So, 26. Mai 2019
31.01.2016 15:16

Europol alarmiert:

10.000 Flüchtlingskinder sind EU-weit unauffindbar

Sie kommen auf abenteuerlichen Wegen nach Europa, lassen sich registrieren - und verschwinden: Die Zahl der verschollenen minderjährigen Flüchtlinge nimmt rapide zu. Der EU-Polizeibehörde Europol zufolge sind im Zuge der aktuellen Flüchtlingswelle mindestens 10.000 Minderjährige schon bald nach der Ankunft in ihrem Zielland abgetaucht. Viele von ihnen könnten Menschenhändlern in die Arme gefallen sein, die ihre Opfer zu Prostitution oder Kinderarbeit zwingen.

Es ist ein besonders bedrückender Aspekt der Flüchtlingswelle nach Europa: das Schicksal der Zehntausenden Kinder und Jugendlichen, die sich ohne Angehörige in den Westen durchgeschlagen haben - und dort einer ungewissen Zukunft entgegensehen. 270.000 Kinder sind seit dem vergangenen Sommer mit dem großen Migrationsstrom in die EU gekommen, sagt Europol-Stabschef Brian Donald gegenüber dem britischen "Observer" - ein großer Teil von ihnen ohne Begleitung.

Die jungen Flüchtlinge sind die Hauptzielgruppe von organisierten Menschenhändlerringen, die quer durch Europa operieren, warnt Europol. Die aktuellen Zahlen lassen Schlimmes vermuten: Alleine in Italien seien zuletzt 5000 Kinder verschollen, die sich - unbegleitet - als Flüchtlinge registrieren lassen hatten, sagt Donald. Weitere etwa 1000 vermisste Flüchtlingskinder verzeichne Schweden. So sei die Hochrechnung auf mindestens 10.000 Fälle in der gesamten EU schon eher eine konservative Schätzung.

"Wir wissen nicht, wo sie sind und was sie mit wem tun"
Das heiße noch nicht, dass alle Vermissten zwangsläufig kriminellen Netzwerken in die Falle getappt seien: "Nicht alle von ihnen dürften ausgebeutet werden. Manche dürften sogar von Familienmitgliedern aufgenommen worden sein. Wir wissen einfach nicht, wo sie sind, was sie tun und mit wem sie sich abgeben", so Europol-Stabschef Donald.

Vor allem in Deutschland und Ungarn seien in den vergangenen Monaten zahlreiche Kriminelle ausgeforscht worden, die es auf junge Flüchtlinge abgesehen hätten. "In den vergangenen eineinhalb Jahren ist eine gesamte kriminelle Infrastruktur rund um den Flüchtlingsstrom entstanden. In Deutschland oder Ungarn gibt es Gefängnisse, in denen die Mehrzahl der Häftlinge wegen Straftaten einsitzt, die mit der Flüchtlingskrise in Zusammenhang stehen", sagt Donald.

Besonders bedenklich: Die Schleppernetzwerke und jene organisierten Gangs, die die Flüchtlinge innerhalb der EU als Zwangsarbeiter oder Prostituierte versklaven, arbeiten immer stärker zusammen, sind teilweise bereits miteinander verschmolzen: "Jene, die wir zuvor als Menschenhändler registriert haben, agieren nun auch als Schlepper", so der Europol-Top-Beamte - und umgekehrt.

Appell zur Wachsamkeit: "Missbrauch passiert öffentlich"
Um der Versklavung minderjähriger Flüchtlinge entgegenzuwirken, appelliert Donald auch an die Bevölkerung: Die meisten verschollenen Kinderflüchtlinge würden sich "in aller Öffentlichkeit verstecken". Die Menschen sollten wachsam sein und verdächtige Vorgänge melden. "Diese Kinder halten sich mitten in der Gesellschaft auf. Wenn sie missbraucht werden, passiert das öffentlich. Sie werden nicht im Wald gefangen gehalten, sie sind sichtbar."

Kommentare

Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Aktuelle Schlagzeilen
Klartext vom Big Boss
Hoeneß: Boateng sollte den FC Bayern verlassen!
Fußball International
Bundesliga im TICKER
LIVE: WAC, Austria & Sturm kämpfen um Europa!
Fußball National
Hofmann begeistert
Rapid bindet Jahrhundert-Talent Demir bis 2022!
Fußball National
Demokratiebewusstsein
EU-Wahl: Hohe Wahlbeteiligung zeichnet sich ab
Österreich
Flucht mit Beute
Täter räumen Bankomat leer und lösen Brand aus
Niederösterreich

Newsletter