10.06.2007 20:09 |

Surrealer Trubel

Albaner lassen "Bushi" wahre Liebe spüren

Solchen Jubel erfährt George Bush sonst nur, wenn er vor Republikanern auftritt: Tausende Albaner haben dem US-Präsident bei seinem Besuch ein selten gewordenes Gefühl beschert: In dem Örtchen Fushe Kruje jubelten ihm die Menschen am Sonntag begeistert zu und skandierten „Bushi, Bushi, Bushi“. Hunderte von Händen streckten sich dem bis über beide Ohren strahlenden und lachenden US-Präsidenten am Straßenrand entgegen. Bush ließ sich herzen und umarmen, ein Mann küsste ihm sogar die Hand. Eine ältere Frau nahm Bush heftig in die kräftigen Arme und wollte ihn kaum noch loslassen.

Den zahlreichen US-Sicherheitsbeamten, die Bush zuweilen kaum folgen konnten, war die Anspannung angesichts des Trubels deutlich anzusehen. Das präsidiale Bad in der Menge dauerte rund fünf Minuten.

"Botschafter Gottes"
In seiner Heimat verfolgte man "Bushis" Schwelgen im Glück mit Skepsis: "So ein lange Reise für etwas Liebe", lästerte eine Reporterin der New York Times. Aber in Albanien liefen am Sonntag Tausende mit Uncle-Sam-Hüten und Stars-and-Stripes-Bannern durch die Straßen. Transparente wurde gezeigt, auf einem stand: "Willkommen, Botschafter Gottes auf der blutbespritzden Erde von Albanien." Bush sollte sich seine Urlaubspläne definitiv noch einmal überlegen...

Die achttägige Europareise Bushs war bisher vor allem von heftigen Protesten gegen den US-Präsidenten - so beim G-8-Gipfel im deutschen Heiligendamm und in Rom, wo 10.000 Polizisten ausrückten - begleitet. Den Bildern nach zu Urteilen dürfte Albanien eines der letzten Länder sein, in denen der US-Präsident bei den Leuten noch ein Leiberl hat, denn nicht einmal in seiner Heimat wird er so bejubelt. Von anderen Regionen, wie dem Irak oder Afghanistan ganz zu schweigen...

Bush hat aber auch Politik gemacht: Kosovo-Frage war Thema
In Albanien schöpfte Bush gleich aus den Vollen und scheute dabei auch kontroverse Themen nicht: Die Unabhängigkeit der südserbischen Provinz Kosovo müsse vorankommen, sagte er bei einer Pressekonferenz. Wenn es keinen diplomatischen Fortschritt in der Frage des künftigen völkerrechtlichen Status des Gebiets gebe, "werden wir uns bewegen müssen" - und "das Ergebnis ist die Unabhängigkeit", so Bush am Sonntag in Albanien bei einer Pressekonferenz mit Ministerpräsident Berisha.

Zugleich warnte Bush vor den Folgen, wenn die Erwartungen der kosovo-albanischen Bevölkerungsmehrheit in der seit 1999 UNO-verwalteten Provinz nicht erfüllt würden. Die USA und die europäischen Staaten unterstützen den Vorschlag von UNO-Vermittler Ahtisaari, der eine überwachte Souveränität der Provinz vorsieht. Russland droht aber, gegen eine solche Lösung als Verbündeter Serbiens im UN-Sicherheitsrat sein Veto einzulegen. Serbien lehnt jede Form von Unabhängigkeit ab und bietet eine "weitgehende Autonomie" an.

Während seines nur sieben Stunden dauernden Aufenthalts in der Hauptstadt Tirana traf Bush Präsident Moisiu und Ministerpräsident Berisha sowie die Regierungschefs Kroatiens und Mazedoniens. Anschließend reiste Bush weiter nach Bulgarien.

Donnerstag, 13. Mai 2021
Wetter Symbol