So, 22. Juli 2018

Fälle werden mehr

09.07.2017 17:00

Demenz: Neue Schulung für Tiroler Polizisten

Demenz - eine heimtückische Krankheit, von der österreichweit rund 120.000 Menschen betroffen sind. Der richtige Umgang mit diesen Erkrankten muss gelernt sein. Und da die Polizei häufig Ansprechpartner Nummer eins für Angehörige ist, können sich Tiroler Polizisten die richtigen Verhaltensweisen nun aneignen.

Ein älterer Herr im Pyjama verlässt ein Geschäft mit Ware, die er nicht bezahlt hat. Der Verkäufer stoppt ihn und stellt ihn zur Rede, doch der betagte Herr versteht aufgrund seiner Demenzerkrankung die Aufregung nicht. Die Polizisten müssen die Situation klären.

"Müssen die Menschen verstehen, um helfen zu können"

Das ist nur ein Szenarium von vielen, mit denen die Beamten regelmäßig konfrontiert sind. "Daher ist es sehr wichtig, sich als Polizist in derartigen Situationen den richtigen Umgang anzueignen. Nur wer die Menschen versteht, kann helfen und für individuelle Sicherheit sorgen", bringt es Peter Kern, Leiter des Bildungszentrums Tirol, auf den Punkt. Die Sicherheitsakademie des Innenministeriums (SIAK) bietet in Kooperation mit der Donau-Universität Krems ein freiwilliges E-Learning-Tool für Polizisten an, das sich mit Demenz beschäftigt. "Drei Module und ein Wissenstest müssen bewältigt werden. Rund eine Stunde muss investiert werden, jeder Polizist kann auf dieses Schulungsprogramm zugreifen", schildert Kern.

"Fälle werden mehr"

Das Tool bereits erfolgreich absolviert haben die beiden Polizisten Markus Brunner und Daniel Kölli. "Wir sind in der Polizeidienststelle Hall tätig und haben ein- bis zweimal in der Woche mit einem Demenzfall zu tun - Tendenz steigend", verdeutlichen sie. Das Absolvieren des Moduls war für die Beamten hilfreich. "Beim Erstkontakt mit einer an Demenz erkrankten Person weiß man überhaupt nicht, was da vor sich geht, geschweige denn, wie man richtig mit dieser Person umgeht", sagt Brunner und fügt hinzu: "Diese Menschen leben in einer anderen Realität, selten antworten sie auf deine Fragen. Die Erkrankung ist außerdem sehr facettenreich."

Feingefühl ist notwendig

Und wie sollte man sich als Polizist in einem solchen Notfall richtig verhalten? "Man muss Ruhe bewahren und auf die Person eingehen, ihr gut zuhören und dann eine Vertrauensbasis aufbauen. So lösen sich viele Fälle von alleine", schildert Kölli. Über den Titel "Demenzfreundliche Polizeidienststelle" darf sich in Tirol derzeit noch kein Posten freuen. Dafür müssten 70% einer Dienststelle das Modul absolvieren.

Jasmin Steiner, Kronen Zeitung

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