Nun wird also Graz neuerlich von einer Linkskoalition regiert. Allerdings ohne SPÖ. Kommunisten und Grüne sind dort stark genug, um auf Beteiligung der traditionellen Arbeiterpartei verzichten zu können.
EINERSEITS heißt es nun, dass es da ja nur um eine einzelne Stadt, also um einen Sonderfall gehe. Die SPÖ sei auf Bundesebene immerhin in einer Regierungskoalition.
ANDERERSEITS muss Graz doch als Symptom für die Gesamtentwicklung der SPÖ gewertet werden. Wenn man den Umfragen glaubt, rinnt diese nämlich auch auf Bundesebene aus, was mit einer gewissen Automatik eben eine Stärkung anderer Linksparteien wie der Grünen und auch der Kommunisten bedeutet. Zwar sind in den vergangenen Jahren große Teile der ehemaligen Arbeiterschaft in Richtung FPÖ abgewandert, ausgesprochene Linkswähler bleiben aber doch im linken Bereich. Und dort haben sie zur SPÖ eben Alternativen.
Woran das liegt? Vordergründig sicher an einem ganz offensichtlich glücklosen und überforderten Parteichef, dessen Klassenkampf-Rhetorik die Abwanderung der Wähler nach noch weiter links vielleicht noch beschleunigte.
Und aus übergeordneter Sicht wohl daran, dass die Sozialdemokratie europaweit – siehe Deutschland – in der Sinnkrise steckt. Eine Arbeiterklasse, für deren Rechte man kämpfen müsste, gibt es im soziologischen Sinne nicht mehr, und auf die anderen dringenden Fragen der Zeit – siehe Migration – hat die Sozialdemokratie keine Antworten.
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