Do, 21. Juni 2018

Mindestens 21 Tote

15.07.2014 21:56

Metro-Unglück in Moskau: "Dachte an das Ende"

In der Moskauer U-Bahn hat sich am Dienstag eines der schwersten Unglücke seit ihrer Eröffnung 1935 ereignet. Mindestens 21 Menschen kamen ums Leben, als im Frühverkehr ein Zug der Blauen Linie zwischen den Stationen Pobedi-Park und Slawjanski entgleiste. Rund 180 Menschen wurden verletzt, viele von ihnen schwer. Regierungschef Dmitri Medwedew sprach von einem "tragischen Ereignis". Bürgermeister Sergej Sobjanin sagte den Opfern "jede notwendige Hilfe" zu und rief für Mittwoch einen Trauertag aus.

Der Unfall ereignete sich um 8.30 Uhr Ortszeit - rund 200 Meter von der nächsten Station entfernt. Zum Unfallzeitpunkt sei der Zug laut Ermittlern mit rund 70 Kilometern pro Stunde gefahren. "Es gab Panik", sagte ein junger Mann dem Sender LifeNews. "Wir sind geklettert, um aus dem Wagen zu kommen, waren aber eingeschlossen. Männer nahmen Hämmer und Zangen und haben das, was uns den Weg versperrt hat, zerstört - und wir sind raus. Dann haben uns Arbeiter zum Ausgang geführt."

Überlebender: "Ich dachte, das ist das Ende"
Überlebende Passagiere berichteten von Panik in den Waggons. Der Zug habe plötzlich "scharf gebremst". "Funken und viel Rauch" habe es gegeben, berichtete ein Insasse mit blutverkrusteter Nase. "Alle wurden von einer Seite auf die andere geschleudert." "Ich dachte, das ist das Ende", sagte ein anderer Passagier einem Fernsehsender. "Wir waren eingeschlossen - und sind nur durch ein Wunder rausgekommen. Es gab viele Verletzte. Zahlreiche Verletzungen: Köpfe, Beine."

Zwölf Menschen seien direkt am Unfallort gestorben, sieben weitere im U-Bahnhof, und zwei Menschen seien im Krankenhaus ihren Verletzungen erlegen, sagte Gesundheitsministerin Veronika Skworzowa. Demnach wurden 126 Passagiere in Krankenhäuser gebracht. 42 von ihnen hatten laut einem Ministeriumssprecher schwere Verletzungen. Dutzende Krankenwagen und mehrere Rettungshubschrauber waren im Einsatz.

Ermittler sprechen von "technischer Katastrophe"
Die Unfallursache blieb vorerst unklar, einen Terroranschlag schlossen die Ermittler jedoch bereits aus. "Es handelt sich allem Anschein nach um eine technische Katastrophe", sagte Wladimir Markin von der russischen Ermittlungsbehörde. Markin zweifelte an der zunächst verbreiteten Version, dass ein Spannungsabfall vor der Station "Slawjanski Boulevard" den Unfall verursacht haben könnte. Die Energiewerke der Stadt hätten eine solche Stromschwankung nicht bestätigt. "Wir ermitteln derzeit in alle Richtungen. Ein Defekt am Fahrgestell ist ebenso nicht ausgeschlossen wie eine kaputte Weiche."

Bürgermeister Sobjanin sprach von einem der "schwersten Unfälle der jüngsten Zeit". Regierungschef Medwedew drückte den Angehörigen der Toten sein Beileid aus. Es wurden Ermittlungen wegen eines möglichen Verstoßes gegen Sicherheitsvorschriften eingeleitet.

Zu viele Passagiere und veraltete Technik
Die 1935 unter Diktator Josef Stalin eröffnete und renovierungsbedürftige Moskauer U-Bahn gilt mit täglich neun Millionen Passagieren als wichtigstes Verkehrssystem der mit mehr als zwölf Millionen Einwohnern größten Stadt Europas. Allerdings sei die Metro für maximal sechs Millionen Passagiere täglich ausgelegt, sagte der auf Verkehrswesen spezialisierte Journalist Alexej Chasbijew vom Magazin "Expert". Die Technik sei den Worten des Experten zufolge "veraltet", auch wenn es über die Jahrzehnte kaum größere Zwischenfälle gab. Im Jahr 2010 war die Metro Ziel eines Doppelanschlags mit 40 Toten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.