Mi, 20. Juni 2018

Vater sagte aus

02.10.2007 20:32

Töchter abgeschottet: Prozess vertagt

Mit der Einvernahme zahlreicher Zeugen ist am Dienstag am Landesgericht jener Prozess fortgesetzt worden, in dem die Staatsanwaltschaft einer 53 Jahre alten Oberösterreicherin vorwirft, ihre drei Töchter jahrelang von der Außenwelt abgeschottet zu haben. Die Anklagebehörde verlangt die Einweisung der Frau wegen einer paranoiden Schizophrenie in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher. Das Verfahren wurde vertagt und wird am Mittwoch fortgesetzt.

Am Dienstag hat der Vater der Kinder am Landesgericht Klagenfurt ausgesagt. Der 51-Jährige - er ist selbst Richter - gab an, sich auf den Rat von Psychologen verlassen und deshalb nicht vehementer um die Obsorge der Kinder gekämpft zu haben.

Nach der Scheidung der Ehe im Jahr 1997 zog sich die Frau mit ihren drei Töchtern - heute 15, 18 und 20 - in ihr Haus im Bezirk Urfahr-Umgebung zurück. Die Mädchen blieben immer öfter dem Schulunterricht fern, der Haushalt wurde zusehends als verwahrlost beschrieben, letztendlich entzog die Bezirkshauptmannschaft der Mutter im Oktober 2005 die Mädchen.

Der Kindesvater beantragte mit dem Verweis auf "zahlreiche Medienverfahren" für den Zeitraum seiner Aussage den Ausschluss der Öffentlichkeit. Seine Kinder seien "durch die Transparenz in den Medien bereits betroffen", argumentierte er. Der Schöffensenat unter dem Vorsitz von Richterin Michaela Wietrzyk gab diesem Ansinnen aber nicht statt.

Vater: "Habe mich auf Psychologen verlassen"
"Warum haben Sie nicht früher eine mögliche Obsorge für Ihre Kinder beantragt?", fragte der beisitzende Richter Christian Liebhauser-Karl. Man habe immer gehofft, die Mutter lasse sich auf Maßnahmen der Behörden ein, antwortete der Vater. "Ich habe mich auf Psychologen verlassen und dem ewigen auf und ab der Maßnahmen zugestimmt", sagte der Jurist. Eine Anordnung zur Überprüfung der Zurechnungsfähigkeit sei jedoch nie erfolgt. "Heute würde ich es anders machen", erklärte der Zeuge.

Zum Zeitpunkt der Scheidung seien die Verhältnisse im Haus seiner damaligen Frau noch weitgehend in Ordnung gewesen, erzählte der Jurist. "Damals habe ich mich noch um Haushalt und Garten gekümmert." Erst im Laufe des Jahres 1999 habe er bemerkt, "dass etwas schief läuft". Seine Ex-Frau habe nämlich zum ersten Mal gefragt, ob er hinter Verleumdungen gegenüber der ältesten Tochter stecke, berichtete der Zeuge.

Kontakt zu den Töchtern abreißen lassen
In der Folge sei der Kontakt zur Mutter und den drei Töchtern immer mehr abgerissen. Kontakte habe es nur mehr "sporadisch" am Telefon und vor allem mit der Jüngsten gegeben. Das Pflegschaftsgericht habe er im Jahr 2001 in die Causa involviert. Damals habe ihn seine Ex-Frau einmal um Mitternacht kontaktiert und erklärt, sie werde von 30 Autos verfolgt und Nachbarn würden durch die Wand Laserstrahlen auf ihren Kopf richten.

Inzwischen lebt die jüngste Tochter bei ihrem Vater und besucht das Gymnasium. Die beiden älteren Töchter befinden sich nach wie vor in einer Einrichtung in Kärnten. "Ich besuche sie regelmäßig und habe jetzt einen guten Kontakt mit beiden", erzählte der Vater.

Am Mittwoch sollen Angestellte der Schulbehörde aussagen. Ob es dann auch ein Urteil geben wird, war vorerst nicht klar.

Symbolbild

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