Di, 21. August 2018

Radikaler Islamismus

19.08.2017 06:57

Amer Albayati: IS-Staat ist weg, Bedrohung bleibt

Das Kreuz mit dem Islam: Jede Religion hat in ihrer Geschichte militante Phasen - die eine mehr, die andere weniger. Der Islam befindet sich in jener Phase, die das Christentum zu Zeiten seiner grausamen Kreuzzüge durchgemacht hat. Der IS-Staat ist zwar weg, aber die Bedrohung bleibt - solange noch dieser Todeskult lebt, sagt der österreichische Kämpfer für einen liberalen Islam, Amer Albayati.

Der österreichische Publizist mit irakischen Wurzeln kämpft für einen liberalen Islam und steht deshalb auf der Todesliste der Dschihadisten. In seinem neuen Buch zählt er nicht nur seine langjährigen Warnungen vor dem radikalen Islamismus auf, er hält auch Europas Antwort auf die Terroranschläge für unzureichend - etwa das Hofieren der Saudi-Dynastie, während die Staatsreligion in Saudi-Arabien, der Wahhabismus, ideologisch kaum zu unterscheiden ist vom Steinzeit-Islam des IS, wie ihn beispielsweise Al-Kaida praktiziert.

Ägyptische Moslembrüder als Ursprung radikaler Bewegungen
Modernisierungsversuche in der arabischen Welt wie der Nasser-Sozialismus in Ägypten scheiterten am Konflikt mit Israel. Unter Gamal Abdel Nassers Nachfolger an der Staatsspitze, Anwar as-Sadat, ertönten die erste Rufe: "Nicht Ost, nicht West, Islam ist die Lösung."

Albayati hatte in seiner Jugend im Irak noch einen Islam erlebt, der zur modernen Welt aufholen wollte. Er liefert einen guten Überblick über das Entstehen vielfältiger radikaler Bewegungen, deren gemeinsame Wurzel er in den ägyptischen Moslembrüdern sieht: "Bezeichnend ist das Schwert und der Koran in ihrem Logo."

Folgen westlicher Politik-Sünden
Zu ergänzen ist, dass daran der Westen durch kurzsichtige, ja dumme, unwissende Politik einen wesentlichen Anteil hat: die Duldung der Schah-Tyrannei im Iran; die Bewaffnung reaktionärer, weil antisowjetischer Kämpfer in Afghanistan; die Invasion im Irak, welche dann die Sunniten der Revanche durch die Schiiten aussetzte (und dem IS den Weg freimachte), die Duldung der Ausbreitung des saudi-arabischen Steinzeitislam mit Geld, Waffen und Koranschulen.

Ungehörte Weckrufe und ein "Titanic-Syndrom"
Europa ist konfrontiert mit einem hartnäckigen Todeskult aus einer fanatischen Verzerrung des Islam. Buchautor Albayati kann nicht genug warnen - vor genau diesen Gefahren, die sich hier vor den Toren Österreichs, auf dem Balkan, auftürmen. Und er kann sich zuweilen über die Blindheit der Politik nur wundern. "Ungehörte Weckrufe" seit 2011, zählt er seine Warnungen auf und konstatiert ein "Titanic-Syndrom". So hat(te) Österreich im Vergleich zur Einwohnerzahl eine der höchsten Quoten an IS-Kämpfern (mit Balkan-Hintergrund).

Was sind die Auswege aus dem Dilemma der westlichen Welt? Albayati gibt die Hoffnung nicht auf: "Holen wir den Islam in die Moderne. Gemeinsam muss es zu schaffen sein", meint der Autor.

Albayati:Moslems sollen "christliches Abendland" anerkennen
Nach der "Erregung mit sechseinhalbjähriger Verspätung" über die 150 islamischen Kindergärten in Wien fordert der Autor wirksame Maßnahmen gegen die Isolierung von Moslems im Kindesalter: "Moslems müssen anerkennen, dass in Europa das 'christliche Abendland' besteht - nicht nur religiös, sondern auch kulturell. Diese Aufklärungsarbeit muss im Internet stattfinden, wo die Dschihadisten auf Werbetour unterwegs sind." Das Buch endet mit dem Wortlaut des neuen österreichischen Islamgesetzes.

Kurt Seinitz, Kronen Zeitung

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