09.04.2017 09:00 |

Kalt geschnetzelt

Nordmann-Game "Vikings: Wolves of Midgard" im Test

Action-RPGs nach dem "Diablo"-Prinzip gab es schon viele, in die Mythen- und Sagenwelt der alten Nordmänner hat uns bisher aber noch keines entführt. In "Vikings: Wolves of Midgard" haben Wikinger-affine Gamer nun endlich die Möglichkeit, sich als Schildmaid oder Berserker durch Horden von Fabelwesen zu schnetzeln und die Welt vorm nordischen Weltuntergang Ragnarök zu retten. Wie sich das spielt, hat krone.at getestet.

Der Wikinger-Clan der Ulfung aus "Vikings: Wolves of Midgard" hat es nicht leicht: Von den anderen Stämmen geächtet, von fiesen Goblin-Halunken überfallen und mit den ersten Vorboten des nordischen Weltuntergangs Ragnarök konfrontiert, steht es zu Spielbeginn nicht gerade zum Besten um ihr Dorf. Zum Glück eilt ein kompetenter neuer Clanführer zu ihrer Rettung: der Spieler.

Er schnetzelt sich durch eine Story voll nordischer Wikingermythologie, macht sich feindliche Clans Untertan, löst alltägliche Wikingerprobleme wie Wolfsplagen und befreit eisige Landstriche von Frostriesen, Trollhexen und allen möglichen anderen Bedrohungen aus der Unterwelt. Prinzipiell reichlich Stoff für ein zünftiges Wikingerabenteuer, die nicht besonders wendungsreiche Erzählung entfaltet durch die unspektakuläre Inszenierung aber nicht ihr volles Potenzial.

Nordmann oder Schildmaid?
Spielerisch ist "Vikings: Wolves of Midgard" aber durchaus für etwas Kurzweil gut. Zu Spielbeginn erstellt der Spieler genretypisch seinen Helden - wahlweise einen muskelbepackten bärtigen Hünen oder eine dralle Schildmaid, die sich - je nach bevorzugtem Spielstil - einen nordischen Gott als Patron aussuchen. Je nach Gott greift man dann lieber zu Pfeil und Bogen, zwei Einhändern, dicken Zweihandwaffen, Zauberei oder Schwert und Schild, um durch die Gegner zu pflügen.

Genretypisch motzt man dabei seinen Charakter mit jedem Level-Aufstieg auf, spendiert ihm neue Fähigkeiten, verbessert Waffen und Rüstung oder steckt Runen in selbige, um ihnen noch ein paar besondere Eigenschaften wie Elementarschaden oder Lebensraub zu spendieren.

Kleine Macken trüben das Gesamtbild
Ganz so befriedigend wie beim großen Vorbild ist das allerdings nicht: Gute Waffen werden nicht unbedingt von Bossen fallen gelassen, sondern beim Händler geschmiedet. Wirklich spezialisieren kann man sich nicht, da man im Spielverlauf ohnedies alle Talente eines Baums vollkriegt und andere Bäume ohne die entsprechende Bewaffnung nichts bringen. Die Gespräche mit NPCs sind aufs Nötigste beschränkt.

Hinzu kommen Komfort-Mängel: Das Verkaufssystem erlaubt nicht, mehrere Gegenstände auf einmal zu verhökern. Die ohnedies eher karge Fähigkeiten-Leiste lässt sich nicht nach den Wünschen des Spielers anpassen. Vereinzelt macht die Kollisionsabfrage Faxen und man hackt einen Meter vor dem Ziel in die Luft. Alles nicht dramatisch, aber in Summe störend.

Das ist schade, ist doch das eigentliche Gameplay gelungen. Die Steuerung per Maus oder Gamepad ist angenehm direkt und eingängig. Dass der Charakter per Hechtrolle ausweichen kann, fügt den Kämpfen im Vergleich zu anderen Hack'n'Slay-Games eine dynamische Komponente hinzu. Dass man in einigen Gebieten im dichten Schnee darauf achten muss, regelmäßig Lagerfeuer aufzusuchen, um nicht zu erfrieren, bringt ebenfalls Tiefe ins Spiel.

Abwechslungsreiche Bosse, ansehnliche Optik
Gut gefallen haben uns auch die Bosskämpfe. Die Endgegner haben ihre eigenen Kampfmuster, auf die sich der Spieler einstellen muss und zwingen dazu, sich immer wieder neue Taktiken zu überlegen. Dass der Held bei besonders harten Kämpfen die nur selten nutzbare "Berserkerwut" aktivieren kann, ist da ganz praktisch.

Zerstörbare Umgebungen und die Möglichkeit, Gegner mit den Mitteln der Physik zu beseitigen, seien ebenfalls positiv hervorgehoben. Und auch die Komponente, das verwüstete Dorf der Ulfung nach und nach wieder aufzubauen, gefällt. Für hartgesottene Spieler gibt es sogar einen "Valhalla"-Modus, bei dem das Ableben der Spielfigur zum Neustart zwingt.

Optisch hinterlässt "Vikings: Wolves of Midgard" in der getesteten PC-Version einen guten Eindruck. Das Game bietet ansehnliche Animationen und brilliert insbesondere in Winterlandschaften mit schönen Wettereffekten. Die Spielwelt bietet trotz Wikinger-Setting genug Abwechslung, entführt den Spieler durchaus auch in schön beleuchtete Dungeons und hübsche Städtchen. Die Anforderungen an die Hardware halten sich dabei in Grenzen, "Vikings" läuft auch auf älteren Systemen.

Gelungener Sound, spaßiger Koop-Modus
Der Sound ist gelungen: Ein epischer Wikinger-Soundtrack untermalt das Game stimmig, die trockenen Sprüche unseres Helden oder unserer Heldin lockern die Schnetzelorgie angenehm auf. Die Sprecher der NPCs und die Erzählerin hat man für unseren Geschmack gut gewählt und hätte sie ruhig etwas öfter zu Wort kommen lassen können.

"Vikings" bietet einen kooperativen Mehrspielermodus, ist also bestens für Wikinger-Raubzüge mit Freunden gerüstet und lädt so zum einem zweiten Durchgang mit einem Mitspieler ein, wenn man das Game einmal durch hat.

Fazit: "Vikings: Wolves of Midgard" könnte Fans von Hack'n'Slay-Games im Stile von "Diablo" durchaus einige spaßige Stunden bereiten und gefällt vor allem in puncto Soundtrack, Steuerung und Setting. Da ist es schade, dass die Entwickler beim Komfort, der Story und der Inszenierung Potenzial verschenkt haben. "Diablo"-Fans oder Wikinger-Enthusiasten, die Freude an kooperativer Monsterhatz haben, werden darüber hinwegsehen können. Alle anderen warten möglicherweise lieber auf ein Sonderangebot.

Plattform: PC (getestet), PS4, Xbox One
Publisher: Kalypso Media
krone.at-Wertung: 7/10

Dominik Erlinger
Dominik Erlinger

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