Hamburger Unternehmer

Er durchschaute Benko: Milliardär Kühne gestorben

Wirtschaft
24.08.2026 10:48

Der deutsche Logistikmilliardär Klaus-Michael Kühne ist tot. Der Hamburger Unternehmer, der als einer der reichsten Männer Deutschlands galt, wurde 89 Jahre alt. Rekord-Pleitier René Benko hatte sich mehrfach darum bemüht, Kühne in sein Signa-Konglomerat zu ziehen. Doch der rüstige Kaufmann war dem Immo-Jongleur nicht auf den Leim gegangen. 

Klaus-Michael Kühne war ein findiger Unternehmer und als Sohn eines Hamburger Kaufmanns durchaus mit allen Wassern gewaschen. Sein Vater Alfred Kühne gründete den heutigen Transport- und Logistikunternehmens Kühne + Nagel, der Sohn baute die Firma dann schließlich zum Weltkonzern auf. 1994 brachte er schließlich die Kühne + Nagel International AG an die Börse. 

Lange reichster Mann Deutschlands
Mit einem geschätzten Vermögen von  42,8 Milliarden US-Dollar befand sich Kühne viele Jahre auf der Liste der reichsten Menschen der Welt im vorderen Drittel, war zudem lange auch der reichste Mann Deutschlands. Er war außerdem nicht nur als Unternehmer, sondern auch als Mäzen tätig, investierte beim Hamburger SV ebenso wie an Universitäten und Kunsteinrichtungen.

Klaus-Michael Kühne mit Gattin Christine 2023 bei den Salzburger Festspielen.
Klaus-Michael Kühne mit Gattin Christine 2023 bei den Salzburger Festspielen.(Bild: APA-Images / Franz Neumayr)

Auch den Salzburger Festspielen ließ Kühne großzügige Zuwendungen zukommen. Kühne war kinderlos, seit 1989 war er mit Christine Kühne verheiratet und lebte zuletzt in der Schweiz. Das „Handelsblatt“ berichtete vom Ableben des Milliardärs unter Berufung aufs Umfeld Kühnes, laut „Manager Magazins“ starb der Unternehmer in der Nacht auf Montag.

Hamburger Kaufmann brachte Benko zu Fall
Kühne war jedenfalls genau einer jener Männer, die René Benko für sein Signa-Imperium brauchte. Umso bemerkenswerter ist es, dass es eigentlich Kühne war, der 2022 mehr oder weniger den Niedergang der Signa einleitete. 

Kühne hatte etwa zwei Jahre davor in die Tochtergesellschaft Signa Development investiert, noch im Mai 2022 hatte er vorgeschlagen, ein neues Hamburger Opernhaus von Benko bauen zu lassen, doch daraus sollte nichts mehr werden. Bei einem Mittagessen im Dezember 2022 in Hamburg ließ Kühne Benko sitzen, verlangte anschließend die Rückabwickelung seiner Beteiligung an der Signa-Tochtergesellschaft.

Mit dem Entzug des Vertrauens von Kühne begann damals für Benko ein Wettlauf gegen die Zeit und gegen den Zusammenbruch seines strauchelnden Signa-Kartenhauses – den der Finanzjongleur schließlich in spektakulärer Manier verlieren sollte. Die größte Pleite der Zweiten Republik begann vermutlich in Hamburg – weil ein Kaufmann eine gute Nase hatte ... 

„Hat es verdient, im Gefängnis zu sitzen“
Kühne selbst sparte im Nachgang übrigens nicht mit Kritik an Benko – zumal er letzten Endes auch eine halbe Milliarde Euro an die Signa verlor. „Ich bin einem Ganoven ersten Ranges auf den Leim gegangen“, meinte Kühne selbstkritisch noch im Mai 2025 gegenüber der „Welt“. „Ich habe sein Geflecht an Unternehmen nicht durchschaut. Für mich ist das Kapitel Benko abgeschlossen. Er hat es verdient, im Gefängnis zu sitzen.“ Im Herbst 2024 nannte Kühne Benko auf einer Veranstaltung gar einen „Rohrkrepierer“. 

Der gefallene Immobilienjongleur sitzt seit Jänner 2025 in Untersuchungshaft, eine Verurteilung wurde inzwischen vom Obersten Gerichtshof bestätigt. Das Strafmaß muss allerdings neu verhandelt werden, da auch ein Freispruch in einem Verfahrensteil aufgehoben wurde. Benko und seine Signa dürften die österreichische Justiz daher noch viele Jahre beschäftigen. 

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