Mo, 19. November 2018

Erdbeben-Schock

31.10.2016 10:58

Italien: Massenflucht, Tausende in Notquartieren

Die heftigen Erdbeben, die seit Tagen Mittelitalien erschüttern, haben massenhaft Menschen in die Flucht getrieben. Ganze Städte in den am schwersten betroffenen Regionen Umbrien und Marken wurden verlassen, Tausende Menschen, die dennoch blieben, müssen die Nächte in Notschlafstellen verbringen. Der Zivilschutz hat alleine in Marken 25.000 Obdachlose gezählt und rechnet insgesamt mit 100.000 Menschen ohne Unterkunft. Die Regierung schätzt, dass der Wiederaufbau der zerstörten Gebäude rund acht Milliarden Euro kosten wird.

Nachdem 200 Einwohner der bereits beim ersten Beben am Mittwoch zerstörten Gemeinde Ussita ihren Heimatort schon vor Tagen verlassen hatten, setzte sich die Fluchtbewegung wegen der Nachbeben am Wochenende rasant fort, es halten sich dort kaum noch Einwohner auf. "Hier bleiben nur wenige Menschen", sagte Bürgermeister Marco Rinaldi.

5000-Einwohner-Stadt Norcia droht der Exodus
Auch der 5000 Einwohner zählenden Stadt Norcia, die Epizentrum des Stärke-6,5-Erdbebens am Sonntag war, droht der Exodus. Der ganze Stadtkern wurde wegen Einsturzgefahr abgeriegelt. Alleine dort wird mit Tausenden Obdachlosen gerechnet. Sie suchen Zuflucht bei Angehörigen und Freunden außerhalb des gefährdeten Gebiets. Andere zogen in Hotels an der Adria-Küste, die vom Zivilschutz zur Verfügung gestellt wurden. 400 weitere Personen entschlossen sich, in Hotels am Trasimeno-See in Umbrien zu ziehen.

Norcia nicht verlassen wollen hingegen die Benediktinermönche, deren aus dem 14. Jahrhundert stammende Basilika zerstört wurde. "Die Mauern stürzen ein, doch nicht unsere Werte. Wir verlassen Norcia nicht und mit Gottes Hilfe werden wir Stein auf Stein alles wiederaufbauen", sagte Pater Bruno Marin am Montag.

Diejenigen, die ihre Heimat nicht verlassen wollen oder können, müssen die Nächte in Autos, Zelten, Zügen oder anderen Notunterkünften verbringen. Trotz der Appelle des Zivilschutzes, an die Adria-Küste zu ziehen, verzichteten viele Betroffene darauf. Der Zivilschutz versorgte in der Nacht auf Montag 15.000 Menschen.

Renzi: "Wir werden niemanden allein lassen"
Auch in Rom waren die Erschütterungen zu spüren, schwere Schäden wurden dort aber nicht registriert. Die Schulen blieben trotzdem geschlossen, weil die Gebäude Kontrollen unterzogen werden müssen. Sicherheitshalber wurden in der Hauptstadt vorübergehend auch einige Kirchen und andere öffentliche Gebäude gesperrt.

Regierung rechnet mit acht Milliarden Euro Kosten
Der Ministerrat tagt am Montag, um Soforthilfe für das Erdbebengebiet locker zu machen. "Wir werden niemanden allein lassen und alles wieder aufbauen", versprach Premier Matteo Renzi am Sonntag. Die Regierung in Rom rechnet für den Wiederaufbau der zerstörten Gemeinden mit Kosten in der Höhe von acht Milliarden Euro, berichtete die römische Tageszeitung "La Repubblica" am Montag.

Wiederaufbau wird jahrelang dauern
Der Wiederaufbau könnte nach Einschätzung von Fachleuten Jahre dauern. Außerdem entsprechen nach Berechnungen des Nationalen Ingenieurrats mehr als 50 Prozent der Privatwohnungen nicht den vorgegebenen Sicherheitsbestimmungen. Die Erdbebensicherung von Wohngebäuden in den am meisten gefährdeten Gegenden allein könnte demnach bis zu 36 Milliarden Euro kosten.

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