11.06.2014 14:10 |

Diagonale-Hit

"Der letzte Tanz": Wenn die Oma den Zivi verführt

Eine innige Beziehung zwischen einem jungen Zivildiener und einer betagten Alzheimerpatientin hat für sie neue Lebensfreude, für ihn gesellschaftliche Ablehnung zur Folge. In "Der letzte Tanz" (Kinostart: 13. Juni) nimmt sich Regisseur Houchang Allahyari dem Tabu Sexualität im Alter an, verurteilt ein repressives Rechtssystem und besetzt die grandiose Erni Mangold in einer gewagten Rolle.

Als Karl (Daniel Sträßer) in seiner Wohnung überraschend verhaftet wird, ist er sich keiner Schuld bewusst. In Untersuchungshaft angekommen, sieht er sich scheinbar willkürlicher Polizeigewalt und dem Unverständnis des Gerichtspsychiaters (Allahyari) ausgesetzt.

Während die Mutter (Marion Mitterhammer) zu Hause verzweifelt, will sein Anwalt (Viktor Gernot) auf Unzurechnungsfähigkeit plädieren. Zu abwegig scheint es für sein Umfeld, was er getan hat - von einem Sexualdelikt ist die Rede, und dem Ausnutzen eines Abhängigkeitsverhältnisses.

Drei Monate zuvor: Karl tritt seinen Zivildienst an der geriatrischen Abteilung im Krankenhaus an. Während er privat eine Beziehung mit einer ehemaligen Schulkollegin beginnt, freundet er sich mit der Alzheimerpatientin Frau Eckert (Mangold) an. Von Ärztinnen und Krankenschwestern - "Giftmischern" - als unbequem empfunden, fühlt sie sich von Karl verstanden, lässt sich vorlesen, Musik vorspielen, scherzt mit ihm. Karls Zuwendung scheint in ihr neue Lebensfreude zu wecken. Die beiden nähern sich schließlich an, emotional wie körperlich. Bis eine Kollegin hereinplatzt - und so auch die gesellschaftliche Realität.

Das sagt "Krone"-Kinoexpertin Christina Krisch zum Film: Eine bewegende Gratwanderung der Gefühle, die über Fürsorge hinausgeht und mit dem Großen Diagonale-Preis 2014 prämiert wurde. Wie Erni Mangold noch einmal nach dem Leben greift und den jungen Mann, der ihr Urenkel sein könnte, verführt, wie er ihr Sehnen behutsam beantwortet, zeugt von einer Reifeprüfung im Namen der Menschlichkeit - und wahrhaftiger Schauspielkunst.

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