Sa, 18. August 2018

US-Serien "schuld"

22.08.2016 09:26

Wer viel fernsieht, unterliegt öfter Alltagsmythen

Wer viel fernsieht, unterliegt öfter und leichter Alltagsmythen - und das unabhängig von Alter, Bildung und Geschlecht. Das ist das grundsätzliche Ergebnis einer Medienstudie am Zentrum für Public Health der MedUni Wien. So glauben etwa 11,6 Prozent der Österreicher, dass es hierzulande die Todesstrafe gibt. Die Wissenschaftler vermuten einen Zusammenhang mit US-Filmen und -Serien.

In der Studie unter der Leitung von Benedikt Till und Thomas Niederkrotenthaler wurden 322 Personen zu ihrem TV-Konsum befragt. Gleichzeitig wurde erfragt, ob sie glauben, dass es in Österreich noch immer die Todesstrafe gibt und wie viele Personen in einem Todestrakt sitzen. 11,6 Prozent der Befragten waren dabei der falschen Meinung, dass die Todesstrafe noch immer existiert - je höher der TV-Konsum, umso höher war die Wahrscheinlichkeit, dass diese Personen das glaubten.

Fakt ist: Am 7. Februar 1968, also vor rund 50 Jahren, wurde mit einstimmigem Beschluss des Nationalrates die Todesstrafe in Österreich völlig abgeschafft. Die letzte tatsächliche Hinrichtung in Österreich fand am 24. März 1950 statt.

US-Serien beeinflussen die Wahrnehmung
"Der Effekt, dass mehr als jeder Zehnte zu wissen glaubt, dass es in Österreich noch immer die Todesstrafe gibt, ist vermutlich durch den hohen Anteil an amerikanischen Filmen und TV-Serien im österreichischen Fernsehen zu erklären", sagt Benedikt Till. "Insbesondere in den Krimis wird kontinuierlich das amerikanische Justizsystem, in dem die Todesstrafe einen zentralen Stellenwert einnimmt, porträtiert."

Aus der so genannten Kultivierungsforschung, die sich mit der Frage befasst, inwieweit das Fernsehen Realitätswahrnehmung und Einstellungen der ZuseherInnen langfristig formt, ist bekannt, dass die verzerrte Darstellung der Welt im TV auch zu einer verzerrten Wahrnehmung der Welt beim Zuschauer führen kann. Till: "So überschätzen zum Beispiel insbesondere Personen mit hohem TV-Konsum häufig die Zahl von Personen in jenen Berufsgruppen, die oft im Fernsehen porträtiert werden, zum Beispiel Ärzte, Anwälte oder Polizisten. Auch die Wahrscheinlichkeit, Opfer eines Verbrechens zu werden, wird überschätzt."

Neu ist aber - und das konnte in der aktuellen Studie, die nun im Journal "Death Studies" publiziert wurde, erstmals gezeigt werden - dass der Fernsehkonsum nicht nur Einstellungen und Werte verändert, "sondern auch das Wissen über grundlegende Prinzipien der Gesellschaft, wie zum Beispiel die Todesstrafe, negativ und grundlegend beeinflussen", so die MedUni-Wien-Forscher. Aufgrund dieser Studie lasse sich vermuten, dass auch andere Vorurteile, Mythen und falscher Informationsstand zu gesundheitsbezogenen Themen - etwa Mythen zum Thema Suizid, dem Kerngebiet der beiden Sozialmediziner am Zentrum für Public Health der MedUni Wien - mit vermehrtem Medienkonsum im Zusammenhang stehen könnte. Eine aktuelle Studie zu diesem Themenbereich läuft derzeit an der MedUni Wien.

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