Mi, 19. September 2018

Im Visier des Kreml

23.12.2015 11:20

Internationaler Haftbefehl gegen Chodorkowski

Ein russisches Gericht hat einen Haftbefehl gegen den früheren Oligarchen Michail Chodorkowski erlassen. Außerdem sei der in der Schweiz lebende 52-jährige Kreml-Gegner international zur Fahndung ausgeschrieben worden, berichtete die Nachrichtenagentur Ria Nowosti am Mittwoch unter Berufung auf die Ermittlungsbehörde. Demnach geht es um die Wiederaufnahme eines alten Falles um eine illegale Privatisierung.

Am Dienstag war bekannt geworden, dass in Russland Büros der von Chodorkowski gegründeten Stiftung Open Russia durchsucht wurden. Diese veröffentlicht Berichte über die aktuelle politische Lage im Land und setzt sich für freie Wahlen ein.

Die Nachrichtenagentur Interfax zitierte Wladimir Markin, den Sprecher der Ermittlungsbehörde, mit den Worten, die Durchsuchungen stünden in Zusammenhang mit einem Fall aus dem Jahr 2003, in den Chodorkowski und dessen Partner verwickelt gewesen seien. Dabei gehe es um die Privatisierung des Bergwerks- und Düngemittelunternehmens Apatit, die vom Staat als illegal eingestuft wurde.

Auch des Mordes beschuldigt
Anfang Dezember hatte die Polizei auch ein anderes altes Verfahren wieder aufgenommen. Es lägen Beweise vor, dass Chodorkowski 1998 den Mord am Bürgermeister der sibirischen Stadt Neftejugansk in Auftrag gegeben habe, hieß es damals. Chodorkowski ignorierte jedoch eine Vorladung der Ermittler in Moskau, bestritt die Vorwürfe und bezeichnete sie als "Farce".

Chodorkowski gehörte zu den russischen Oligarchen, die im wirtschaftlichen Chaos nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion riesige Reichtümer angehäuft hatten. Er selbst kontrollierte den Ölkonzern Yukos. Später überwarf er sich mit Präsident Wladimir Putin und wurde 2003 wegen Steuerhinterziehung verhaftet. Yukos wurde zerschlagen, Chodorkowski verurteilt und in ein Arbeitslager gesteckt. Er selbst sowie westliche Beobachter hatten seinen Prozess stets als politisch motiviert bezeichnet. Nach seiner Freilassung 2013 ging er ins Exil in die Schweiz.

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