Mi, 19. September 2018

GP in Spielberg

28.06.2016 17:04

"Formel Krise": Zuschauer-Rückgang und Gähn-Rennen

Was ist bloß los mit der Formel 1? Abgesehen von den wenigen Rennen in Übersee verliert die Königsklasse des Rennsports rasant schnell an Glanz: überall schütter gefüllte Tribünen, oftmals Rennen zum Gähnen. Statt der 195.000 Fans, die bei der Österreich-Premiere 2014 den Red-Bull-Ring in der Obersteiermark stürmten, waren es im Vorjahr nur noch 115.000 Zuseher. Für den Heim-Grand-Prix an diesem Wochenende gehen Insider von weiter sinkenden Besucherzahlen aus. Dennoch: Die Formel 1 ist weiterhin starker regionaler Wirtschaftsmotor.

Es ist ein Dilemma: Einerseits ist die Formel 1 für die heimische Wirtschaft und das Image des Landes ein Segen, andererseits wird eine immer stärkere Fan-Flucht verzeichnet. Denn die Akzeptanz beim Publikum stimmt nicht mehr. Sowohl die Einschaltquoten (der ORF hat sogar schon überlegt, die Formel 1 vom Programmzettel zu streichen) als auch die Zuschauerzahlen an den Strecken sinken.

So haben die teils hohen Eintrittspreise oder die leisen Triebwerke der Formel-1-Motoren viele Zuschauer vertrieben. Dazu kommt, dass die Fans die Rennwagen quasi als von den Boxen "ferngesteuert" empfinden, die Fahrer nur noch Technik-Marionetten sind. Und natürlich auch, dass Haudegen und charismatische Fahrer wie ein Niki Lauda oder ein Ayrton Senna fehlen.

Für kleine Teams ist die Formel 1 zu teuer
Wenn nur noch zwei oder drei Teams dominieren, dann kommt freilich Fadesse auf. Für einen kleinen Rennstall wird es immer schwieriger mitzumischen. Während Spitzenteams wie Mercedes, Ferrari, Red Bull bis zu 300 Millionen Euro in eine Saison investieren, haben andere größte Probleme, überhaupt ein Budget aufzustellen. Allein die Motoren, die vor Jahren mit acht Millionen Euro pro Jahr zu Buche geschlagen haben, kosten aktuell knapp 20 Millionen Euro. Unter 100 Millionen Euro ist man in der Formel 1 erst gar nicht mehr dabei.

Ohne Mateschitz kein Österreich-Grand-Prix
Auch der sukzessive Rückzug der Formel 1 aus Europa tut nicht gut, hier sind immer noch die meisten Fans daheim. Dort, wo zunehmend gefahren wird, hat die Formel 1 keine Wurzeln. Aber dort - Russland, Bahrain oder Aserbaidschan - zahlen Regierungen aus Prestige-Gründen bis zu 35 Millionen Fixgeld, damit der Renntross überhaupt ins Land kommt. Da kann Europa nicht mithalten. Den Frankreich-Grand-Prix etwa gibt es schon lange nicht mehr, das Rennen in Deutschland ist ebenfalls ausgefallen, selbst ein Klassiker wie Monza ist über 2016 hinaus nicht gesichert.

Ein Wermutstropfen: "Österreich kann zumindest mit seinem Unterhaltungsprogramm rund um das Rennen punkten", so Ring-Manager Philip Berkessy. In Spielberg wird die Formel 1 wohl noch eine Zeit lang ihre Runden drehen, weil es mit Red Bull und Dietrich Mateschitz einen mehr als großzügigen Sponsor gibt. Und vielleicht erholt sich die Königsklasse ja. Dann werden auch die Tribünen wieder voll sein...

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