So, 16. Dezember 2018

Sieglanger

12.10.2016 09:08

"Wutbürger" ließen die Stadtregierung sitzen

"Ins Gespräch kommen" will die Innsbrucker Stadtregierung mit den Bürgern bei den "Stadtteiltagen". Im Sieglanger, wo es seit Monaten Diskussionen um ein geplantes Asylheim gibt und riesige Wohnblöcke gebaut werden sollen, war das schwierig. Ein "harter Kern" verließ Montag geschlossen die Sitzung: Es war "ausgredt’".

Den großen Auftritt in ihrem Heimat-Stadtteil Sieglanger hat sich Innsbrucks Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer (FI) wohl etwas anders vorgestellt. Eigentlich wollte sie Montag gemeinsam mit Regierungskollegen im Rahmen der Stadtteiltage über verschiedenste Agenden informieren - geendet hat der Abend mit dem geschlossenen Austreten wütender Bürger.

Aber alles der Reihe nach: Wie bereits mehrfach berichtet, brodelt es innerhalb der Sieglanger Bevölkerung seit Monaten gehörig. Angefangen mit den Plänen für das umstrittene Flüchtlingsheim, brachten nun die Bauvorhaben für riesige Wohnkolosse das Fass zum Überlaufen. Am Klosteranger soll etwa ein Komplex mit sieben teilweise 19 Meter hohen "Wohnsilos" und 129 Wohnungen entstehen.

IG-Chef Thomas Mayer: "Es war ausgredt’"

Die Diskussion darüber verlief hitzig mit vielen Wortmeldungen betroffener Anrainer und auch einigen Zwischenrufen. Als BM Oppitz-Plörer ultimativ gefragt wurde, ob das Projekt noch gestoppt werden könne und sie sinngemäß mit "Nein, sicher nicht" antwortete, gab es bei den Anrainern kein Halten mehr. Laut Thomas Mayer - Chef der IG Sieglanger, Klosteranger, Mentlberg - waren fast 250 Besucher da, davon hätten gut zwei Drittel den Saal verlassen: "Es war ausgredt’."

Stadtrat Gerhard Fritz: "Kein Eklat"

Laut Planungsstadtrat Gerhard Fritz (Grüne) waren es maximal 30 Personen, die geschlossen ausgezogen sind - "der harte Kern der Bürgerinitiative". Von einem Eklat könne keine Rede sein: "Die Veranstaltung ist dann noch mit 100 Teilnehmern rund eine Stunde weiter gegangen." Das Bauprojekt selbst mit 129 Wohnungen auf 10.000 m2 Fläche sei nicht verhandelbar: "Wir haben 200 Architektenwettbewerbe durchgeführt und bis auf ein oder zwei wurden alle Projekte umgesetzt", erklärte StR Fritz weiter.

Denkbar sei, dass Nachbarn nun ebenfalls Dichte-Erhöhungen zugestanden werden, damit diese ihre bislang abgelehnten Ausbaupläne für ihre Einfamilienhäuser umsetzen können.

Jugend-Asylquartier: Projekt vor dem Aus?

Die Verhandlungen zum Jugend-Asylheim im Feld unterhalb der Justizanstalt ziehen sich wie ein Kaugummi in die Länge. Seit mittlerweile über einem halben Jahr (!) kann sich das Land mit dem Stift Wilten als Grundeigentümer nicht einigen. Gehapert hat es bislang vor allem an einem Sicherheits- und Betreuungskonzept, auf das das Stift so beharrt.

Aber genau ein solches könnte nun für das umstrittene Projekt gar nicht mehr vonnöten sein. Der in Innsbruck für das Flüchtlingswesen zuständige Stadtrat Franz Gruber (VP) lässt nun damit aufhorchen, dass die Stadt den TSD Alternativen für die Unterbringung von minderjährigen Asylwerbern aufgezeigt habe. Dabei handle es sich um zwei bereits bestehende Objekte in Wilten und in der Höttinger Au. Eine Prüfung sei im Gange, eine endgültige Entscheidung stehe daher noch aus.

So viel sei aber schon jetzt klar: Werden die Alternativen angenommen, "dann bräuchte es derzeit diesen Neubau im Sieglanger gar nicht", erklärte Gruber.

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