Resultate gut, aber...

„Nicht zufrieden!“ Ralf Rangnick zieht WM-Bilanz

Fußball International
14.09.2026 17:49
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Von krone Sport

Ergebnisse gut, Leistung ausbaufähig: Das ist Kurz-Version der WM-Bilanz von Ralf Rangnick. Der Teamchef zeigte sich am Montag in einer via Pressekonferenz abgehaltenen Analyse in Summe mit dem Abschneiden seiner Mannschaft bei der Weltmeisterschaft in Amerika „nicht zufrieden“.

Wie schon unmittelbar nach dem Turnier im Sommer sprach Rangnick auch am Montag vom fehlenden Losglück. „Wir wussten, dass, wenn wir die Gruppe überstehen, es wahrscheinlich als Zweiter tun würden. Und so kam es dann auch.“ Letztlich sei resultatmäßig alles einigermaßen erwartbar gelaufen. „Wir haben nur gegen den Weltmeister und den Finalisten verloren.“ Dann aber setzte der Teamchef zur Relativierung an. „Ich bin ein Teamchef, der nicht nur auf die Ergebnisse achtet, sondern vor allem auf die Leistung, die meine Mannschaft auf dem Platz abruft“, so Rangnick. Und die ließ zu oft zu wünschen übrig. 

„Wir haben die Leistungen, die ich erhofft habe, zu selten und nur in einzelnen Spielphasen gebracht. Aber wenn du gegen Spanien oder Argentinien etwas holen willst, brauchst du von jedem Spieler 90, 95 Minuten auf Top-Niveau.“

Zu viele Spieler seien „von ihrem höchsten Leistungsniveau zu weit entfernt“ gewesen. Als löbliche Ausnahmen nannte Rangnick Marcel Sabitzer („Er spielte auf Spitzen-Niveau“) und Torhüter Alexander Schlager („Hat seine Sache gut gemacht“). Aber die Zahlen aus der Analyse hätten ergeben, dass viele „physisch nicht in der Lage waren, die es gebraucht hätte, um die nötige Leistung abzuliefern“. Bei Grillitsch und Wimmer seien die muskulären Probleme bekannt gewesen, einige andere seien „zwar gesund, aber nicht matchfit gewesen“.

Österreichs Teamchef Ralf Rangnick
Österreichs Teamchef Ralf Rangnick(Bild: GEPA)

Xaver Schlager hatte „Delle“ bei WM
Dazu zählte etwa Xaver Schlager. „Er hatte bei der WM eine richtige Delle“, sagte Rangnick und erzählte, der Nottingham-Legionär habe ihn in der Pause des Algerien-Spiels um seine Auswechslung gebeten – ein für Schlager extrem ungewöhnliches Verhalten, so Rangnick. Außerdem klagte der 68-Jährige noch einmal über den Ausfall von Christoph Baumgartner, der „unsere Schaltzentrale ist, was das Pressing-Auslösen und Umschaltsituationen betrifft“.

Den „alten“ Stil wieder zeigen
Schlussfolgerung: „Ja, es bleibt dabei“, so Rangnick, „wir haben die erste WM-Teilnahme seit 28 Jahren geschafft, den ersten Sieg seit 36 Jahren und haben erstmals seit 44 Jahren die Gruppenphase überstanden. Aber mein Ziel ist es ganz klar, dass wir künftig wieder den Fußball zeigen, für den wir in den letzten Jahren gestanden sind und für den wir auch gefürchtet waren.“

„Mit unserem Kader, auch in dieser Verfassung, in der er war, hätten wir gegen die Schweiz und selbst gegen Deutschland ordentliche Chancen gehabt, ein Spiel auf Augenhöhe zu bestreiten“, meinte Rangnick.

Österreichs Teamchef Ralf Rangnick
Österreichs Teamchef Ralf Rangnick(Bild: APA/HELMUT FOHRINGER)

Zu viel Golf?
Bei der Pressekonferenz wurde der Teamchef auch auf die viele Freizeit angesprochen, die er seinen Spielern während der WM gewährt hatte – etliche Golf-Sessions und freie Ausflugstage inklusive. Im Nachhinein betrachtet würde er es in dieser Art und Weise nicht mehr handhaben, gestand er.

„Es gab ja vor meiner Zeit auch Lehrgänge, in denen die Spieler gar nicht aus dem Hotel raus durften. Insofern dachten wir, dass es für die Jungs emotional und energetisch nicht verkehrt ist, wenn sie auch einmal ihre Familien treffen dürfen. Aber auch das haben wir sehr kritisch hinterfragt und wir werden das bei der EURO und auch schon bei den kommenden Lehrgängen auf ein anderes Maß reduzieren.

(Bild: APA/GEORG HOCHMUTH)

Ebenfalls hinterfragt wurde, ob nicht mehr Einheiten sinnvoll gewesen wären, in denen es „scheppert“, wie es Rangnick formulierte. „Wenn wir unseren Fußball wieder auf den Platz bringen wollen, muss es im Training scheppern, da müssen wir all-in gehen.“

ÖFB-Kicker in US-Hotel „ein bisschen verstreut“
Auch das Team-Hotel direkt am Pazifik sei eventuell nicht ideal gewesen, vermutete Rangnick. „In Berlin (Anm.: bei der EURO 2024) war unser Quartier wie eine Jugendherberge auf höherem Niveau. Dort waren wir Tag und Nacht zusammen und haben Dinge gemacht, die automatisch Teambuilding-Funktion hatten. In Santa Barbara waren wir auf kleine Häuschen verteilt, da waren wir ein bisschen verstreut“, erzählte Rangnick. „Im Rückblick haben wir uns gefragt, ob wir noch den einen oder anderen Event hätten machen können. Aber ob das an unserer physischen Performance auf dem Platz etwas geändert hätte, weiß ich nicht.“

ÖFB-Boss Josef Pröll und Teamchef Ralf Rangnick
ÖFB-Boss Josef Pröll und Teamchef Ralf Rangnick(Bild: GEPA)

Es sei nämlich vor allem an der Physis gelegen, dass die ÖFB-Auswahl in Nordamerika nicht an das bei der EM 2024 gezeigte Niveau herankam. „Wir waren bei der EURO in allen für unsere Spielweise relevanten Parametern unter den Top-3, bei der WM zwischen 25 und 35. Wenn man sich diese Zahlen anschaut, ist es naheliegend, dass wir uns schwergetan haben, physisch unsere Leistung abzurufen, um so zu spielen, wie wir es uns vorstellen.“

„Das war Gänsehaut pur!“ 
Dennoch sei die WM eine einzigartige Erfahrung auch für ihn selbst gewesen, sagte Rangnick und wies auf die zahlreichen Videos von Kindern hin, die um 6 Uhr in der Früh in ihren Klassen mit dem ÖFB-Team gegen Jordanien mitgefiebert hatten. „Das war Gänsehaut pur.“ Auch die letzten 120 Sekunden gegen Algerien mit dem späten Gegentor und dem darauffolgenden 3:3 durch Sasa Kalajdzic haben sich tief in Rangnicks Gedächtnis eingebrannt. „Allein für diese beiden Dinge war es absolut wert, bei der WM gewesen zu sein.“

Ausgezahlt hat sich der WM-Trip auch für den ÖFB. Selbst wenn noch einige Abrechnungen ausstehen, ist schon klar, dass es einen Brutto-Erlös von 11,5 Millionen Euro gab. Knapp zwei Millionen Euro werden laut Verbands-Aufsichtsratschef Josef Pröll an die Bundesliga und die Landesverbände ausgeschüttet, beim ÖFB bleibe ein „niedriger siebenstelliger Betrag“. Im Vergleich dazu kassierte der Verband für die EURO 2024 von der UEFA 12,75 Millionen Euro. „Und das bei unvergleichlich weniger Kostenaufwand“, betonte Pröll.

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