15.07.2006 15:49 |

Massen-Gentest

DNA-Massentest in Sachsen gestartet

Im deutschen Sachsen läuft seit Samstag ein Massengentest, um einen Sexualstraftäter aufzuspüren. Im Extremfall könnten nach Angaben der Staatsanwaltschaft Dresden bis zu 100.000 Proben fällig werden, um den Vergewaltiger von zwei kleinen Mädchen im Raum Dresden ausfindig zu machen. Die einzige eindeutige Spur ist bislang eine übereinstimmende DNA an beiden Tatorten.

Bis zum Sonntag sind 3.108 Männer zwischen 25 und 45 Jahren in Coswig bei Dresden aufgerufen, eine Speichelprobe abzugeben. Eine Woche später sind in Dresden weitere 3.129 Männer zum Test gebeten. Schon vor dem offiziellen Testbeginn um 9.00 Uhr hatten sich zahlreiche Freiwillige für die Untersuchung eingefunden. Am Vormittag gab es kurze Wartezeiten, am Nachmittag ebbte der Andrang ab.

"Wir sind beeindruckt vom Andrang und vom Verständnis der Bürger für die Maßnahme", sagte Tom Jährig vom Landeskriminalamt. Laut Jährig haben sich rund 500 Männer vorab gemeldet, die an diesem Wochenende aus unterschiedlichen Gründen nicht zum Test kommen können. Etwa 500 Briefe mit der Bitte, zum Test zu erscheinen, hätten nicht zugestellt werden können. Zu Gründen konnte der Sprecher keine Auskunft geben. Der Test in Coswig läuft zunächst bis Sonntagabend. 50 Beamte sind dafür im Einsatz.

Polizei überprüfte 3.500 Alibis
Der gesuchte Mann hatte im September 2005 und im Januar 2006 im Raum Dresden ein neun- und ein elfjähriges Mädchen vergewaltigt. Bei den bisherigen Ermittlungen wurden die Alibis von rund 3.500 Personen überprüft und mehr als 1.000 Männer durch einen DNA-Vergleich als Täter ausgeschlossen.

Vergewaltiger könnte Tat wiederholen
Die Ermittler der Sonderkommission "Heller" wollen den Kreis der zu testenden Personen nach und nach erweitern, falls sich kein schneller Erfolg einstellt. "Es besteht konkrete Wiederholungsgefahr, daher haben wir uns für das Verfahren entschieden", begründete Oberstaatsanwalt Christian Avenarius das Vorgehen.