02.08.2006 14:35 |

Auf leisen Sohlen

Shinobido - Weg des Ninja

Von den "Tenchu"-Machern gibt es jetzt neue Schwertkampf-Kost für alle Ninja-Freunde: In "Shinobido - Weg des Ninja" macht sich ein Kämpfer ohne Erinnerung auf die Suche nach seiner Vergangenheit. Dabei geht es nicht gerade unblutig zur Sache...

Die Krähe, seines Zeichens ein Meister im Töten auf leisen Sohlen, erwacht mit brummenden Schädel am Ufer eines Flusses neben seinem Schwert. Wieso und warum er hier liegt, weiß er nicht mehr. Kein Wunder, wurde ihm doch seine Seele geraubt und in etliche Seelensplitter zerschlagen. Will er seine Erinnerungen zurück erlangen, muss er in die Dienste dreier konkurrierender Herrschaftshäuser treten, die allesamt um die Vorherrschaft Japans kämpfen. 

Der Ninja willigt ein, muss im Gegenzug aber diverse Aufgaben erledigen. Dazu gehören Botengänge ebenso wie das blutige Eliminieren von Feinden oder die Suche nach bestimmten Gegenständen. Je nachdem wie erfolgreich der Held die jeweilige Mission absolviert, kann er in der Gunst seiner Herrscher steigen oder fallen. Geht der Auftrag in die Hose, kann eines der Häuser ihm sogar die Freundschaft kündigen. In diesem Fall hat der gedächtnislose Ninja mit einem Schlag zahlreiche neue Feinde gegen sich.

Glücklicherweise ist die Krähe jedoch ein Meister der Tarnung und kann gut auf sich alleine gestellt sein. Neben einem ausgezeichneten Bewegungsapparat – unser Held kann über Dächer springen, Wände hochklettern oder an Vorsprüngen entlang hangeln – verfügt der Ninja auch über ein umfangreiches Waffenarsenal. Schwerter, Wurfsterne, aber auch Landminen, Krähenfüße und explodierendes Sushi oder Ausrüstungsgegenstände wie ein Enterhaken, Blendgranaten und eine Feinde Irre führende Aufziehechse helfen beim Bewältigen der Missionen.

Oberstes Gebot eines jeden Auftrages: unentdeckt zu bleiben. In „Sam Fisher“-Manier schleicht die Krähe über die Dächer der Tempelanlagen, weicht den Scheinwerferkegeln der Wachen aus oder nutzt herumliegende Gegenstände, um Feinde abzulenken. Eine Anzeige am oberen Bildschirmrand gibt dabei stets Auskunft über den Aufmerksamkeitsgrad der Wachen. Wenn den Feinden nicht von hinten lautlos die Kehle aufgeschlitzt werden kann, bleiben immer noch der Nahkampf oder die Möglichkeit zur Flucht.

Dann fällt allerdings auch die abschließende Bewertung einer Mission schlechter aus. Ebenso ist ausschlaggebend, auf welche Art man die Feinde beseitigt, wie viele Verletzungen man sich einhandelt und welche Gegenstände eingesammelt wurden. Die verdiente Gage kann anschließend in neues Metzel-Werkzeug, Ausrüstung oder auch besondere Items, die mit Waffen kombiniert werden können, investiert werden. Neues Equipment kann anschließend im eigenen Trainings-Garten, der auch nach individuellen Wünschen gestaltet werden kann, erprobt werden.

Das ist auch bitter nötig, ist der Held doch mitunter etwas störrisch zu steuern. Gerade in Verbindung mit dem fordernden Schwierigkeitsgrad und einer nicht immer tadellos funktionierenden Kamera ist zu Beginn des Spiels Durchhaltevermögen gefragt. Hat man sich jedoch ein wenig eingespielt, so wissen die gelungene Story sowie die dichte japanische Atmosphäre und der Sound durchaus zu überzeugen. Davon kann bei der Grafik aber leider nicht die Rede sein: Von der versprochenen „düsteren Edelgrafik“ ist nicht viel zu sehen. Düster sind lediglich die grau-verwaschenen und viel zu tristen Texturen.

Fazit: „Shinobido – Weg des Ninja“ punktet mit einer interessanten Story und gelungenem Japan-Flair. Leider können Steuerung und Grafik nicht ganz so überzeugen. Wer allerdings gerne als Ninja durch die Dunkelheit schleicht, sollte einen Blick auf das Spiel wagen.

Plattform: PS2
Publisher: Sony
Krone.at-Wertung: 74%


von Sebastian Räuchle

Dienstag, 22. Juni 2021
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