Di, 19. Juni 2018

BAWAG-Prozess

24.10.2007 18:04

Elsner soll Gerharter 553.000 ¿ geschenkt haben

Im BAWAG-Prozess hat am Mittwoch der frühere Konsum-Generaldirektor Hermann Gerharter vorübergehend die Anklagebank verstärkt, während von den "üblichen" neun Angeklagten der ehemalige BAWAG-Aufsichtsratpräsident Günter Weninger, der Investmentbanker Wolfgang Flöttl und der Bankprüfer Robert Reiter zu Hause bleiben durften: Sie spielten bei dem Vorgang, den der Schöffensenat am 41. Verhandlungstag zu beleuchten hatte, keine Rolle.

Die Aufmerksamkeit galt im Wesentlichen einem großzügigen Geschenk, das der ehemalige BAWAG-Generaldirektor Helmut Elsner dem langjährigen Leiter des Mitte der neunziger Jahre in die Pleite geschlitterten Lebensmittel-Riesen Konsum wenige Wochen vor seiner Pensionierung gemacht haben soll.

Gerharter: "Ich will das nicht"
Nach Darstellung Gerharters wurde er am 12. März 2003 in Elsners Büro bestellt, wo dieser ihm rund 550.000 Euro in bar übergeben haben soll: "Ich sagte, ich will das nicht". Elsner habe ihm aber das Geld förmlich aufgedrängt. "Ich habe es scheu angesehen. Ich habe noch nie so viel Geld auf einem Haufen gesehen", schilderte Gerharter dem Gericht. Das Geld sei dann in eine Plastiktasche gestopft worden: "Die war prall gefüllt. Damit bin ich gegangen."

Die Summe entsprach in etwa jenem Kredit, um den Gerharter 2002 bei der BAWAG angesucht hatte, nachdem er mit rechtskräftigem Gerichtsbeschluss zur Übernahme der Gerichts- und Sachverständigengebühren aus seinen beiden Strafverfahren in Folge der Konsum-Pleite verpflichtet worden war. Neben einer Geldstrafe von rund 13.000 Euro wurde Gerharter zur Zahlung des 45-fachen an Gerichtsgebühren und Sachverständigenkosten verurteilt, nämlich 580.000 Euro.

Der Betrag wurde allerdings vom Gericht jahrelang nicht bei Gerharter eingefordert, seine dafür getätigte "Vorsorge" mittels des BAWAG-Kredits ging also ins Leere. Erst sieben Jahre nach dem Verfahren, im Jänner 2007, erhielt Gerharter die Zahlungsaufforderung vom Gericht und überwies das Geld. Er sei immer zahlungsbereit gewesen, versicherte Gerharter.

Der an sich wohlhabende Gerharter - allein die Abfindung seiner Pensionsansprüche machte umgerechnet 1,235 Mio. Euro aus - wollte sein Privatvermögen im Hinblick auf seine "Alterssicherung" nicht antasten. Daran anschließend habe Elsner noch die "Glattstellung" seines Kontos bei einer BAWAG-Filiale in Mödling in die Wege geleitet und einen schriftlichen Forderungsverzicht der BAWAG veranlasst, berichtete Gerharter weiter. Er habe sich natürlich gefragt, "warum man so gut zu mir ist". Seine Erklärung: Elsner habe ihm schon 2002 versichert, man werde ihm, Gerharter, wegen der Prozesskosten "helfen". Wie der ehemalige Konsum-Boss angab, habe ihm Elsner versprochen: "Wenn du zahlen musst, spring ich ein!" Sein Eindruck sei gewesen, dass der gesamte Vorstand diese Vorgangsweise billigte und auch der ÖGB Bescheid wusste, so Gerharter.

Elsner: "Das ist ja lächerlich"
Elsner reagierte auf diese Darstellung mit einem "Das ist ja lächerlich!". Wenn es das behauptete Geldgeschenk gegeben hätte, "dann hätte ich Senilität im Endstadium", so der Ex-BAWAG-Generaldirektor. Gerharter belaste ihn zu Unrecht, "offenbar um seine Position zu erleichtern". Der Staatsanwalt beschuldigt Elsner in der Causa Gerharter der Untreue, der frühere Konsum-General sowie der ehemalige BAWAG-Generalsekretär Peter Nakowitz, der sich ebenfalls "nicht schuldig" bekannte, wurden als Beitragstäter angeklagt.

Gerharter gab nach Elsners Einvernahme wörtlich zu Prokoll: "Ich wundere mich, Kollege Elsner, dass man solche Lügen auftischen kann!" Er hatte dessen Ausführungen mit Kopfschütteln und teils offensichtlicher Fassungslosigkeit verfolgt.

Am Nachmittag wurden mehrere BAWAG-Mitarbeiter als Zeugen befragt, die angaben, sie hätten lediglich die Anweisungen zur Glattstellung von Gerharters Konten ausgeführt und nicht nachgefragt. Richterin Claudia Bandion-Ortner will dazu noch weitere Zeugen befragen, darunter Kassiere in den betreffenden BAWAG-Filialen Tuchlauben und Mödling sowie die damaligen Sekretärinnen von Elsner.

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