Terror-Prozess

Prozess um Madrid- Anschläge geht zu Ende

Ausland
02.07.2007 12:47
Am letzten Verhandlungstag im Prozess um die Madrider Terroranschläge vom 11. März 2004 hat die Verteidigung den Freispruch des mutmaßlichen Chefideologen der Attentäter gefordert. Der Ägypter Rabei Osman el Sayed sei lediglich ein Einwanderer, der auf der Suche nach Arbeit nach Europa gekommen sei, sagte dessen Anwalt am Montag in seinem Schlussplädoyer.
Mit dem islamistischen Terrorismus habe der 35-Jährige nichts zu tun. Die gegen ihn vorgebrachten Beweise seien unzureichend und zudem auf illegale Weise beschafft worden.

El Sayed, alias "Mohammed, der Ägypter", war im November 2006 in Italien wegen terroristischer Aktivitäten zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Die Anklage gegen ihn in Madrid beruht auf Telefongesprächen, die im April 2004 von der italienischen Polizei abgehört worden waren. "Die Sache in Madrid war mein Ding", sagte er darin unter anderem. Die Übersetzung aus dem Arabischen sei fehlerhaft, machte die Verteidigung geltend. Zudem sei El Sayed damals nicht vorbestraft und die Abhöraktion daher unzulässig gewesen. Das von der Polizei gezeichnete Terroristen-Profil seines Mandanten sei konstruiert.

Staatsanwalt will je 40.000 Jahre Haft
Die Staatsanwaltschaft fordert für El Sayed und sieben weitere Hauptangeklagte jeweils fast 40.000 Jahre Haft. Sie sieht es als erwiesen an, dass der Ägypter der Anstifter der Anschläge war. Bei der Explosion von zehn Bomben in vier Pendlerzügen im Raum Madrid waren damals 191 Menschen getötet und mehr als 1800 verletzt worden. Der Prozess sollte nach viereinhalb Monaten mit den Schlussworten der insgesamt 28 Beschuldigten noch am Montag zu Ende gehen. Das Urteil wird aber erst für Oktober erwartet.

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