Sa, 18. August 2018

Ein Schritt fehlt

09.07.2014 16:13

Löw: "Erst als Weltmeister ist man unsterblich"

Der Sieg für die Ewigkeit löste bei den deutschen Fußball-Heroen spontan gewaltige Glücksgefühle aus - unsterblich aber werden erst Weltmeister. Diese Losung gaben Bundestrainer Joachim Löw und seine zur Krönung entschlossenen Spieler nach der magischen Halbfinal-Nacht mit dem weltweit bestaunten 7:1-Torfestival (Video in der Infobox) gegen Gastgeber Brasilien aus.

"Nein, wir haben uns jetzt gegenseitig schon gebremst", berichtete der nun alleinige WM-Rekordschütze Miroslav Klose nach dem Wahnsinnsspiel gegen den gedemütigten Rekordweltmeister, das als ein Jahrhundertereignis in die Geschichtsbücher eingehen wird. "Weltmeister ist noch niemand im Halbfinale geworden", konterte der zweifache Torschütze Toni Kroos verfrühte Jubelarien.

Auf dem Rückflug aus Belo Horizonte richtete DFB-Präsident Wolfgang Niersbach ein großes "Dankeschön" an alle Beteiligten. "Das ist ein historisches Ergebnis, das ist keine Übertreibung. Ihr könnt euren Kindern und Enkelkindern noch in Jahren und Jahrzehnten erzählen: 'Damals, 8. Juli 2014, in Belo Horizonte, ich war dabei. 7:1 gegen Brasilien.' Noch in Jahrzehnten wird man fragen: 'Wie war das möglich?'"

Gefahr des Ausflippens gering
Trotzdem empfahl auch der Verbandschef Mäßigung: "Wir flippen alle nicht aus, obwohl auch ich dies gerne möchte." Konzentrierte Arbeit sei auch an den letzten Turniertagen gefordert. "Um dann am Sonntagabend im Maracana dieses goldene Ding in die Höhe zu halten." Die Gefahr des zu frühen Ausflippens scheint kaum vorhanden bei einer Generation mit Veteranen wie Klose, Philipp Lahm oder Bastian Schweinsteiger, die von knapp verpassten Triumphen genug hat.

"Wir wissen, dass wir noch nicht am Ende sind. Ich habe schon ein Finale gespielt, leider verloren. Das soll kein zweites Mal passieren", sagte Klose, der 2002 in Japan beim 0:2 gegen Brasilien dabei war. Das Team 2014 sei "geerdet", betonte Löw: "Ich glaube, dass diese Mannschaft unbedingt bereit ist, das Finale jetzt auch zu gewinnen." Das Unfassbare, das sich im Estadio Mineirao abgespielt hat, soll nicht den Blick vernebeln.

Der Erfahrungsvorsprung von im Schnitt 66 Länderspielen der deutschen Startelf-Akteure gegen gerade 38 der Brasilianer schlug voll durch, gerade in den verrückten sieben Minuten vom 2:0 (23.) bis 5:0 (29.). "Wir haben ein Tor nach dem anderen gemacht, das konnte man zwischendurch kaum glauben", staunte der herausragende Kroos, der zweimal traf. Dazu erzielte Klose sein 16. WM-Tor, Thomas Müller sein fünftes im Turnier und Sami Khedira sein erstes. Nach der Pause schlug Joker Andre Schürrle noch zweimal zu sowie ganz zum Schluss Oscar für die hemmungslos weinenden Spieler der "Selecao".

Mehr als 32 Millionen Deutsche vor den TV-Geräten
In Deutschland jubelte die Rekordzahl von 32,57 Millionen Menschen vor den TV-Geräten mit. Dass sie ausgerechnet am 24. Jahrestag des dritten und bisher letzten deutschen Titelgewinns Geschichte geschrieben hatten, beeindruckte die Kicker wenig. "Sonntag können wir Geschichte schreiben", entgegnete Jerome Boateng. "Jetzt müssen wir noch einmal durchziehen, Vollgas geben und uns das Ding holen", lautete die klare Ansage von Torjäger Müller.

Die rasante Hatz durch die K.-o.-Runden geht weiter. Verteufelt nach dem Verlängerungskampf gegen Algerien, vergöttert nach dem zweithöchsten Sieg in 105 WM-Partien. "Vom Untergang zum Favoriten im Finale, das geht immer ganz schnell", sagte Müller. "Nach dem Ergebnis ist klar, dass alle sagen, Deutschland ist Favorit", meinte Boateng. Trotzdem warnte Tormann Manuel Neuer, sich nicht von der Sternstunde blenden zu lassen: "Dieses Ergebnis ist sehr extrem, aber auch das Finale fängt bei 0:0 an."

Lahm und Co. wollen weiter Geschichte schreiben. Im Maracana könnte Deutschland als erstes Team aus Europa bei einer WM in Südamerika den Titel gewinnen. "Mir ist wurscht, wo ich Weltmeister werde, Hauptsache, wir werden es", betonte Kroos.

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