05.11.2014 15:48 |

Neuer Nolan-Streich

"Interstellar": Weltraum-Epos mit Andockproblemen

Nach den Straßen von Gotham und der Welt der Träume nimmt uns Regie-Ass Christopher Nolan in seinem neuesten Werk mit auf die Reise in fremde, weit entfernte Welten: In "Interstellar" steht nicht weniger als das Überleben der Menschheit auf dem Spiel, weshalb sich ein Team von Raumfahrern und Forschern jenseits unserer Galaxie wagen muss, um neue Lebensräume im Weltall zu erkunden. Intelligente und zugleich spannende Science-Fiction im bombastischen IMAX-Format, die sich aber letztlich nicht zum erhofften Meisterwerk zusammenfügen will.

Mit Matthew McConaughey, Anne Hathaway, Jessica Chastain sowie Michael Caine und einem Überraschungsstar ist Christopher Nolans Reise in eine fremde Galaxie hochkarätig besetzt. Sie sind die Protagonisten einer Erde der nahen Zukunft, die kurz vor dem Kollaps steht. In Anlehnung an den sogenannten Dust Bowl der Weltwirtschaftskrise der 1930er-Jahre fegen mächtige Sandstürme über das Land. Die Menschen leiden unter extremer Nahrungsknappheit, Bauern sind hier gefragter als Ingenieure oder gar Astronauten.

Ein Bauer auf der Suche nach einer neuen Heimat
In dieser, der Verdammnis preisgegeben scheinenden Welt ist gar die Mondlandung der US-Raumfahrer in den Geschichtsbüchern zu einer Lüge der US-Regierung im Zuge des Propagandakriegs mit der Sowjetunion geworden. Die Menschen sollen sich den Problemen am Boden widmen statt sich Träumereien über das Weltall hinzugeben. Doch die NASA sucht im Geheimen nach einem Ausweg für die Menschheit - und Bauer Cooper (McConaughey), verwitweter Vater zweier Kinder, der zu besseren Zeiten als Testpilot für die US-Regierung geflogen ist, soll nun ein Raumschiff ins Weltall steuern, um nach einer neuen Heimat zu suchen.

Ein Wurmloch nahe des Saturn soll dem Astronauten und seinem Team, darunter die Tochter (Hathaway) des leitenden NASA-Wissenschaftlers Dr. Brand (Caine), als Abkürzung in ein fernes Sternensystem dienen. Dort, so die Hoffnung der Raumfahrtbehörde, könnte ein bewohnbarer Planet als neue Erde bevölkert werden. Cooper wird vor die schwerste Wahl seines Lebens gestellt: Bleibt er bei seinen Kindern oder bricht er zu einer höchst gefährlichen, möglicherweise Jahrzehnte (nach Erdenjahren) dauernden Reise ins Ungewisse auf?

Die richtigen Zutaten machen noch kein Meisterwerk
Ohne mehr zum Inhalt zu verraten, enthält Nolans neuester Streich auf jeden Fall alle Zutaten eines filmischen Meisterwerks: grandiose Darsteller in einem im Blockbuster-Gewand gestrickten, von hochkomplexen Ideen und zugleich zutiefst menschlichen Fragen angetriebenen Abenteuer, technisch perfekt produziert, bildgewaltig präsentiert im IMAX-Format und, nicht zu vergessen, musikalisch dermaßen wuchtig untermalt, dass der Kinosaal, einem Raumschiff beim Start gleich, zu vibrieren beginnt.

Schade, dass es dem ambitionierten Filmemacher mit "Interstellar" trotz all dieser Ingredienzen nicht gelingt, das erhoffte Meisterwerk abzuliefern. Wie in einer Dauerschleife sind Astronaut Cooper und seine Kollegen (sowohl im Weltall als auch auf der Erde) die knapp 170 Minuten hindurch dazu angehalten, ausführliche Erklärungen zu all den wissenschaftlichen Aspekten (Wurmlöcher, schwarze Löcher, fünf Dimensionen, Relativitätstheorie, Schwerkraft, Murphys Gesetz etc.) abzugeben - ganz so, als ob Nolan den Zusehern nicht zutraut, der Handlung ohne andauerndes Aufschlagen der Betriebsanleitung folgen zu können.

Oberlehrer Nolan im Schatten von Meister Kubrik
Eine Sorge, die Nolans selbsterklärte Inspirationsquelle für "Interstellar", Kultregisseur Stanley Kubrik und sein Science-Fiction-Epos "2001: Odysee im Weltraum", sicherlich nicht plagte. Der Meister scheute sich nicht davor, das Publikum mit offenen Fragen zum schwarzen Monolithen und Supercomputer Hal 9000 aus dem Kinosaal gehen zu lassen. Was von "Interstellar" bleibt, ist gehaltvolle, aber leider teils schwer verdauliche Science-Fiction-Kost eines Oberlehrers.

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