Sa, 23. Juni 2018

Proteste in Teheran

08.10.2007 20:58

Ahmadinejad mit "Tod dem Diktator" empfangen

In der Universität von Teheran haben rund 100 Demonstranten gegen den iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad demonstriert. Sie riefen "Tod dem Diktator", als Ahmadinejad am Montag eine Rede hielt. Der Präsident zeigte sich unbeeindruckt und sprach ungerührt weiter über die Verdienste der Wissenschaft und die Probleme westlicher Demokratien. Die Demonstranten lieferten sich ein Handgemenge mit Anhängern Ahmadinejads, die "Danke, Präsident" riefen. Studenten berichten, dass einige Ahmadinejad-Kritiker gefangen genommen oder von Seminaren an der Universität ausgeschlossen wurden.

Die Polizei war vor den Toren der Universität postiert und betrat den Campus nicht. Der Protest ging zu Ende, nachdem der Wagen Ahmadinejads das Gelände verlassen hatte. Die Behörden hatten vor Beginn der Veranstaltung die Ausweise von allen Studenten kontrolliert und nur ausgewählte Personen in den Saal vorgelassen. Den Demonstranten gelang es aber trotzdem, die Rede Ahmadinejads zu hören.

Schon Dezember hatten Studenten eine Rede des Präsidenten an einer anderen Universität gestört, indem sie Bilder von Ahmadinejad verbrannten und Knallkörper warfen. Am Montag sollte Ahmadinejad an der Universität von Teheran eine Rede zum Semesterbeginn halten. Eine für vergangene Woche geplante Rede auf demselben Campus war mit der Begründung verschoben worden, dass sich der Präsident nicht wohlfühle.

Die amtliche iranische Nachrichtenagentur IRNA erwähnte in ihrem englischsprachigen Dienst den Zwischenfall an der Teheraner Universität nicht. Sie zitierte den Präsidenten mit den Worten, die "Verfechter der sogenannten Demokratie und Menschenrechte" hätten "keine Strategie zur Lösung der Probleme in der heutigen Welt, einschließlich Irak, Palästina und Libanon".

Ahmadinejad ging in seiner Rede auch auf seinen Auftritt an der Columbia-Universität in New York Ende September ein, wo er sich harsche Kritik anhören musste und vom Rektor als "engstirniger und grausamer Diktator" bezeichnet wurde. Dieser "sorgfältig inszenierte Zwischenfall" habe darauf abgezielt, das Ansehen der iranischen Nation zu schädigen, meinte der Präsident. Er fügte hinzu, die "materielle Welt und der Materialismus" seien an ihr Ende gelangt. Ahmadinejad hatte an der Columbia Universität das Festhalten des Iran an seinem umstrittenen Atomprogramm bekräftigt, den Holocaust erneut in Frage gestellt und das Verschwinden Israels von der Weltkarte prophezeit. Bei der Publikumsdiskussion hatte er behauptet, im Iran gebe es keine Homosexuellen, was erwiesenerweise nicht der Fall ist.

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