"Krone": Rubin Okotie, Österreichs "Goldtorschütze" beim 1:0 gegen Montenegro - hätten Sie sich vor wenigen Monaten diese Schlagzeile, die es ja vor Kurzem gab, vorstellen können?
Rubin Okotie: Natürlich nicht. Aber ich glaube, dass niemand Anfang des Jahres an diese Schlagzeile geglaubt hat.
"Krone": Da waren Sie als Austria-Edelreservist zum dänischen Mittelständler SönderjyskE gewechselt, dachte niemand ans Team.
Okotie: Rückblickend gesehen, war es die wichtigste und beste Entscheidung meiner Karriere. Mit Lars Söndergaard hatte ich dort einen Trainer, der mich kannte, der mir vertraute, der mich wieder aufbaute.
"Krone": Sie sind 27 Jahre jung, haben in Ihrer Karriere aber schon viel erlebt: Kometenhafter Aufstieg bei der Austria, tiefer Fall nach einer schweren Knorpelverletzung im Knie mit einem Jahr Pause, danach jahrelanger Kampf ums Comeback, jetzt die vorläufige Krönung - erstes Tor im Team, bester Torschütze bei 1860 München. Rubin Okotie - ein Märchen?
Okotie: Stimmt, es war alles dabei. Aber Märchen? Ich bin extrem glücklich, dass es jetzt so ist, wie es ist, darauf habe ich immer gehofft. Wichtig war der Glaube an mich selbst.
"Krone": Wie haben Sie die Wende zum Guten hin geschafft?
Okotie: Zu Beginn meiner Karriere ging es immer nur nach oben: Tore bei der Unter-20-WM in Kanada, Tore bei der Austria, alles lief auf Schiene, ehe die Verletzung kam. Da habe ich dann gelernt: Es ist nicht selbstverständlich, Fußballer zu sein, man bekommt in diesem Beruf nichts geschenkt, muss sich alles hart erarbeiten. Man wird demütiger, dankbarer.
"Krone": Dazu kommt das private Glück mit Freundin Vanessa und Sohnemann Tiamo Romero, der jetzt knapp ein Monat jung ist.
Okotie: Auch dafür bin ich dankbar, es gibt nichts Schöneres als eine intakte Familie.
"Krone": Zurück zum Nationalteam: Marc Janko ist gegen Russland nach seiner Sperre wieder dabei, wer wird stürmen?
Okotie: Jeder, der kommt, will spielen, Ansprüche stelle ich aber sicher keine. Man darf nicht vergessen, dass Marc in Moldawien Matchwinner war, viel geleistet hat. Wer spielt, ist egal, es zählt nur das große Ziel EURO 2016.
"Krone": David Alabas Ausfall?
Okotie: Der tut extrem weh. Er ist mit seinem Auftreten und seiner Mentalität unser Herzstück. Jetzt müssen wir einen Weg ohne ihn finden - und werden diesen finden.
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