LA-EM in Zürich

Mit Leiberl im Ziel: Gold für Mekhissi-Benabbad

Sport
17.08.2014 19:32
Mahiedine Mekhissi-Benabbad hat am Sonntag zum Ausklang der Leichtathletik-Europameisterschaften in Zürich im Finale über 1.500 Meter nicht mehr nackte Haut gezeigt als erlaubt und nach seinem Sieglauf dafür die Goldmedaille bekommen. Der Franzose, über 3.000 Meter Hindernis wegen Leiberlausziehens disqualifiziert (siehe Infobox), wurde bejubelt und ausgebuht zugleich.

Der böse Bub der französischen Equipe polarisiert, abermals ließ Mekhissi-Benabbad die Gegner wissen, was er von sich selbst hält: Er überquerte selbstverherrlichend nach 3:45,60 Minuten die Ziellinie als Erster vor dem norwegischen Titelverteidiger Henrik Ingebrigtsen (3:46,10) und dem Briten Chris O'Hare (3:46,18). "Meine einzige mögliche Reaktion auf die Disqualifikation war, auf die Bahn zurückzukehren und den Titel zu holen. Ich habe wie ein Champion reagiert", sagte Mekhissi-Benabbad, der "mit der Wut im Bauch" lief.

"Mo" Farah schafft Double
Mohamed "Mo" Farah krönte sich indes zum Doublegewinner dieser Kontinentaltitelkämpfe, es war sein viertes großes Double der Karriere. Der Brite gewann nach den 10.000 auch die 5.000 Meter, er setzte sich in 14:05,82 Minuten vor Hayle Ibrahimow aus Aserbaidschan (14:08,32) und Andy Vernon aus Großbritannien (14:09,48) durch. Der Österreicher Brenton Rowe wurde an seinem 27. Geburtstag 13. (14:16,46) und blieb im Rahmen seiner Möglichkeiten.

Eine große Überraschung gab es über 3.000 Meter Hindernis der Frauen, die Deutsche Antje Möldner-Schmidt siegte in 9:29,43 Minuten vor der Schwedin Charlotta Fougberg (9:30,16) und der Spanierin Diana Martin (9:30,70). Die Staffeltitel gingen an die Frauen aus Großbritannien (4x100 Meter) und Frankreich (4x400 Meter) sowie an die Männer aus Großbritannien über beide Distanzen.

Schweizerin verliert in 4x100-Meter-Staffel den Stab
Dramatisch verlief das 4x100-Meter-Rennen bei den Frauen. Der Schweizer Publikumsliebling Mujinga Kambundji, Finalistin in den Einzelrennen über beide Sprintdistanzen, ließ als Startläuferin nach den ersten Schritten den Stab fallen und brach unter dem Aufschrei des Publikums wie ihre Teamkolleginnen in Tränen aus. Sprint-Double-Gewinnerin Dafne Schippers patzte ebenfalls bei der Übergabe, womit die Chance auf ihre dritte Medaille in Zürich dahin war.

Jahresweltbestleistung bei Hochspringerinnen
Jahresweltbestleistung markierte die Hochspringerin Ruth Beitia, die Spanierin verteidigte mit 2,01 Metern ihren Titel erfolgreich, auf die nächsten Plätze kamen Maria Kutschina (RUS/1,99) und Ana Simic (CRO/1,99). Die Deutsche Kugelstoßerin Christina Schwanitz heimste mit 19,90 Metern EM-Gold ein, die Vize-Weltmeisterin verwies Jewgenia Kolodko (RUS/19,39) und Anita Marton (HUN/19,04) auf die weiteren Plätze.

Bei den Männern ging der Weitsprung mit 8,29 Metern an den Briten Greg Rutherford, der sich vor Louis Tsatoumas (GRE/8,15) und Kafetien Gomis (FRA/8,14) durchsetzte. Im Speerwurf gab es zwei Medaillen für Finnland, Europameister Antti Ruuskanen (88,01 Meter) und Bronzemedaillengewinner Tero Pitkämäki (84,40) nahmen den silbernen Tschechen Vitezslav Vesely in die Mitte (84,79).

Marathon-Sieg geht an Italiener
Als Marathonsieger trug sich am Vormittag der Italiener Daniele Meucci ein, der nach 2:11:08 Stunden vor Yared Shegumo (POL/2:12:00) und Alexej Rejunkow (RUS/2:12:15) die Ziellinie überquerte. Im anspruchsvollen Rennen durch die Zürcher Altstadt klassierte sich bei Sonnenschein der Oberösterreicher Christian Pflügl als 45. (2:25:51).

Briten holen Medaillenwertung
Die Medaillenwertung nach 47 Entscheidungen gewann Großbritannien mit zwölf Gold-, fünf Silber- und sechs Bronzemedaillen vor Frankreich (9/8/6) und Deutschland (4/1/3). Es wurden ein Weltrekord über 50 Kilometer Gehen aufgestellt und sieben Jahresweltbestleistungen markiert. 148.432 Zuschauer waren an den sechs Wettkampftagen ins Stadion gekommen. Der Besuch bei den Abendsessions lag gesamt bei 81 Prozent, damit wurden die Ausverkauft-Erwartungen nicht erfüllt.

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