„Nicht akzeptabel“

Großer Job-Kahlschlag bei Pharmakonzern in Tirol

Tirol
13.03.2026 11:01
Porträt von Tiroler Krone
Von Tiroler Krone

Der Generika-Hersteller Sandoz will an seinem Standort im Tiroler Kundl (Bezirk Kufstein) offenbar rund 100 Mitarbeiter abbauen. Man plane die Schließung des Development Centers, das auf die Entwicklung generischer Arzneimittel ausgerichtet ist. Der Betriebsrat befürchtet, dass der Job-Kahlschlag noch umfassender ausfallen könnte. Tirols LHStv. Philip Wohlgemuth in Richtung Konzern: „Das ist nicht akzeptabel!“

Die Maßnahme würde ausschließlich die Entwicklungsorganisation betreffen, nicht hingegen den Antibiotika-Produktionsstandort, wurde betont. Das Unternehmen bestätigte der APA einen entsprechenden Bericht der „Tiroler Tageszeitung“. Die betroffenen rund 100 Beschäftigten seien über die „geplanten Veränderungen“ bereits informiert worden, hieß es. 

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Wir werden alle betroffenen Kolleginnen und Kollegen mit Sorgfalt und umfassenden Unterstützungsangeboten begleiten.

Sandoz

Derzeit befinde man sich im Konsultationsprozess mit dem lokalen Betriebsrat. „Wir werden alle betroffenen Kolleginnen und Kollegen mit Sorgfalt und umfassenden Unterstützungsangeboten begleiten, um ihnen den Übergang zu neuen Möglichkeiten innerhalb oder außerhalb von Sandoz zu erleichtern“, teilte Sandoz mit.

2700 Beschäftigte in Österreich
Das Pharmaunternehmen mit Hauptsitz in der Schweiz beschäftigt in Österreich derzeit 2700 Mitarbeiter. Das Development Center in Kundl unterstütze eine „breite Palette an Arzneimitteln und ist nicht ausschließlich auf Antibiotika fokussiert“, hieß es.

Am Standort Kundl sollen Jobs gestrichen werden.
Am Standort Kundl sollen Jobs gestrichen werden.(Bild: Sandoz/Martin Vandory)

Betriebsrat befürchtet größeres Ausmaß
Dem Betriebsrat zufolge könnten in Kundl sogar zwischen 170 und 190 Jobs gestrichen werden. Laut den Belegschaftsvertretern soll in zwei Abteilungen Personal gekürzt sowie die aufgelöste Abteilung nach Slowenien und Indien verlagert werden. Die Antibiotika-Forschungsabteilung dagegen bleibe in Kundl. Diese Zahlen wollte das Unternehmen gegenüber der „TT“ weder bestätigen noch dementieren. Gegenüber der APA war man dahingehend für eine Stellungnahme vorerst nicht erreichbar.

Kundl weiter „strategisches Zentrum für Penicilline“
Kundl bleibe für Sandoz jedenfalls weiter das strategische Zentrum für Penicilline, was in Europa „einzigartig“ sei, beteuerte die Unternehmensspitze. Die Verantwortlichen verwiesen auf Investitionen in den Produktionsstandort allein in den vergangenen zwei Jahren in Höhe von 200 Mio. Euro. Ebenfalls nicht betroffen sei die kommerzielle Organisation in Wien, die für die Versorgung österreichischer Patienten verantwortlich sei.

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Dass nun Entwicklungsabteilungen nach Slowenien und Indien verlagert werden sollen, wirft berechtigte Fragen auf.

LHStv. Philip Wohlgemuth

Scharfe Kritik von Tiroler SPÖ-Chef
Mit scharfer Kritik an Sandoz reagierte am Freitag unterdessen SPÖ-Landeshauptmannstellvertreter und Landesparteivorsitzender Philip Wohlgemuth. „Wenn ein Unternehmen über Jahre hinweg von öffentlichen Förderungen und Investitionen in den Standort profitiert und gleichzeitig hoch qualifizierte Arbeitsplätze ins Ausland verlagert, dann ist das nicht akzeptabel“, wurde Wohlgemuth in einer Parteiaussendung zitiert. Der Standort Kundl sei in den vergangenen Jahren mit erheblichen öffentlichen Mitteln gestärkt worden, erinnerte der Sozialdemokrat.

„Die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler haben ihren Beitrag geleistet, um den Pharmastandort Tirol zu sichern. Dass nun Entwicklungsabteilungen nach Slowenien und Indien verlagert werden sollen, wirft berechtigte Fragen auf“, spielte Wohlgemuth auf die Äußerungen des Betriebsrats an.

„Wenn Entwicklung ausgelagert wird, schwächt das langfristig den gesamten Standort. Wer heute Forschung verlagert, riskiert morgen auch die Produktion“, erklärte der Landeshauptmannstellvertreter, der „klare Antworten“ des Unternehmens einmahnte. Es brauche „rasch Gespräche zwischen der Konzernleitung, dem Betriebsrat und der Politik“. Ziel müsse sein, Arbeitsplätze zu sichern und zu verhindern, dass zentrale Teile des Pharmastandorts Tirol schrittweise ins Ausland verlagert werden.

Wohin geht die Reise?
Wohin geht die Reise?(Bild: Christof Birbaumer)

Freier Mandatar Dornauer: „Das ist eine traurige Nachricht“
Auch der freie Abgeordnete Georg Dornauer meldet sich zu Wort: „Der angekündigte Stellenabbau beim Pharmaunternehmen Sandoz ist für die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zweifellos eine traurige Nachricht. Gleichzeitig darf diese Entwicklung nicht vorschnell allein dem Unternehmen angelastet werden. Vielmehr zeigt sich erneut, dass die Rahmenbedingungen für produzierende Betriebe in Österreich zunehmend unter Druck geraten.“

Er sehe darin ein deutliches Warnsignal für die heimische Standortpolitik:„Wenn international erfolgreiche Unternehmen gezwungen sind, Strukturen zu überprüfen oder Arbeitsplätze zu verlagern, dann müssen wir uns ehrlich fragen, ob Österreich noch jene wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bietet, die langfristige Investitionen ermöglichen.“

„Große Herausforderungen gegeben“
Besonders die hohen Energiepreise, steigende Produktionskosten sowie die im internationalen Vergleich erheblichen Lohnnebenkosten stellen viele Industriebetriebe vor große Herausforderungen. Gleichzeitig wachse der Wettbewerb mit Nachbarländern, in denen Produktions- und Personalkosten deutlich niedriger seien. „Es ist mittlerweile eine traurige Gewissheit, dass etwa in unserem Nachbarland Slowenien Produktionsbedingungen vielfach deutlich günstiger sind als in Österreich. Für global agierende Unternehmen wird es dadurch immer schwieriger, Investitionen und Arbeitsplätze langfristig hierzulande zu halten“, so Dornauer.

Er fordert daher ein rasches und entschlossenes Handeln von Bund und Ländern: „Diese Entwicklungen müssen ein Weckruf sein. Österreich braucht dringend standortsichernde Maßnahmen – von wettbewerbsfähigen Energiepreisen über eine Entlastung bei den Lohnnebenkosten bis hin zu einer spürbaren Reduktion bürokratischer Belastungen. Nur so können wir verhindern, dass weitere industrielle Arbeitsplätze verloren gehen.“

Das Ziel müsse klar sein: „Österreich soll auch künftig ein attraktiver Standort für erfolgreiche Unternehmen, Innovation und hochwertige Arbeitsplätze bleiben. Dafür braucht es jetzt Mut zu wirtschaftspolitischen Reformen und die Tiroler Landesregierung ist dazu aufgerufen, dahingehend Druck auf die säumige österreichische Bundesregierung zu machen.“ 

 

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