Mi, 26. September 2018

Weltmännertag

19.11.2017 08:07

Sterben Männer wie Sie bald aus, Herr Gabalier?

Zum Internationalen Männertag spricht Volks-Rock-'n'-Roller Andreas Gabalier (wird am Dienstag 33) mit Conny Bischofberger über #metoo und die Sexismus-Debatte, den Kampf zwischen den Geschlechtern und eine persönliche Tragödie.

"Bin grad im Supermarkt", entschuldigt sich Andreas Gabalier am Mobiltelefon, "bitte in einer Stunde noch einmal anrufen!" Um 15 Uhr ist er noch immer nicht zu Hause. "Aber das macht nix, hier kann ich reden!" "Hier", das ist bei den Nachbarn seiner Grazer Wohnung, 80 und 90 Jahre alt. "Sie sind so etwas wie meine dritten Großeltern für mich", sagt Gabalier, "und nehmen auch meine Post entgegen."

Auf der Bühne sind Lederhosen, Muskeln und sexy Hüftschwünge die Markenzeichen des Volks-Rock-'n'-Rollers: Sechs Millionen Tonträger hat der Steirer seit seiner Entdeckung vor acht Jahren verkauft und ist somit der erfolgreichste Musiker des Landes. Privat trägt Gabalier am liebsten Jeans und Holzfällerhemden. "Die liebe Hermine-Oma hat mir gerade zwei Knöpfe angenäht, die schon locker waren", lacht er. Es gibt Kaffee und Vanillekipferln. Eh klar, dass ein Mann wie Gabalier nicht selbst Nadel und Zwirn in die Hand nimmt … Und wir sind schon mitten im Thema.

"Krone": Diesen Sonntag ist Internationaler Männertag. Finden Sie das richtig und wichtig?
Andreas Gabalier: Eigentlich ist es mir wurscht. Aber wir Männer haben uns das sicher verdient, es gibt ja auch einen Muttertag und einen Internationalen Frauentag.

Er soll das Verhältnis der Geschlechter verbessern, die Gleichberechtigung fördern und männliche Vorbilder hervorheben.
Sachen gibt's auf dieser Welt! (lacht)

Zuletzt waren viele bekannte Männer weniger Vorbilder, sondern standen wegen sexueller Belästigung im Rampenlicht: Harvey Weinstein, Dustin Hoffmann, Kevin Spacey.
Dass sexuelle Belästigung oder sogar Vergewaltigung gar nicht geht, ist wohl eh klar. Aber ich glaube schon, dass da auch sehr viel aufgebauscht wird.

Inwiefern?
Wenn sich da Frauen melden, die sexuell belästigt wurden, dann ist das so. Facebook ist ja durchaus eine Plattform, auf der man seine Anliegen darlegen kann. Aber in der Folge wird dann immer gleich alles schlechtgeredet. Ich habe das ja vor zwei Jahren auch schon einmal über mich ergehen lassen müssen.

Sie haben Conchitas Sieg mit dem Satz kommentiert: "Man hat es nicht leicht auf der Welt, wenn man als Manderl noch auf ein Weiberl steht."
Ich darf das vielleicht noch einmal klarstellen, dass mir das aber so was von wurscht ist, wer was macht, mit wem und warum. Ich kenne selber drei schwule Pärchen. Worum es mir gegangen ist: Ich finde, dass Sexualität nicht so offen ausgelebt werden muss, dass es den Kindern sogar schon im Kindergarten vorgebetet wird. In der Zeitung, auf dem Weg in die Schule, auf sämtlichen Plakatwänden: Ein bisschen sollen Kinder schon hineinwachsen ins Leben. Das war mir einfach zu viel.

#metoo auch?
Ja, ich fand die Offenheit, mit der Nina Proll an die Sache herangeht, amüsant. Die Frau nimmt sich einfach kein Blatt vor den Mund! In der heutigen Zeit müssen Leute, die in der Öffentlichkeit stehen, ja immer Angst haben, dass sie irgendwo anecken, Kritik einstecken oder Shitstorms im Internet über sich ergehen lassen müssen. Nina Proll - das gefällt mir - ist schmerzbefreit und haut einfach ausse, was sie sich gerade denkt.

So wie Sie?
Ja ... Ich hab' keine Lust, immer durch die Blume zu reden, irgendein Wischiwaschi, um es allen recht zu machen. Wenn du in der Öffentlichkeit stehst, kannst du es gar nicht allen recht machen. Es wird immer Leute geben, die sagen: "Der Gabalier ist ein Dodel. Wer so viel Erfolg hat, der polarisiert. Der muss einen Weg finden, wie er damit umgeht und ich glaube, ich habe diesen Weg gefunden."

Klingt, als hätten Sie sich's in der Macho-Rolle bequem gemacht.
Macho. Heutzutage bist du gleich ein Macho, wenn du sagst, was du dir denkst oder wenn du ein bisschen traditionellere Rollenbilder hast.

Sterben Männer wie Sie bald aus?
Nein, ganz bestimmt nicht. Ich habe gestern 15.000 Tickets verkauft. Bei meinen Konzerten spüre ich, dass es Tausende Gleichgesinnte gibt. Die kommen nicht nur wegen der Musik oder meiner Lebensgeschichte, die kommen wegen allem, was ich mit meiner Person verkörpere. Die Menschen, gerade am Land, sind zum Großteil noch nicht so weit, um so liberal und fortschrittlich zu denken wie die Medien es vorgeben mit dem ganzen Gender-Wahnsinn zum Beispiel! Die mögen das Bodenständige, auch wenn sie aus heutiger Sicht für viele ein bisschen hinterwäldlerisch oder gestrig wirken mögen. Im Land draußen schaut die Welt ein bisschen anders aus!

Setzt die #metoo-Debatte, bei der sich weltweit Menschen mit Frauen solidarisiert haben, die sexuell belästigt wurden, Männer unter Druck?
Ich glaube nicht, dass wir Männer wegen #metoo ein Problem haben. Wer nichts angestellt hat, der muss auch kein schlechtes Gewissen haben.

Viele Männer sind verunsichert. Wo hört Flirt auf und wo beginnt Anmache? Ist diese Grenze klar?
Sie ist vielleicht nicht so klar. Wenn ich so ein Dirndl heute schief anlache und mir gar nix Böses dabei denke, dann wird es von der andern Seite vielleicht gleich zu gach verstanden.

Zu gach?
Dann geht es dem Dirndl vielleicht zu schnell.

Trauen Sie sich noch, einen sexistischen Witz zu erzählen?
Einen Witz kann man immer erzählen. Wenn man den Humor verliert und über nichts mehr lachen kann, dann hört man auf zu leben. Ich glaube, wir sollten das alles nicht so ernst nehmen. Gerade in Zeiten, wo ohnehin schon alles platt und kleingetreten und hundertmal durchgekaut wird, sollte man sich das Lachen bewahren.

Welcher Song gefällt Ihnen besser: "Männer weinen heimlich, Männer brauchen viel Zärtlichkeit!" von Grönemeyer oder "Männer sind Schweine, sie wollen nur das eine" von den Ärzten?
Ich liebe "Männer" von Grönemeyer! Bitte, wer mag das nicht? Meine Lieblingsstelle: "Männer haben es schwer, nehmen es leicht, außen hart und innen ganz weich." Na sicher! Aber auch die Ärzte setzen sich mit viel Humor mit dem Thema Mannsein auseinander.

Grönemeyer singt auch: "Wann ist ein Mann ein Mann?" Wie würden Sie diese Frage beantworten?
Aaaalso. Ich glaube, er sollte einmal im Leben ein Moped auffrisiert haben. (lacht) Und er muss ein Bier getrunken und natürlich einen Baum gepflanzt oder umgeschnitten haben. Und ohne Tanzkurs geht sowieso nichts! Ohne Lamourhatscher kommst du nicht durchs Leben.

Haben Sie schon einen Baum gepflanzt?
Jede Menge, einen ganzen Gabalier-Wald mittlerweile! Bei uns auf der Alm und auch in Graz.

Ihr traditionelles Frauenbild haben Sie einmal so beschrieben: Meine Frau wird, wenn wir einmal Kinder haben sollten, zu Hause bleiben. Ist das noch immer so geplant?
Wir werden uns das, wenn es einmal so weit sein sollte, untereinander ausmachen. Ihr braucht natürlich immer eure Schlagzeilen, deshalb habt ihr dann geschrieben: "Gabalier sagt, die Frau gehört hinter den Herd." Aber da steh ich drüber und lass es einfach über mich ergehen.

Haben Sie das inzwischen revidiert?
Uns geht es so gut, dass sie das entscheiden kann. Ich finde es nur traurig, dass Frauen in der heutigen Zeit das Gefühl vermittelt wird, sie seien Menschen zweiter Gattung, wenn sie den Wunsch haben, - sofern es beziehungstechnisch, beruflich und finanziell machbar ist - zu Hause bei ihrem Kind zu bleiben, sich auf die vielleicht schönsten Jahre zu freuen, den Nachwuchs beim Start ins Leben zu begleiten. Das wird politisch und medial zum Unding erklärt. Und das ist es, was mich stört.

Könnten Sie sich vorstellen, in Karenz zu gehen?
Na ja, diese Frage stellt sich bei mir ja gar nicht. Wenn ich wirklich mal in Richtung Kinder denke, dann kann ich leicht zurückschrauben, weniger Konzerte spielen, muss auch keinen Papamonat nehmen, weil ich ohnehin selbstständig bin.

Herr Gabalier, darf ich Sie noch etwas sehr Persönliches fragen?
Sie dürfen.

Ihr Vater und Ihre jüngere Schwester haben sich beide das Leben genommen. Wie haben Sie es geschafft, diese Tragödien zu verarbeiten?
Der Schmerz war unermesslich. Aber irgendwie ist vielleicht meine Natur einfach stark genug gewesen. Unsere liebe Mutti hat viel Hilfe gebraucht, ich habe das kompensieren können. War viel allein, bin auf den Berg gegangen, habe Sport gemacht. Wenn ich nicht mehr allein sein konnte, bin ich mit alten Freunden um die Häuser gezogen. Die Musik hat auch das ihre beigetragen.

Was genau?
Inmitten der ganzen Trauer ist meine Musik-Laufbahn von Anfang an steil nach oben gegangen. Sie war in dieser harten Zeit das einzig Erfreuliche, sie hat mich gelehrt, an das Schöne mit meinem Vater und meiner Schwester zu denken, nicht an das, was am Schluss war. Ich lasse mich da nicht hinunterziehen oder falle in ein emotionales Loch, nur weil Allerheiligen ist oder Weihnachten. Ich lebe im Jetzt und schaue nach vorn.

Gibt es irgendetwas, was Sie den beiden noch sagen möchten?
Nein, gar nicht. Dafür habe ich ja die Musik. Wenn ich auf der Bühne spiele, dann ist es immer auch ein bisschen für den Papa und die Schwester.

Conny Bischofberger, Kronen Zeitung

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