„Der geteilte Raum“ lässt als Doppelausstellung bei Eleonore Schäfer und Andrea K. Schlehwein in „ihrem“ Art Space Stift Millstatt surreale Ölbilder von Franz Politzer auf die figurativen Bronze- und Terrakotta-Skulpturen von Titus Lerner treffen. Prädikat: Absolut sehenswert!
Ihrem äußeren Umfeld entfremdet und entrückt sind sie beide, wenn auch auf ganz unterschiedliche Weise: die Landschaft von Franz Politzer – der Mensch von Titus Lerner: Als figuraler, oftmals fragmentarischer Archetypus durchschreitet er das Sehfeld, um sich in Antlitz-fokussierten Malereien und langgliedrigen Skulpturen zum Menschsein hin zu häuten und alle Verletzlichkeit der Seele offenzulegen.
Es ist ein langer, intensiver Blick nach innen, den der deutsche Bildhauer, Maler und Grafiker seinem unerschöpflichen Inhalts- und Ausdrucksträger einschreibt, ein Verweilen in einem reflektorischen Echoraum, der den Wunsch nach Erkenntnis ebenso bekleidet wie er hinterfragt, aufbricht, maskiert, transformiert.
Ganz dem Persönlichen beraubt und gerade deshalb so eindringlich in seinem universellen Identifikationsgehalt, der so weit ins Existenzielle greift, ist dieses beseelte, expressive, vielschichtige Menschenbild, das alles trägt, was unser fragiles Sein umfasst.
Wirklichkeitsfragmente, Landschaften und Weltausdenkung
Unverwechselbar surreal und leuchtend vertikal faltet Politzer Landschaft malerisch auf, teilt Raum, Himmel, Fluss und lässt Wirklichkeitsfragmente, die wie mit dem Skalpell aus dem Äther geschnitten sind, als geometrische Sehfelder zwischen klassischer Landschaftmalerei und surrealer Weltausdenkung monumentale Präsenz entfalten.
Und doch haftet dem traumschweren „Realismus“ des hoch dekorierten Malers und Grafikers aus Wien, der seit mehr als drei Jahrzehnten in Millstatt lebt, bei aller Schönheit etwas Kaltes, Unaussprechliches, Bedrohliches an.
Denn Politzers menschenleere Landschaftsutopien und Realitätsentgleisungen sind nur scheinbar Sehnsuchtsländer. Aus der Scheinidylle, die der Natur die große Bühne eines Illusionisten bereitet, ist ein leiser, poetischer Abgesang zu hören, der des Menschen Gigantomanie und seine verlorenen Paradiese besingt. Zu sehen im Art Space Stift Millstatt von 27. März (Vernissage: 18 Uhr) bis 2. Mai.
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