Der steirische Weihbischof Johannes Freitag macht uns trotz täglicher Nöte und vieler Kriege Mut – mit Blick auf den auferstandenen Jesus. Wie er den Ostersonntag verbringt und was er von Papst Leo hält.
„Krone“: Herr Bischof, wie wichtig ist angesichts der zunehmenden Teuerung und weltweiter Kriege die österliche Botschaft von Auferstehung und Hoffnung?
Johannes Freitag: Das, was wir am Karfreitag bedenken, vollzieht sich tagtäglich auf vielfache Weise: Lebenspläne der kleinen und der großen Welt werden durchkreuzt. Es gibt Nöte, Ängste, sinnloses Leid, und wir erleben große Ohnmacht. Das Motiv des christlichen Glaubens aber ist die Hoffnung. Ostern ist ein hoffnungsvolles Fest, weil am Ende des österlichen Weges der Durchbruch des Lichts steht. Es passiert in dieser Welt auch viel Gutes. Das ist manchmal der Perspektivenwechsel, den wir brauchen. Gott ist es, der in unsere Ohnmacht eingreift und vieles zum Guten und Besseren verändert.
Macht es Sie traurig, dass kein Jahr ohne neue Auseinandersetzungen vergeht?
Wenn ich an die Opfer denke, werde ich traurig. Das sind Menschen, die Lebensträume und Lebenspläne hatten und deren Leben mit einem Schlag zunichtegemacht wurde: ob das nun junge Menschen von russischer oder ukrainischer Seite sind, junge Menschen im Iran, in Palästina oder in Israel. Gar nicht zu reden von den vielen Konfliktherden des asiatischen und afrikanischen Raumes. Es sind junge Menschen, die, so wie ich, mit 20, 25 Jahren ihre Ziele und Visionen hatten. Jeder Einzelne könnte ich sein, könntest du sein. Ich leide unter diesen Konflikten, unter der Gewalt, die es überall auf der Welt gibt.
Was gibt Ihnen dann wieder Zuversicht?
Mir hilft es, den Blick auf die kleine Welt zu richten: Da haben wir die Möglichkeit zu gestalten und im Kleinen dem Frieden zum Durchbruch zu verhelfen. Mir gibt Hoffnung, dass ich weiß: Gott lebt. Ich habe seine Nähe immer gespürt – in der Begleitung von kranken und sterbenden Menschen. Im Erleben eines Sonnenaufgangs oder der Bergwelt mit all ihrer Faszination.
Diese Friedensbotschaft zeichnet das Christentum aus. Vermissen Sie diese Botschaft manchmal bei anderen Religionsgemeinschaften?
Ich beurteile die anderen Religionen nicht, jeder muss sich dazu selbst ein Urteil bilden. Für mich ist das Christentum eine Religion, die sich sehr weit für die Menschlichkeit hinauslehnt. In den letzten Jahren und Jahrzehnten hat die katholische Kirche durch ein Feuer Läuterung erfahren. Sie ist heute eine andere Kirche als noch vor 30 Jahren. Ich würde auch anderen Religionsgemeinschaften diese Läuterung wünschen. Das tut weh, aber manchmal ist es notwendig.
Am Ostersonntag vor einem Jahr hat Papst Franziskus seine letzte Predigt auf dem Petersplatz in Rom gehalten. Welche Erinnerungen haben Sie an ihn?
Franziskus war für mich ein äußerst glaubwürdiger Verkünder des Glaubens, weil bei ihm Wort und Tat eine Einheit gebildet haben. Er hat damit oft irritiert, manche sogar vor den Kopf gestoßen. Aber seine Zeichen, die er nach außen gesetzt hat, wurden zutiefst im Herzen erwogen und sind darin gereift. Sein letzter Auftritt auf dem Petersplatz zeigte, wo sein Herz zu Hause war: bei den Menschen. Ich bin der letzte Bischof im deutschsprachigen Raum, der noch von Franziskus ernannt wurde, und sehe es daher als meinen Auftrag an, sein Erbe auf meine Art und Weise und mit meinen Möglichkeiten fortzuführen.
Welchen Eindruck haben Sie von Papst Leo XIV.?
Ich empfinde ihn als sehr sympathisch, er tut der Kirche richtig gut. Zu mir hat kürzlich ein junger Mensch gesagt: „Der Papst ist ein cooler Typ, oder?“ Das finde ich auch! Ich durfte Leo ja bereits dreimal begegnen, er ist einem dann ganz nah, aber zuerst einmal der Hörende. Ich nehme ihn als unaufgeregt und geerdet, aber sehr konsequent und extrem gut vorbereitet wahr.
Glauben Sie, dass der Papst einmal nach Österreich kommen wird?
Ich würde es nicht ausschließen. „Why not?“, hat er mir geantwortet, als ich ihn gefragt habe, ob er auch einmal die Steiermark besuchen möchte. Aber er ist wahnsinnig viel unterwegs, fast jeden Sonntag in einer Pfarre von Rom. Der Papst lässt sich nicht treiben und trifft seine Entscheidungen ganz gezielt.
Zu Ostern sind die Kirchenbänke bis auf den letzten Platz gefüllt, an „normalen“ Sonntagen bleiben viele oft leer. Woher kommt diese Diskrepanz aus Ihrer Sicht?
Zu Ostern sind nicht nur die Kirchenbänke gefüllt, sondern das ganze Land ist unterwegs zu Osterspeisensegnungen. Das gehört zu unserer Volkskultur, wo die Wertegemeinschaft eine hohe Wertschätzung erfährt. Die Messen am Palmsonntag und am Ostersonntag sind gemeinschaftsstiftend, und dazu kommt noch das Brauchtum, das einen schönen, verbindenden Rahmen schafft. Ich freue mich über jeden Einzelnen, der kommt, und würde da keinen einzigen Grund zum Jammern finden. Wie viele Menschen leben Nachbarschaft und pflegen zu Hause ihre Eltern? Das ist doch genauso Gottesdienst. Ich war nie einer, der die Kirchenbesucher gezählt hat, sondern die Kerzen, die angezündet wurden.
Wie verbringen Sie den Ostersonntag?
Ich freue mich sehr auf die Messe im Stift St. Lambrecht, das heuer sein 950-jähriges Bestehen feiert. Danach werde ich Freunde und gute Bekannte treffen und am Ostermontag mit meiner Familie essen gehen. Für jeden gibt’s dann Ostersackerln mit Süßigkeiten als kleine Aufmerksamkeit. Die mache ich gerne selbst, damit stimme ich mich aufs Fest ein.
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