18.03.2007 09:37 |

Glitzernde Modewelt

Germany's Next Topmodel

Es gibt Spiele, von denen erwartet man sich im Vorfeld nicht allzu viel. Wenn dann aber wie im Fall von "Germany's Next Topmodel", dem offiziellen Spiel zur gleichnamigen Fleischbeschau von Heidi Klum im TV, kein Geringerer als Bruce "Mehr Drama" Darnell eine Empfehlung ausspricht, dann wagen sich auch Krone.at-Redakteure in die faszinierende Welt des Modebusiness...

Als Spieler schlüpfen wir in die Rolle von Stella, einem 17-jährigen Mädchen, das "der Modewelt leidenschaftlich verfallen ist" und von einem Diplom an der Germany's Next Topmodel Modeakademie träumt. Dummerweise kommt sie gleich an ihrem ersten Tag zu spät und macht die unliebsame Bekanntschaft mit Frau von Saidenfels, der strengen Direktorin dieser Institution. Gott sei Dank ist da nebst anderen Lehrern und Mitstreitern aber auch noch die flippige Sandy, die Stella mit den Räumlichkeiten der Akademie und ihrem Stundenplan vertraut macht.

Den können wir über einen PC im Arbeitszimmer praktischerweise selbst gestalten. Zur Auswahl stehen die Kurse Design, Make-Up, Foto, Bibliothek und Modeschau. Unser Abschneiden in diesen Disziplinen bestimmt nicht nur den Notendurchschnitt, der ebenfalls über den PC abrufbar ist, sondern auch wie viele Tokens, die Spiel-eigene Währung, wir erhalten. Mit dem Geld lässt sich dann nach Herzenslust shoppen, um neue Outfits, Accessoires, Lidschatten, Täschen und was frau halt sonst so braucht zu besorgen.

Goldene Schühchen zu blauem Kleid?
Während sich Stella in den folgenden Wochen also selbst ihren Stundenplan zusammenstellen kann, ist die erste Woche noch Pflichtprogramm, um mit den Gepflogenheiten des Spiels vertraut gemacht zu werden. Den Anfang macht der Design-Kurs, in dem ein Model zu einem vorgegebenen Thema (z.B. "Ethno") angekleidet werden muss. Die gewünschten Outfits werden per Drag & Drop auf den Körper gezogen, bevor wir dann in der Stoffschneiderei Farben, Drucke und Motive bestimmen können. Anschließend noch modischen Schnickschnack wie Hut, Brille oder Tasche hinzufügen und schon bekommen wir eine Bewertung für unsere Kreation.

Erst die Grundierung, dann das Rouge
Als nächstes ist Schminken angesagt. Dabei darf Stella allerdings nicht frei nach Herzenslust im Gesicht des Models herumschmieren, sondern muss sich an einem Foto orientieren und das darauf abgebildete Make-Up so gut wie möglich reproduzieren. Für das (in solchen Dingen ungeübte) männliche Auge des Testers sah das Model zwar schon vor dem Schminken so aus wie auf dem Foto, aber ein bisschen Grundierung, Rouge, Lidschatten und Lippenstift später gab es dann doch noch ein paar Punkte für das Werk. Nach einem Haarschnitt folgt schließlich die Maniküre, bei der die Fingernägel erst mit kreisenden Mausbewegungen gefeilt und anschließend lackiert werden. Wenn mal etwas daneben kleckert, genügt übrigens der Griff zum Nagellackentferner.

In Stufe drei des aufregenden Modelebens geht es zu Angelo Montana ins Fotostudio, wo ein Model passend zum aktuellen Thema (Stichwort "Ethno") abgelichtet werden muss. Nach der Wahl eines Hintergrundes und einer Pose geht es an den Sucher, um den richtigen Bildausschnitt zu finden. Da man allerdings nur zehn Schnappschüsse machen darf, sollten Verwackler vermieden werden. Die schönsten Bilder lassen sich sogar auf der eigenen Festplatte speichern.

So hart müssen Models denken können...
Natürlich dreht sich in der Modeakademie nicht alles nur ums Waschen, Legen und Fönen. Ein ganz wesentlicher Aspekt ist die Fortbildung. Die Bibliothek der Akademie bietet zu diesem Zweck umfangreiches Lehrmaterial über die Geschichte der Mode, Techniken und Textilien. Wer die vier Fragen von Mode-Fuzzi MacAllister beantworten kann, schaltet neue Kleidungsstücke frei, mit denen dann weitere Kollektionen erstellt werden können. Meist sind die Fragen allerdings auch ohne vorhergehendes Studium zu beantworten. Ein Beispiel: "Wie nennt man die Zucht des Seidenraupenkokons?" Seidenraupenzucht, Austernzucht oder doch etwa Fischzucht?

Wer diese Frage trotz stundenlangen Grübelns nicht beantworten kann und somit keine Kleidung freischaltet, der kann sie sich beim "Shopping" auch einfach kaufen, um dann gut gerüstet während der "Modeschau" auf den Catwalk zu steigen. Hier gilt es im richtigen Moment auf die angezeigte Taste zu drücken, um möglichst grazil zwischen den Fotografen und VIPs zu promenieren. Wer stolpert oder dem vorgegebenen Kurs nicht folgt, wird mit Abzügen bestraft.

Mysteriöse Vorfälle an der Modeakademie
Garniert wird der ohnehin schon aufregende Alltag immer wieder mit kleinen Adventuresequenzen, in denen es den mysteriösen Vorkommnissen an der Modeakademie auf den Grund zu gehen gilt. Wer hat beispielsweise die neue Modekollektion zerschnippelt? Und hat das Wurfattentat auf den Hollywoodstar nicht doch einer anderen Person gegolten? Zu große Rätsel darf sich der Spieler aber nicht erwarten, beschränken sich die Aufgaben doch meist auf "Gehe von A nach B und finde C".

Zu guter Letzt bietet das Spiel neben dem "Abenteuer"-Modus noch ein freies Spiel, in dem sich der Spieler ohne Umschweife ans Werk machen kann. Einfach Model und Ort der Modeschau aussuchen und schon kann's ans Einkleiden und Schaulaufen gehen.

Grafisch ist "Germany's Next Topmodel" durchaus nett ausgefallen, wenngleich die Animationen nicht immer rund laufen und eine Spur kantig ausgefallen sind. Die Steuerung in den Adventurepassagen gibt sich stellenweise störrisch, da diese Zwischensequenzen jedoch eher selten sind, fällt dieser Umstand nicht sonderlich ins Gewicht. Sehr gut hingegen die durchwegs deutschsprachige Synchronisation, die aber nicht darüber hinweg täuschen kann, dass sich in Sachen Sounds und Musik ansonsten nur sehr wenig tut.

Fazit: "Germany's Next Topmodel" richtet sich an kleine Mädchen in rosa Kleidchen und große Männer, die früher nur mit Matchbox-Autos und nie mit Barbies spielen durften. Dazwischen dürften sich nur wenige Gamer angesprochen fühlen. Dafür, dass eine Serie wie "Germany's Next Topmodel" aber eigentlich überhaupt nichts hergibt, ist das gleichnamige Spiel erstaunlich abwechslungsreich ausgefallen. Auf Dauer motivieren kann es aber nur bedingt, wiederholen sich Abläufe doch sehr oft und sind zu leicht ausgefallen. Die Bewertung der eigenen Fertigkeit wird nämlich in Echtzeit angezeigt, so dass der Spieler eigentlich stets Fehler sofort bemerken und diese auch wieder ausbügeln kann. 

Plattform: PC
Publisher:  dtp young entertainment
Krone.at-Wertung: 72% (der Trash-Faktor liegt bei ca. 82%)


von Sebastian Räuchle

Dienstag, 11. Mai 2021
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