23.04.2017 19:03 |

Kriegs-Freizeitpark

Hier erstürmen Russen den Berliner "Reichstag"

Gesagt, getan: Das russische Verteidigungsministerium hat jetzt wie angekündigt einen Nachbau des Berliner Reichstages in einem Militär-Freizeitpark nahe Moskau erstürmen lassen. Mehr als 1000 Statisten stellten am Sonntag die letzten Tage des Zweiten Weltkrieges nach und erklommen dabei den "Mini-Reichstag".

Am Sonntagnachmittag zwischen Hagel und Schneesturm beginnt der Sturm auf Berlin, pünktlich um 12.30 Ortszeit. Jedoch nicht in Deutschland, sondern als Familienevent in einem Birkenwäldchen nahe der russischen Kleinstadt Kubinka - knapp eine Autostunde von Moskau entfernt.

Die Zuschauer sitzen direkt vor der Frontlinie, in Hundert Meter Entfernung erkennt an ein kleines Gebäude - den "Mini-Reichstag". Eine von Weitem zu erkennende rote Fahne weht am Ende der Show von seinem Dach.

Schlüsselmoment der Sowjetunion
Die Symbolhaftigkeit der Szene ist jedem Russen bekannt: Das weltbekannte Foto des Rotarmisten Jewgeni Chaldej zeigt mehrere sowjetische Soldaten, die nach der Schlacht um den Reichstag im Mai 1945 auf dem zerstörten Gebäude ihre Flagge hissen. Der Sturm auf den Reichstag wurde später auch zum Schlüsselmoment der Sowjetunion und auch des russischen Patriotismus.

Knapp 10.000 Menschen verfolgten Spektakel
Die Darsteller für den "Familienevent" kamen nach Angaben des Ministeriums unter anderem aus Russland, Israel, Polen, Italien, Spanien und der Ukraine. Knapp 10.000 Menschen haben sich nach Angaben des Ministeriums das Spektakel angeschaut, darunter Kleinkinder, Schüler und Studenten. Als über 1000 Statisten und Komparsen in Uniformen der Roten Armee Kriegskulissen befeuern, sitzt auch Schoigu auf einer Tribüne.

Bereits im Februar hatte das Verteidigungsministerium mit seiner Ankündigung aufhorchen lassen, den Berliner Reichstag in einer Mini-Variante nachzubauen. Hier sollten die jungen Menschen lernen, wie man ein Gebäude erstürmt und im Krieg überlebt, sagte Schoigu damals.

Ob die Rekonstruktion jedoch regelmäßig "erstürmt" werden könne, war zwei Monate später nicht mehr so sicher. Es sei nur für die Militär-Show erbaut worden, sagte Schoigus Sprecher. Ein Vertreter des Freizeitparks zuckte nur mit den Schultern: Das Stahlgerüst werde noch eine Weile hier rumstehen, was damit geschehen werde, sei noch nicht geklärt.

Berlin über Erstürmung von "Mini-Reichstag" nicht erfreut
Klar ist: Bereits im Frühjahr hatte Schoigus Ansage in Berlin und bei der deutschen Bundesregierung für gewaltige Irritationen gesorgt. Die deutsche Regierungssprecherin Ulrike Demmers nannte die Idee damals überraschend. Beobachter empfanden den Vorschlag, hervorgebracht unmittelbar vor dem russischen Tag der Vaterlandsverteidiger, als kleine Provokation gen Westen. Zudem wolle die Regierung in Moskau damit die Jugendlichen auf Patriotismus trimmen.

In Russland hat der Mini-Reichstag viele Befürworter. Nikolai, gekleidet in Generalsuniform, findet die Spielwiese besonders für Erziehungsmaßnahmen immens wichtig. "So lernen die Jugendlichen, die Heimat wieder zu schätzen. Sie wissen dann, was die Großeltern geopfert haben." Die Kritik aus Berlin hält er für absurd. "Wir hier in Russland können doch machen, was wir wollen. Das ist unser Territorium", sagt der Mann.

Kriegs-Freizeitpark kostete 300 Millionen Euro
Finanziert und organisiert wird der Patrioten-Park vom Verteidigungsministerium. 2015 wurde er eröffnet und kostete etwa 300 Millionen Euro. Hier können Kriegs-Fans an unterschiedlichen Schauplätzen Schlachten nachstellen. Historisch beraten und ausgestattet wird der Park bei dem Spektakel von der privaten Synergy-Universität. "Wir wollen zeigen, wie schrecklich der Krieg ist", sagt Sprecher Dmitri Tschubarow.

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