03.11.2006 20:16 |

Israelische Angriffe

Erneut Tote in Palästinensergebieten

Israelische Soldaten haben am Freitag im Gazastreifen und im Westjordanland mindestens neun Palästinenser getötet. Die heftigsten Schießereien gab es in Beit Hanun im Norden des Gazastreifens, wo sich etwa 60 bewaffnete Palästinenser in einer Moschee verschanzt hatten. Im ganzen Gazastreifen wurde die Bevölkerung nach dem Freitagsgebet zu Protesten gegen die israelischen Truppen aufgerufen.

Augenzeugen berichteten, ein Teil des Daches der Moschee sei eingestürzt, als die israelische Armee einen Bulldozer einsetzte. Israelische Soldaten nahmen in Ramallah im Westjordanland den palästinensischen Minister für öffentliche Aufgaben, Abdul Rahman Seidan, fest.

UN-Generalsekretär Annan äußerte sich besorgt über die Lage im Gazastreifen. Die israelischen Militäroperationen in dicht besiedelten Gebieten hätten zwangsläufig Opfer unter der Zivilbevölkerung zur Folge, sagte Annan in New York.

Angriff angeblich Präventionsmaßnahme
Die israelische Armee erklärte, der am Mittwoch begonnene Einsatz in Beit Hanun solle palästinensische Raketenangriffe auf Israel unterbinden. Nach palästinensischen Angaben erschossen Soldaten dabei aber auch zwei Demonstrantinnen, die zu der belagerten Moschee vordringen wollten. Die israelische Armee warf der Hamas-Regierung vor, diese habe die Frauen als menschliche Schutzschilde eingesetzt. Dagegen bezeichnete der palästinensische Regierungschef Ismail Haniyeh den Einsatz als "Massaker, angeordnet von den höchsten Stellen der israelischen Regierung".

Die israelische Armee schätzt die Zahl der seit Mittwoch in Beit Hanun getöteten militanten Palästinenser auf mehr als 30. Dagegen geben palästinensische Krankenhäuser die Zahl mit 16 an, darunter auch Zivilisten. Hintergrund der Offensive ist die Entführung des israelischen Soldaten Gilad Shalit am 25. Juni.