23.02.2006 15:34 |

Vogelgrippe-Alarm

Vogelgrippe-Verdacht bei deutschen Nutztieren

In Deutschland könnte das Vogelgrippe-Virus erstmals einen Geflügelbestand infiziert haben. Betroffen waren etwa 50 Hühner auf der Insel Rügen. Die Tiere wurden wegen des Verdachts bereits alle getötet. Die eindeutige Bestätigung der Infizierung steht aber noch aus. Definitiv nachgewiesen wurde die Seuche inzwischen bei weiteren sechs Wildvögeln.

Der Verdacht einer Infektion mit dem aggressiven Vogelgrippevirus H5N1 bei einer Hausente auf der Insel Rügen hat sich endgültig nicht bestätigt. Er könne Entwarnung geben, sagte Bundesagrarminister Horst Seehofer (CSU) am Donnerstag in Schwerin. Das Friedrich-Loeffler-Institut für Tiergesundheit bestätigte, dass nach einem gleich lautenden Schnelltest-Ergebnis ein ausführlicher Test den Verdacht endgültig ausgeräumt hat. Es wäre der erste Vogelgrippe-Fall in einem Haustierbestand in Deutschland gewesen.

Mecklenburg-Vorpommerns Agrarminister Backhaus sprach sich für Not-Impfungen der Geflügelbestände innerhalb der Drei-Kilometer-Schutzzonen um die Fundorte infizierter Wildvögel aus.

H5N1 erstmals in Slowakei nachgewiesen
Unterdessen ist das auch für den Menschen gefährliche Vogelgrippe-Virus H5N1 erstmals in der Slowakei nachgewiesen worden. Bei zwei im Südwesten des Landes tot aufgefundenen Wildvögeln sei das Virus festgestellt worden, teilten die Behörden mit. Ein Wildfalke und ein Lappentaucher hätten den Erreger in sich getragen. Das EU-Referenzlabor im britischen Weybridge muss dies noch bestätigen.

Zweiter Fall in Frankreich
Im Osten Frankreichs ist im Departement Ain ein zweiter Fall von Vogelgrippe entdeckt worden. Wie das Agrarministerium in Paris mitteilte, wurde das Virus H5N1 in einer Wildente nachgewiesen. Das Ministerium kündigte die Errichtung einer Sicherheitszone an.

Indische Regierung riegelt Stadt nach Vogelgrippe-Ausbruch ab
Nach dem Ausbruch der Vogelgrippe in Indien hat die Regierung des südindischen Bundesstaats Maharashtras die betroffene Stadt Navapur weitgehend von der Außenwelt abgeriegelt. Die Polizei kontrolliere den Verkehr in die und aus der Stadt mit ihren rund 30 000 Einwohnern, berichteten indische Medien am Donnerstag. Nur wenige Züge hätten am Bahnhof Navapurs halten dürfen. Alle Schulen in der Stadt wurden bis 6. März geschlossen.

Das Virus H5N1 war bei Hühnern in Indien entdeckt worden. Nach Regierungsangaben wurde er entgegen früherer Medienberichte jedoch bislang nicht bei Menschen gefunden. Das Gesundheitsministerium teilte mit, in 94 Blutproben hätte das Virus nicht nachgewiesen werden können. Die Untersuchung einer Blutprobe stehe noch aus.

Der indische Nachrichtensender NDTV hatte am Mittwoch unter Berufung auf Quellen im Gesundheitsministerium berichtet, in zwei menschlichen Blutproben sei der H5N1-Erreger festgestellt worden. Die Erkrankten litten unter einer "leichten Form" der Vogelgrippe und wiesen nicht alle typischen Symptome auf, die sonst bei einem vollständigen Ausbruch üblich seien.

Raben müssen im Käfig bleiben
In Großbritannien wurde beschlossen, dass die berühmten Raben im Londoner Tower wegen der Vogelgrippe nicht mehr ins Freie dürfen. Für die sechs symbolträchtigen Vögel sei ab sofort Käfighaltung angeordnet worden, berichtete der Sender BBC am Dienstag. Vom Wohlergehen der Tower-Raben hängt einer Legende nach das Schicksal des britischen Königreichs ab. Danach würde die Monarchie zu Grunde gehen, sollten die schwarzen Vögel verschwinden.

Bis auf weiteres dürfen sie deshalb nur in eigens angefertigten Volieren im Inneren der Festung an der Themse gehalten werden, teilte der oberste Rabenmeister des Towers mit. Die Gefahr einer Ansteckung durch Zugvögel aus Ländern, in denen die Vogelgrippe umgehe, sei einfach zu groß.

Bislang war die Seuche in Großbritannien nur bei importierten Vögeln entdeckt worden, die sich in einer Quarantänestation des Zolls befanden.

H5N1-Erreger auch in Ungarn nachgewiesen
Unterdessen ist der aggressive Vogelgrippe-Erreger H5N1 ist nun auch erstmals in Ungarn nachgewiesen worden. Es handle sich um Proben von drei verendeten Schwänen, die vergangene Woche gefunden worden waren. Vier weitere Proben von verendeten Wildvögeln würden derzeit in Weybridge untersucht, hieß es.

H5N1 an kroatischer Adriaküste bestätigt
An der kroatischen Adriaküste ist der erste Fall des aggressiven Vogelgrippe-Erregers H5N1 bestätigt worden. Der Erreger wurde in einem verendeten jungen Schwan entdeckt, der auf der Insel Ciovo gelegen hatte, bestätigte das kroatische Landwirtschaftsministerium am Dienstag in Zagreb. In einem Teich 200 Kilometer östlich der kroatischen Hauptstadt Zagreb waren bereits im Oktober 2005 sechs tote Schwäne gefunden worden, die das Virus H5N1 in sich trugen.

Neuer H5N1-Fall in Nordgriechenland
Auch bei einem in Nordgriechenland verendeten Schwan wurde am Dienstag das gefährliche Vogelgrippevirus H5N1 festgestellt. Wie das griechische Fernsehen (NET) weiter berichtete, war der Erreger vom Referenzlabor in Großbritannien nachgewiesen worden. Damit stieg die Anzahl der H5N1-Fälle in Griechenland auf sieben. In den vergangenen Tagen war das gefährliche H5N1-Virus bei fünf Schwänen im Raum Thessaloniki und einer Wildgans auf der Insel Skyros entdeckt worden.