007 20:49 |

ORF will mehr Geld

TV-Gebührenerhöhung Mitte 2008

Im kommenden Jahr könnten uns höhere ORF-Gebühren ins Haus stehen. ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz bestätigte am Sonntag, dass er bei der nächsten Stiftungsratssitzung am 13. Dezember den Vorschlag für eine Gebührenerhöhung einbringen will. Sollten die Räte zustimmen, dürften die Gebühren ab Juli 2008 um rund einen bis 1,50 Euro pro Haushalt und Monat ansteigen. Für den ORF würde das zusätzliche Einnahmen von 30 bis 40 Millionen bedeuten.

Wrabetz will nicht von einer realen Gebührenerhöhung, sondern vielmehr von einer "Inflationsanpassung" sprechen. Dem ORF seien durch die nichtangepasste Inflation seit der letzten Erhöhung im Jahr 2004 rund zehn Prozent an Gebührengeldern entgangen, rechnete Wrabetz vor.

„Mehr Gebühren für schlechteres Programm“
Kritik an einer Gebührenerhöhung kommt aus dem ÖVP-"Freundeskreis" im ORF-Stiftungsrat, vom BZÖ sowie vom Verband Österreichischer Privatsender. Franz Medwenitsch, Leiter des bürgerlichen "Freundeskreises" wies das Vorhaben von ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz als absurd zurück: "Denn niemand würde verstehen, dass für ein schlechteres Programm, das von deutlich weniger Zuschauern gesehen wird, nun auch noch höhere Gebühren zu bezahlen sind."

Der ORF habe sein Publikum "durch die schlecht kommunizierte Umstellung auf digitales Fernsehen noch zusätzlich verärgert. Statt es jetzt mit guten Programmen und Service wieder zu versöhnen, soll es höhere ORF-Gebühren zahlen", so Medwenitsch. Er befürchtet einen weiteren Verlust an Sehern, an Publikumsbindung und -akzeptanz und folgert: "Ich verstehe diesen Kurs der ORF-Führung nicht und kann ihn daher auch nicht unterstützen."

Sportrechte nur Ausrede
Kein Verständnis hat Medwenitsch für die Argumentation des ORF, die sich auf hohe Ausgaben für Sportrechte wie die EURO 2008 stützt. "Die Euro kostet - einmalig - 18 Millionen Euro, die Gebührenerhöhung soll aber - dauerhaft - knapp 50 Millionen mehr in die Kassen des ORF spülen. Tatsache ist, dass Generaldirektor Wrabetz 2007 die vom Kaufmännischen Direktor Wrabetz geplanten ORF-Kosten um 45 Millionen Euro überzogen hat. Jetzt sinken die Werbeeinnahmen als Folge der weitgehend misslungenen Programmreform". Der ORF spare aber nicht, sondern steigere weiter seine Kosten und kommt dadurch in finanzielle Schieflage - "der Gebührenzahler soll's richten".

Der ORF verfüge über knapp 300 Millionen Euro Eigenkapital und Reserven, rechnete Medwenitsch vor. Statt auf Grundlage eines durchdachten Sparkonzeptes für die Zukunft zu planen, drehe die ORF-Führung weiter an der Kostenschraube und - mit Zustimmung der SPÖ - an der Gebührenschraube, so der bürgerliche Stiftungsrat.

„Skandal der Sonderklasse“
"Massiven Widerstand" gegen eine Gebührenerhöhung kündigte auch BZÖ-Generalsekretär Gerald Grosz in einer Aussendung an. Grosz geht davon aus, "dass die wirtschaftliche Talfahrt auch damit zusammenhängt, dass die ORF-Information nur mehr über SPÖ und ÖVP berichtet, was die Menschen zutiefst langweilt".  Dass die rot-schwarze Mehrheit im Stiftungsrat des ORF jetzt die Gebührenzahler zur Kasse bitten will, "ist ein Skandal der Sonderklasse", befindet der BZÖ-Politiker.

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