Entführte Eichmann

Geheimdienst-Legende: “Sperrt eure Grenzen zu”

Österreich
07.11.2016 17:23

Als Mossad-Agent kidnappte Rafi Eitan (89) vor 56 Jahren in Argentinien Adolf Eichmann, den Organisator des Holocaust, später war er Anti-Terror-Berater unter Israels Premier Menachem Begin. Am Montag war der Ex-Spion auf Einladung der FPÖ in Wien und riet den Österreichern: "Stoppt die Immigration!"

Langsam und überlegt antwortet der langjährige Leiter des ehemaligen israelischen Geheimdienstes Lakam im "Krone"-Gespräch auf die Frage, wie er die aktuelle Sicherheitslage in Mitteleuropa einschätze: "Die muslimische Welt unterscheidet sich deutlich von der westlichen Kultur. Wenn die Muslime jetzt in jedem europäischen Land sind, müssen wir dort mit Gewalt und Terror rechnen." Es gebe "viele Extremisten", die versuchen würden, "aus Deutschland oder Österreich ein muslimisches Land zu machen", warnt der kleine große Mann im Interview.

Ein undatiertes Archivbild des NS-Kriegsverbrechers Adolf Eichmann in der Uniform der SS (Bild: APA/Dpa Archiv)
Ein undatiertes Archivbild des NS-Kriegsverbrechers Adolf Eichmann in der Uniform der SS
Adolf Eichmann während des Prozesses vor dem Jerusalemer Gericht im April 1961 (Bild: APA/dpa-Archiv)
Adolf Eichmann während des Prozesses vor dem Jerusalemer Gericht im April 1961

"Geld für Anreize, damit Flüchtlinge heimreisen"
Auf die Frage, wie nun die Staatschefs in Mitteleuropa nach den großen Migrationsströmen in den vergangenen Monaten handeln sollten, meint Rafi Eitan: "Dazu drei Ratschläge. Erstens: Stoppt sofort die Immigration, macht eure Grenzen zu. Zweitens: Gebt viel Geld für Anreize aus, damit die Flüchtlinge zurück nach Syrien oder in den Irak gehen. Drittens: Beschäftigt sie, lasst ihnen kaum Freizeit." Um den Terror wirklich konsequent bekämpfen zu können, sei eine "Welt-Polizei" nötig, sagt Eitan: "Es darf einfach kein Land mehr geben, in dem Terroristen ihre Ausbildungslager aufbauen können."

Und der Likud-Politiker Michael Kleiner, der Rafi Eitan bei seiner Österreich-Reise begleitet, rät: "Versucht nicht, Tausende Moskitos zu erschlagen, legt den Sumpf trocken." Die Sicherheitslage in Europa sei für ihn auch "eine Frage der Balance": "Kommen zu viele, bringt das dann Ergebnisse wie etwa in der Silvesternacht in Köln."

Eitan (li.) im Gespräch mit "Krone"-Multimedia-Chefredakteur Richard Schmitt (Bild: krone.at)
Eitan (li.) im Gespräch mit "Krone"-Multimedia-Chefredakteur Richard Schmitt
Richard Schmitt, Michael Kleiner und Rafi Eitan (v.li.) (Bild: krone.at)
Richard Schmitt, Michael Kleiner und Rafi Eitan (v.li.)

FPÖ zeigt erneut gute Kontakte nach Israel
In der FPÖ freut man sich über den gelungenen Coup, einen weltberühmten Gast aus Israel in Wien empfangen zu können und damit die guten Verbindungen zu belegen. Nationalratsabgeordneter David Lasar: "Unsere Freunde aus Israel werden noch bei zwei Gedenkveranstaltungen zur Pogromnacht in Wels sowie auch in Mauthausen teilnehmen."

FPÖ-Nationalratsabgeordneter David Lasar (Bild: APA/HANS KLAUS TECHT)
FPÖ-Nationalratsabgeordneter David Lasar

Ex-Agent: "Ich bin als Feigling geboren"
Der "Krone" beantwortete der Ex-Mossad-Agent Eitan, der auch an der Planung des Luftangriffs zur Zerstörung des irakischen Atomreaktors Osirak im Jahr 1981 beteiligt war, eine ganz persönliche Frage - nämlich, wann er bei seinen Einsätzen in den vergangenen 70 Jahren wirklich Angst hatte. Der General lächelt: "Sie müssen wissen: Ich bin als Feigling geboren. Aber die Überwindung der Angst ist die Lösung. Ich musste das als kleines Kind lernen: Meine Eltern waren beide berufstätig, ich war oft alleine. Da brachte ich mir Übungen bei, mich nicht mehr zu fürchten."

Den Mann, dessen Entführung Rafi Eitan berühmt gemacht hatte, begleitete der Israeli übrigens bis zur Hinrichtung, er hörte die letzten Worte von Adolf Eichmann. Der Organisator des millionenfachen Todes in den Nazi-KZs sagte vor dem Galgen im Gefängnishof von Ramla bei Tel Aviv am 31. Mai 1962: "Ich hoffe, du wirst nach mir an der Reihe sein." Rafi Eitan ist noch immer hellwach und gesund, in zwei Wochen feiert der Geheimdienst-Experte seinen 90. Geburtstag.

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