10.06.2014 18:31 |

Autobiografie

Wulff rechnet ab: "Der Rücktritt war falsch"

"Der Rücktritt war falsch. Und ich wäre auch heute der Richtige in dem Amt" - der deutsche Ex-Bundespräsident Christian Wulff rechnet in seiner Autobiografie "Ganz oben Ganz unten" mit Justiz, Medien und Politik ab: Der Staatsanwaltschaft Hannover gab er bei der Präsentation am Dienstag in Berlin die Schuld an seinem Rücktritt 2012 und sprach von Gefährdung der Demokratie. Justiz und Medien hätten sich die Bälle zugespielt und gegen die Gewaltenteilung verstoßen.
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Kaum ein anderer Politiker in Deutschland ist so tief gefallen wie er - neben Amt, Ruf und Ehre - ging auch seine Ehe mit der ehemaligen First Lady Bettina in die Brüche. Sein im Verlag C.H.Beck erschienenes Buch wolle er nicht als Abrechnung verstanden wissen, betonte Wulff. "Ich schildere, wie sich die Affäre aus meiner Sicht darstellt."

Wulff sprach von den schlimmsten zwei Jahren seines Lebens und rief zu einer neuen Umgangskultur mit Personen des öffentlichen Lebens auf. Wulff betonte, er habe sich stets rechtlich korrekt verhalten. Sein Freispruch sei auch ohne Wenn und Aber erfolgt.

"Merkel hat immer zu mir gestanden"
Eher zurückhaltend äußerte er sich zu der in weiten Teilen fehlenden politischen Unterstützung aus seiner eigenen Partei während der Affäre. Auf Nachfrage sagte er aber, Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel "hat immer zu mir gestanden", sie habe auch "niemals in irgendeiner Form Druck auf mich ausgeübt". Heute habe er "guten Kontakt zu ihr".

Zugleich machte Wulff deutlich, dass er in Zukunft kein neues Amt in der aktiven Politik anstrebe. Er wolle vielmehr ähnlich wie seine Amtsvorgänger auf internationaler und nationaler Ebene als Schlichter arbeiten sowie ehrenamtlich unter anderem in Stiftungen tätig sein. Wulff, der sich in seiner Amtszeit mit der Äußerung, der Islam gehöre mittlerweile auch zu Deutschland, viel Respekt unter Türken verschafft hatte, ergänzte: "Die Türkei liegt mir weiter am Herzen."

Rücktritt nach Affäre um angebliche Vorteilsnahme
Wulff war am 17. Februar 2012 nach 598 Tagen infolge der Affäre um die angebliche Annahme von Vorteilen als bisher jüngster Bundespräsident zurückgetreten. Das Landgericht Hannover hatte ihn Ende Februar vom Vorwurf der Vorteilsnahme in seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident freigesprochen. Verzichtet die Anklagebehörde auf Revision, wäre er juristisch rehabilitiert, andernfalls müsste der Bundesgerichtshof in Karlsruhe das Urteil auf Rechtsfehler überprüfen.

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