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03.03.2016 12:11

Eva-Maria Brem greift nach einzigem Damen-Kristall

Im Schatten der Vorentscheidung um den Gesamtsieg greift Eva-Maria Brem am Samstag in Jasna nach der in diesem Winter wohl einzigen möglichen Kristallkugel für Österreichs Alpinski-Damen. Im vorletzten Saison-Riesentorlauf kann die Tirolerin theoretisch bereits in der Niederen Tatra alles klar machen. Brem ist aber natürlich bereit, auch bis zum Schluss um ihr erstes Kristall zu kämpfen.

32 Punkte Vorsprung auf die zuletzt stark aufgekommene Deutsche Viktoria Rebensburg hat die Tirolerin vor den noch ausstehenden Rennen in Jasna und St. Moritz (Finale), Lara Gut liegt als Dritte schon 80 Zähler zurück. Brem kann also einerseits schon am Samstag die Entscheidung erzwingen und somit die nächste kugellose Saison der ÖSV-Damen seit dem Heim-WM-Winter 2012/2013 verhindern. Umgekehrt sind rechnerisch sogar die ersten sechs Läuferinnen noch im Spiel um den Sieg in der Riesentorlauf-Wertung.

"Natürlich wär' es mir am liebsten, wenn es schon am kommenden Wochenende entschieden ist", gestand Brem offen ein. Der 27-Jährigen aus Münster ist aber auch bewusst: "So einfach wird es nicht gehen. Ich habe aber auch kein Problem, bis zum bitteren Ende zu kämpfen. Wichtig ist, dass ich meine Leistung bringe und mir die Kugel damit auch verdiene. Bringe ich meine Leistung nicht, ist es auch verdient, wenn es eine andere gewinnt."

Auf dem Papier etwas gegen Brem spricht, dass auch das Renngelände in der Slowakei nur mittelsteil ist. Brem hat aber mehrfach reagiert. Einerseits hat sie die lange Riesentorlauf-Pause seit Ende Jänner in Maribor genutzt und intensiv Ski getestet. Zudem hat sie den Rennhang in Jasna vergangene Woche zusammen mit Teamkolleginnen wie Carmen Thalmann bei einem Spezialtraining bereits getestet.

Leider nur mittelsteil
"Schaut leichter aus, als er ist. Aber eben nur mittelsteil", lautete Brems Erkenntnis. Für die Steilhang-Artistin aus Tirol ist das aber längst kein Grund mehr, im Voraus die Flinte ins Korn zu werfen. Sie hat sich sehr viel mit diesem Geländetyp beschäftigt und sich im Kopf aber auch von der Skitechnik her extrem weiterentwickelt.

Bestes Beispiel für die Fortschritte sei Maribor, so Brem. "Bisher war ich auf diesem Berg nicht konkurrenzfähig. Heuer bin ich dort aber um den Sieg mitgefahren." Ihr Motto daher: "Scheißegal wie der Hang ist. Ich verbiete es mir mittlerweile, das als Ausrede zu sehen. Natürlich weiß ich im Steilen intuitiv, was ich machen muss. Aber wenn ich im Flachen konzentriert fahre, klappt's mittlerweile auch dort."

Auch aus der unglücklichen Kalenderplanung hat Brem versucht, einen Vorteil zu machen. Neue Ideen und Ski wurden in den vergangenen Wochen ausprobiert. Ob sie nun bereits noch diesen Winter für die entscheidenden Rennen eine Super-Rakete zünden wird, wollte sie aber nicht verraten. Nur so viel: "Am Material wird es nie scheitern."

Denn diese Entscheidung zwischen Verstand und Gefühl stelle sich vor jedem Rennen. "Zuletzt habe ich aber zusammen mit meinem Servicemann immer sehr gute Entscheidungen getroffen. Bei uns geht es so eng her, da bist du nicht vorne dabei, wenn was beim Material nicht passt", verweist Brem auf sich selbst, aber auch auch auf die 2010er-Olympiasiegerin Rebensburg. "Sie hatte am Beginn kleine Probleme. Seit sie das Richtige gefunden hat, gewinnt sie wieder."

Kugel mehr wert als Medaille
Dass eine Kugel für den Disziplinen-Gesamtsieg mehr wert sei als eine Medaille, hat Brem schon mehrmals betont. Im Vorjahr wurde die Tirolerin, deren Karriere wegen eines 2010 nach der Saison erlittenen Schien- und Wadenbeinbruchs beinahe schon zu Ende schien und die sich weder für die WM 2013 noch für Olympia 2014 qualifiziert hatte, in der RTL-Wertung nur von Landsfrau Anna Fenninger geschlagen.

Der Stellenwert liege deshalb auf der Hand. "Wenn man sich meine bisherigen Leistungen anschaut, ist noch nichts Vergleichbares dabei", gab Brem verschmitzt lächelnd zu. "Das wäre bisher das Größte."

Dass die Team-Weltmeisterin von Vail 2015 einerseits die einzige Saisonsiegerin bei den ÖSV-Damen ist, gleichzeitig zuletzt dreimal in Folge "nur" Vierte geworden ist, ist für Brem schnell erklärt. "Abgesehen von Marburg habe ich nicht mein bestes Skifahren gezeigt. Dort habe ich bis zur letzten Zwischenzeit geführt. Lienz und Flachau war hingegen definitiv nicht alles, was ich kann."

Rebensburg sei nun mit Sicherheit die härteste Gegnerin, ist Brem klar. "Wenn ich es aber schaffe abzurufen, was ich kann, hab' ich es selbst in der Hand. Dann ist es wurscht, was die anderen machen", betonte Brem.

Vonn-Aktion unverständlich
Vonns Hammer-Aktion in La Thuile sowie vor allem zuletzt in Soldeu, wo sie minutenlang regungslos im Schnee lag während Lara Gut lange am Start warten musste, sind hingegen nicht so das Ding der Eva-Maria Brem. "Ein Svindal marschiert mit gerissenen Kreuzband 150 Meter aus der Piste raus. Regungslos liegen zu bleiben, finde ich nicht so cool. Es schauen Eltern, Familie und Freunde zu. Es ist immer gut, wenn es geht, ein kurzes Zeichen zu geben."

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