Do, 23. Mai 2019
07.01.2016 16:39

Verkorkste Tournee

Schlierenzauer beendet Saison - Rückkehr ungewiss

Gregor Schlierenzauer hat die Skisprung-Saison vorzeitig beendet. Der Tiroler teilte am Donnerstag, an seinem 26. Geburtstag, mit, dass er auf die weitere Teilnahme an Weltcup-Bewerben und die kommende Skiflug-Heim-WM auf dem Kulm verzichte. "Nach dem Bergisel-Springen hat die Enttäuschung jegliche Leidenschaft gekillt", schrieb Schlierenzauer in seinem Online-Blog.

Der zweifache Tournee-Gewinner war nach einer selbst auferlegten zweiwöchigen Pause in die 64. Auflage der Traditionsserie eingestiegen, hatte aber auch dort nicht an frühere Leistungen anschließen können. Ein 14. Platz in Lillehammer war seine beste Saisonplatzierung.

Schlierenzauer hatte seine Dominanz - 2008/09 gewann er die Rekordzahl von 13 Weltcupbewerben - schon ab der Olympia-Saison 2013/14 eingebüßt. Da gelangen zu Saisonbeginn noch zwei Siege und im darauffolgenden Winter nur noch ein weiterer.

"Hinter den Erwartungen geblieben"
"Ich bin in der Vorsaison zwar Vize-Weltmeister geworden, aber in Summe weit hinter den Erwartungen geblieben. Ich habe daraufhin einiges umgestellt, meine Trainingsumfänge nochmals vergrößert und neue Reize gesetzt", schrieb Schlierenzauer. "Ich habe es aber vom ersten Wettkampfsprung an nicht geschafft, das vorhandene Potenzial in Meter umzusetzen."

Wie Schlierenzauer außerdem mitteilte, habe die sportliche Leitung gute Arbeit geleistet, "aber die Trainer können nicht für mich Skispringen. Es liegt an mir, das entsprechende Gefühl für alles, was es für diesen Sport braucht, aufzubauen und abzurufen und das bekomme ich trotz intensiver Bemühungen zur Zeit nicht auf die Reihe".

"Karriereende? Tu mir schwer, Prognosen abzugeben"
Ob das vorzeitige Saisonaus auch das Karriereende bedeuten könne, glaubt der 26-jährige Tiroler "prinzipiell nicht, aber ich tu mir schwer, hier und heute Prognosen abzugeben". Es sei "jetzt einmal wichtig loszulassen und auf andere Gedanken zu kommen. Die letzten Wochen waren für mich mental extrem schwierig, die Last ist immer größer geworden, von diesem Rucksack möchte ich mich jetzt befreien. Ich stehe seit meinem 16 Lebensjahr im Rampenlicht, Erfolg ist etwas Tolles, aber es gibt auch Schattenseiten. Man wird schnell schubladisiert und von Leuten gerichtet, die keine Ahnung haben, was hinter den Kulissen passiert. Das tut manchmal schon weh. Was mir zum Teil angedichtet wurde ist extrem, mir ist zwar klar, dass ich polarisiere und als Profisportler drüberstehen muss, aber das ist nicht immer einfach."

Kuttin: "Verlust für das gesamte Team"
Gregor Schlierenzauers Fehlen in der weiteren Saison sei ein "Verlust für das gesamte Team", erklärte ÖSV-Cheftrainer Heinz Kuttin am Donnerstag und bezeichnete die Entscheidung des Rekord-Gewinners im Weltcup als "absolut nachvollziehbar".

Die Teamkollegen Schlierenzauers bedauerten dessen künftiges Fehlen. Stefan Kraft hat Respekt vor der Entscheidung: "Er ist niemandem etwas schuldig, außer sich selbst und wenn er für sich diesen Weg geht, dann finde ich das gut. Aber ich bin mir sicher, dass er bei seiner Rückkehr umso stärker sein wird."

Auch Michael Hayböck brachte Schlierenzauer viel Verständnis entgegen. "Da wird uns nun sicher etwas abgehen, weil er das österreichische Skispringen in den letzten Jahren geprägt hat", sagte der Oberösterreicher. "Aber Skispringen ist ein so komplexer Sport mit einer überdurchschnittlich starken mentalen Komponente. Da kannst du nur erfolgreich sein, wenn du dich wohl fühlst und in allen Bereichen fit bist. Ich wünsche Gregor, dass er nun schnell wieder zu diesem Zustand zurückfindet."

Neben der sportlichen Talfahrt kam zuletzt auch noch das Liebes-Aus mit Schlieris Freundin Sandra - sehen Sie das Video dazu hier:

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