Di, 19. Juni 2018

Kein Kraut gewachsen

13.09.2017 16:07

Wanzeninvasion auf Österreichs Berghütten

Wegen einer regelrechten Wanzeninvasion schlägt nun der Alpenverein Klagenfurt Alarm: Die Plagegeister hatten sich in Scharen in der Klagenfurter Hütte eingenistet, doch gegen die ungebetenen Gäste ist offenbar kein Kraut gewachsen. Keine Bekämpfungsmaßnahme hat bislang gegen die zähen Quälgeister geholfen, berichtet der Alpenverein, weshalb der Nächtigungsbereich der Hütte "nun gesperrt werden musste".

Die "Wanzenoffensive", wie es der Alpenverein selbst bezeichnet, sei jedoch nicht nur auf der Klagenfurter Hütte ein großes Problem: "Wir schätzen, dass zwischen zehn und 20 Prozent aller alpinen Hütten von Bettwanzen befallen sind", sagte Vorsitzender Karl Selden. Genauer lasse sich das nicht sagen, da nicht alle Wanzenarten gleich aktiv seien.

Wie Peter Kapelari, Leiter der Abteilung für Hütten, Wege und Kartografie im Alpenverein, am Mittwochnachmittag präzisierte, beziehe sich die Prozentangabe auf eine "allgemeine Studie zur Problematik in Beherbergungsbetrieben", aber nicht auf Alpenvereinshütten im Speziellen. Dem Alpenverein selbst seien sechs Fälle eines Befalls bekannt. Bei vier betroffenen Hütten habe eine Bekämpfung erfolgreich durchgeführt werden können.

Wanzen "gegen viele Insektizide immun"
Den Grund für die zunehmende Verbreitung ortet Selden einerseits darin, dass es einen Trend zu Weitwanderungen gibt, bei denen die Alpinisten im Rucksack nicht nur ihre Ausrüstung, sondern auch die Parasiten von Hütte zu Hütte schleppen. "Und wie man von Experten hört, sind die Tiere mittlerweile auch noch gegen viele Insektizide immun", so Selden.

Das bekam man auch in der erst vor Kurzem renovierten Klagenfurter Hütte, einem Ausflugsziel in den Karawanken, zu spüren: Nachdem es im Frühjahr die ersten Bettwanzenstiche gab, erhitzte und begaste man die Räume - vergebens. Nun wird der Nächtigungstrakt im ersten Stock der Hütte zur Baustelle. Teile der Wände, des Bodens und der Decke in jedem Zimmer werden abgetragen, um den Wanzen auch im letzten Schlupfwinkel den Garaus zu machen. Die Kosten werden mit bis zu 100.000 Euro beziffert. Die Verluste, die der Pächter durch den Wegfall der Zimmervermietung erleidet, sind dabei noch gar nicht mit eingerechnet.

Holz wirkt auf Wanzen anziehend
Doch was genau finden die Wanzen an den Hütten so attraktiv? "Der Grund dafür ist genau das, was alpines Nächtigen so schön macht - die Ausstattung der Zimmer mit viel Holz. Holz hat überall Spalten und Fluchtwinkel", sagte Selden, der auch glaubt, dass man bei der Gestaltung von Hütten in Zukunft umdenken müssen wird: "Die Zimmer werden in Zukunft wohl puritanischer und nicht mehr so gemütlich eingerichtet werden."

Die "feindliche Übernahme" hat jedoch nichts mit mangelnder Hygiene zu tun. "Wanzenbefall wird definitiv nicht durch fehlende Reinlichkeit, sondern durch Einschleppung verursacht", erklärten Selden und Kapelari. Bettwanzen sind Fluchttiere, die sich bei Tag in Holzritzen verbergen und nur in der Nacht aktiv werden.

Plagegeister kommen 40 Wochen ohne Nahrung aus
Die Blutsauger sind unempfindlich gegen Kälte und können bis zu 40 Wochen ohne Nahrung auskommen. Doch zumindest eine weniger schlechte Nachricht gibt es für Wanderer, die sich über einen Stich ärgern: Wanzen übertragen keine Krankheiten und die Schwellungen, ähnlich einem Stich von anderen Insekten, verschwinden nach rund zwei Wochen rückstandslos.

 krone.at
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