Mo, 20. August 2018

Gerüchte in Athen:

26.04.2015 13:55

Varoufakis soll vor Ablöse stehen

In Athen verdichten sich die bereits seit einiger Zeit anhaltenden Gerüchte, dass der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis bald ersetzt werden könnte. Varoufakis habe in der Schuldenkrise wegen seines Auftretens gegenüber den Euro-Partnern "jede Glaubwürdigkeit verloren", berichtete am Sonntag die Wochenzeitung "To Vima". Auch politische Beobachter sehen den 53-Jährigen immer mehr in Bedrängnis, zumal die Euro-Partner zusehends die Geduld mit ihrem Kollegen verlieren.

Während der Tagung der Euro-Gruppe am Freitag in der lettischen Hauptstadt Riga sei festgestellt worden, dass Varoufakis einmal mehr "unvorbereitet" vor seinen Kollegen erschien und zudem völlig isoliert war, berichtete das Blatt. "Wir wissen nicht, ob ihn Ministerpräsident Alexis Tsipras opfern wird", in der Hoffung, das Land zu retten, hieß es in einem Kommentar. Die Frage laute demnach eigentlich, ob Tsipras selbst begreife, wie ernst die Situation im Land ist.

"Ich heiße ihren Hass willkommen"
Varoufakis reagierte mit einem Statement im Kurznachrichtendienst Twitter auf den Kommentar. Darin benutzte er einen Ausdruck des ehemaligen US-Präsidenten Franklin Delano Roosevelt vom Jahr 1936: "Sie sind alle einstimmig in ihrem Hass gegen mich und ich heiße ihren Hass willkommen."

Rücktrittsgerüchte werden schon seit geraumer Zeit gestreut - zuletzt Ende März von der deutschen "Bild"-Zeitung, die sich damals auf Regierungsvertreter in Athen berief. Ihnen zufolge habe Varoufakis ernsthafte Überlegungen angestellt, sein Amt zurückzulegen. Auch damals reagierte der 53-jährige auf Twitter und meinte: "Immer wenn die Verhandlungen in Fahrt kommen, taucht ein neues Gerücht über meinen Rücktritt auf. Das ist schon amüsant..."

Laut politischen Beobachtern sei es jedoch offensichtlich, dass Varoufakis im Zuge der Verhandlungen mit den internationalen Geldgebern in immer ärgere Bedrängnis gerät. Nach wie vor warten die Euro-Finanzminister, der Internationale Währungsfonds und die Europäische Zentralbank auf überzeugende Reformpläne aus Athen - und verlieren zusehends die Geduld.

Derbe Worte beim Finanzministerrat
Beim Euro-Finanzministerrat in Riga soll es laut einigen Teilnehmern sehr hitzig und wortgewaltig zugegangen sein. Von Diplomaten hieß es, dass Varoufakis wegen des Dauerstreits mit dem Rest der Euro-Zone als "Glücksritter", "Zeitverschwender", "Zocker" oder "Amateur" sowie als "verantwortungslos" und "dilettantisch" kritisiert wurde. Auch Österreichs Finanzminister Hans Jörg Schelling erklärte verärgert, er sei "schon einigermaßen genervt mit der Sache".

Gerüchte über "Plan B" reißen nicht ab
Zudem gibt es anhaltende Gerüchte, wonach in der Schuldenkrise immer öfter "Plan B", also der Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone, andiskutiert wird. Wie die "Financial Times" am Samstag berichtete, hätten mehrere Finanzminister in der Euro-Gruppe vorschlagen, sich mit einem "Plan B" auf einen Zahlungsausfall Griechenlands vorzubereiten, sollten die Verhandlungen nicht schneller vorankommen. Offiziell wird dies von der Euro-Gruppe jedoch dementiert. Die Griechen selbst jedenfalls wünschen sich einen Verbleib im Euro-Land. Nach einer repräsentativen Umfrage von "To Vima" sprechen sich 72,9 Prozent der Bevölkerung dafür aus.

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