12.11.2014 13:01 |

Versuchter Betrug

Kartnig: Vier Jahre Haft ohne Chance auf Fußfessel

Am Mittwoch hat im Grazer Straflandesgericht der Prozess gegen Hannes Kartnig begonnen, und zum Auftakt gab es auch gleich ein erstes Urteil. Bevor die Verhandlung noch richtig angelaufen war, wurde der ehemalige Sturm-Graz-Präsident schon wegen teilweise versuchten Betruges zu vier Jahren unbedingter Haft verurteilt. Dann wurde der Prozess fortgesetzt.

Es war der übliche Beginn mit Blitzlichtgewitter, Zuschauerandrang und Journalisten, diesmal konnte Hannes Kartnig allerdings nicht viel sagen, wurde er doch aus der Haft vorgeführt. Angespannt und blass nahm er auf der Anklagebank neben dem ehemaligen Sekretär und drei früheren Vorstandsmitgliedern des Bundesligaklubs Platz. Kartnig war im Februar 2012 wegen schweren Betrugs, grob fahrlässiger Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen sowie Steuerhinterziehung zu fünf Jahren unbedingter Haft und 6,6 Millionen Euro Geldstrafe verurteilt worden. Die Geldstrafe wurde heuer im Frühling vom Obersten Gerichtshof auf 5,5 Millionen Euro herabgesetzt, die Strafe für den Betrug muss neu bemessen werden. Derzeit verbüßt er 15 Monate Haft wegen des Finanzvergehens, eine Fußfessel wurde ihm mittlerweile wieder entzogen.

"Getürkte Zahlen"
Staatsanwalt Johannes Winklhofer prangerte in seinem Eröffnungsplädoyer an, dass bei den Heimspielen "getürkte Zahlen aus den Einnahmen an den steirischen Fußballverband und die Bundesliga weitergeleitet wurden". Diese Institutionen seien dadurch um 20.000 Euro (Fußballverband) und 52.000 Euro (Bundesliga) geschädigt worden. Der mitangeklagte Sekretär habe, so Winklhofer, die Unterlagen "im Auftrag von Kartnig so zusammengestellt."

Als dann der Verteidiger des Hauptbeschuldigten, Roland Kier, am Wort war, beantragte dieser sofort die Ernennung eines anderen Sachverständigen, da Gutachter Fritz Kleiner seiner Meinung nach befangen sei. Richter Martin Wolf fällte mit dem Schöffensenat diesbezüglich zunächst keine Entscheidung, änderte aber den Verhandlungsfahrplan: "Es wird offenbar versucht, mit durchaus legalen Mitteln einen sehr langen Prozess anzustreben." Daher wurde gleich einmal für jenen Teil des Verfahrens, für den es bereits rechtskräftige Schuldsprüche gibt, ein Urteil gefällt. Es ging dabei vor allem um den Versuch, vom Land Steiermark eine Haftung für einen Kredit zu bekommen, außerdem wurden etliche Rechnungen bei Lieferanten nicht bezahlt. Dafür gab es gleich einmal vier Jahre unbedingte Haft und ein Fußfesselverbot.

Dann wurde die Verhandlung fortgesetzt, und erst jetzt kamen die restlichen Verteidiger zu Wort. Dabei ergab sich nicht viel Neues: Der Ex-Sekretär ist geständig, die drei anderen Angeklagten sind es nicht. Kartnig erklärte gleich zu Beginn, er werde auf die Fragen des Staatsanwaltes nicht antworten, und dabei blieb es.

"Das Geld war einfach da"
"Sie werden vom Sekretär massiv belastet, sie sollen konkrete Anweisungen gegeben haben", so Richter Martin Wolf. "Das ist völlig falsch", meinte Kartnig. "Ich habe nicht die Idee dazu gehabt, ich habe das nicht einmal gewusst", führte er weiter aus. Zu den Schwarzzahlungen an die Spieler war er immer geständig gewesen, aber er leugnete, dafür die Kartenmanipulationen in Auftrag gegeben zu haben. "Das Geld war einfach da, wo es hergekommen ist, hat mich nicht interessiert. Ich war kein Kassier und kein Kartenabreißer", stellte er nachdrücklich klar. "Haben Sie die Abrechnungen nicht kontrolliert? Sie sollen ein misstrauischer Mensch gewesen sein", so der Richter. "Aber geh, kumm", wies Kartnig jedes kleinliches Denken mit verächtlichem Gesichtsausdruck zurück.

Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt, es werden einige Zeugen zu den Kartenabrechnungen erwartet.

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