Stimmen gekauft?

Neue Vorwürfe gegen WM-Ausrichter Katar

Sport
08.06.2014 20:47
Mit neuen Korruptionsvorwürfen rund um die Vergabe der Fußball-WM 2022 nach Katar gerät der Weltverband FIFA weiter unter Druck. Wie die englische Zeitung "Sunday Times" berichtete, soll der frühere katarische Spitzenfunktionär Mohamed bin Hammam weitere 1,7 Millionen Dollar für Stimmen aus Asien bezahlt haben.

Außerdem habe er Gespräche auf Regierungsebene mit Thailand für einen Gas-Deal eingefädelt, um sich die Stimme von Exekutivmitglied Worawi Makudi zu sichern. Auch von einem Treffen mit russischen Vertretern einen Monat vor der umstrittenen Abstimmung im Dezember 2010, bei dem es um "bilaterale Beziehungen" zwischen den beiden Ländern im Sport ging, ist die Rede. Beide Länder erhielten den Zuschlag für 2018 und 2022.

Erste Enthüllungen bereits vergangene Woche
Erst in der vergangenen Woche hatte die "Sunday Times" berichtet, dass Bin Hammam fünf Millionen Dollar an Offizielle für die Unterstützung von Katars WM-Bewerbung gezahlt habe. Außerdem soll er dem ehemaligen Exekutivmitglied Reynald Temarii aus Tahiti 305.000 Euro für Anwaltskosten gezahlt haben (siehe auch Infobox).

Die FIFA wollte sich nach einer Sitzung des Exekutivkomitees zu den Vorwürfen nicht äußern. Man werde vor einer Stellungnahme die Arbeit des Ethikkomitees abwarten. FIFA-Chefermittler Michael Garcia will am Montag seine Untersuchungen abschließen und sechs Wochen später einen Bericht vorlegen. Das WM-Organisationskomitee von Katar hatte zuletzt betont, dass Bin Hammam im Bewerbungsverfahren keine Rolle gespielt habe.

Sony und Adidas fordern Aufklärung durch FIFA
Indes könnte der wirtschaftliche Druck auf die FIFA durch die Enthüllungen zunehmen: Als erster großer Sponsor forderte Sony am Sonntag eine Aufklärung der Korruptionsvorwürfe um die WM 2022 in Katar. "Als FIFA-Partner erwarten wir, dass diese Vorwürfe angemessen untersucht werden", zitierte die "Sunday Times" aus einer Erklärung des japanischen Elektronikkonzerns.

"Wir sind zuversichtlich, dass diese Untersuchung mit hoher Priorität behandelt wird", teilte unterdessen auch der Sportartikelhersteller Adidas mit. Das Unternehmen mahnte: "Der negative Tenor der öffentlichen Debatte derzeit über die FIFA ist weder für Fußball, noch für die FIFA, noch für deren Partner gut." Adidas hat seinen Vertrag mit der FIFA erst vor Kurzem bis 2030 verlängert.

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