16.07.2007 03:56 |

CCR & Supertramp

John C. Fogerty und Roger Hodgson in Wiesen

“High Quality Festivals since 1976” lautet der Spruch unter dem Logo des kleinen Veranstaltungsortes Wiesen im Burgenland. Nach den ersten Ausgaben von Novarock und Co. fast in Vergessenheit geraten, dreht eine der schönsten Konzertlocations Österreichs jetzt wieder voll auf. Mit Joe Cocker hatte man am Samstag den ersten Heuler der heurigen Saison auf der Bühne – am Sonntag rockten CCR-Mastermind, John C. Fogerty und Supertramp-Stimme, Roger Hodgson unterm kultigen Wiesener Sonnensegel.

Der Festivalgeher merkt bei einem Besuch in Wiesen nach längerer Abstinenz erst wieder so richtig, was bei gezielt auf Massenpublikum ausgelegten Veranstaltungen wie Novarock oder Nuke nicht selbstverständlich ist: Freie Sicht auf die Bühne auch von ganz hinten, wo man sich in Wiesen auf dem sanft ansteigenden Hang ins weiche Gras betten kann. Satter Sound aus einer mit Präzision auf das Publikum ausgerichten Lautsprecheranlage. Verpflegung mit Qualität – es gibt prächtigen Kaffee und sogar eine Backstube mit leckeren Süßigkeiten. Und das Wichtigste: Besucher aller Altersklassen, die tatsächlich nur wegen der Musik kommen.

Roger Hodgson und John C. Fogerty hatten bei diesen Gegebenheiten natürlich ein leichtes Spiel. Hodgson, der ohne Band und nur mit der Unterstützung eines kanadischen Multiinstrumentalisten gekommen war, machte den Anfang. Die Supertramp-Klassiker wie “The Long Way Home”, “Breakfast in America”, “The Logical Song”, “Dreamer” oder “Give A Little Bit” auf Piano, Gitarre oder Rhodes reduziert, ließen das Publikum schnell in den Sound der Siebziger und frühen Achtziger kippen. Sein junger Mitstreiter lieferte dabei immer wieder die markanten Solis auf Sax, Piano oder Mundharmonika und trug damit die einzigen noch fehlenden Teile zu Hodgsons Stimme und den genialen Klaviermelodien bei, die zusammen die Grundsubstanz des unverkennbaren Supertramp-Sounds ausmachen.

Unverkennbar ist auch ein Stichwort für John C. Fogerty. “Was, der Song ist auch von ihm?”, fragte sich wohl bald jemand, der als Gast eines CCR-Fans nach Wiesen gekommen war. Denn mit Krachern wie “Heard It Through The Grapevine” oder “Rockin’ All Over The World” wurden für die Flowerpower-Nachwelt andere Künstler berühmt. Im Gegensatz zu Roger Hodgson legte Fogerty keinen Wert auf musikalischen Minimalismus. Die Begleitband bestand aus zwei Gitarristen, Bass, Keyboarder und niemand geringerem als Kenny Aronoff an den Drums. Der Mann am Schlagzeug gilt als derzeit bester Rock’n’Roll-Drummer, stand schon in Diensten von Joe Cocker, Rod Stewart, Lynyrd Skynyrd, Patty Smith oder Melissa Etheridge, und dementsprechend viel die kraftvolle Performance aus.

Das Erstaunliche an Fogertys anderthalb Stunden langer Show, die mit alten Hits wie “Proud Mary”, “Who’ll Stop The Rain”, “Cotton Fields”, “The River”, “Fortunate Son”, “Good Golly Miss Molly” und auch Songs aus seinen Solo-Alben und der im September erscheinenden, neuen Platte gespickt war: Seine Stimme klingt wie auf den alten CCR-Platten! Und die für die damalige Zeit schon “fortschrittlichen” Gitarrensolis wurden, auf Equipement aus dem neuen Jahrtausend gespielt, zum Hautnaherlebnis. Zwischendurch holte Fogerty auch seine beiden Söhne (selbe Frisur, selbes Flanellhemd und dieselben Gibson-Klampfen wie Papi) auf die Bühne und ließ sich bei “Down On The Corner” unterstützen.

Unter lautstarken Pfiffen und nicht enden wollendem Applaus kehrte Fogerty, der am Samstag schon auf der Burg Clam gespielt hatte, nach dem tempo- und songreichen Set noch für eine Zugabe zurück auf die Bühne, ließ sich gebührend feiern und verschwand dann in die Nacht. Genauso wie die zufriedenen Fans und Zuhörer, denen eine fabelhafte Show vor fabelhafter Kulisse geboten wurde.

Christoph Andert
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