02.06.2014 15:28 |

Neue Hoffnung Felipe

Juan Carlos: Gegangen, "um Fehler zu überwinden"

Der spanische König Juan Carlos hat seine überraschende Abdankung mit dem Wunsch nach einer Erneuerung der Monarchie begründet. Er verzichte auf die spanische Krone, "um Fehler zu überwinden und den Weg zu einer besseren Zukunft frei zu machen", sagte der 76-Jährige am Montag in einer Fernsehansprache.
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Sein Sohn Kronprinz Felipe habe "die Reife, die Vorbereitung und das nötige Verantwortungsbewusstsein", um als neues Staatsoberhaupt an die Spitze Spaniens zu treten. Der 46-Jährige werde "eine neue Etappe der Hoffnung" begründen, in der sich "die gemachten Erfahrungen und der Schwung einer neuen Generation" vereinten. Diese Generation verlange "aus gerechtem Grund die Hauptrolle".

Entschluss schon vor Monaten gefasst
Juan Carlos zeigte sich stolz auf das, was er in seiner Amtszeit erreicht hat. Er habe sich immer dafür eingesetzt, dass sich Spanien in Freiheit entwickeln könne. Den Entschluss zu seiner Abdankung hatte der König bereits im heurigen Jänner gefasst, wie die staatliche Nachrichtenagentur EFE unter Berufung auf den Königspalast berichtete.

Im März habe der 76-jährige Monarch dann im Abstand weniger Tage Ministerpräsident Mariano Rajoy und den sozialistischen Oppositionschef Alfredo Perez Rubalcaba über seinen Schritt informiert. Rajoy hatte die Entscheidung am Montagvormittag der spanischen Öffentlichkeit präsentiert.

Mehrere Operationen wegen Hüft- und Bandscheibenproblemen
"Fehler", wie Juan Carlos sich am Montag ausdrückte, hatte das Königshaus vor allem in den letzten Jahren seiner Amtszeit zur Genüge auszubügeln gehabt, auch seine Gesundheit war zunehmend angeschlagen. In den vergangenen Jahren musste sich Juan Carlos wegen verschiedener Hüft- und Bandscheibenprobleme mehrmals operieren lassen und litt an einem Lungentumor. Er wirkte zunehmend blass und stark gealtert.

Seine öffentlichen Auftritte wurden seltener, immer häufiger ließ sich Juan Carlos durch seinen Sohn in der Öffentlichkeit vertreten. In den vergangenen beiden Jahre reiste er zu Ostern nicht mehr wie gewöhnlich mit seiner Familie nach Mallorca. Sogar zur Hochzeit von Prinz William und Kate im April 2011 in London schickte Juan Carlos seine 72-jährige Frau, Königin Sophia, Kronprinz Felipe und dessen 39-jährige Gattin Letizia.

Image des Bürgerkönigs schwer beschädigt
Von seiner berühmten Lebenslustigkeit war da schon lange nichts mehr zu spüren. Das hatte neben den gesundheitlichen Problemen auch viel mit den Sorgen über das sinkende Ansehen des Königshauses in der Bevölkerung zu tun, das er selber verursacht hatte. Noch bis vor wenigen Jahren hatte Juan Carlos den Ruf eines volksnahen "Bürgerkönigs" genossen, der in Spanien wegen seiner Rolle bei der Demokratisierung des Landes und der Verhinderung eines Staatsstreichs nach der Franco-Diktatur hochgeachtet wurde. Er galt als Garant der Demokratie.

Doch in den vergangenen Jahren litt seine Popularität und damit die seines Hauses stark unter angeblichen Seitensprüngen, Ehekrisen und anderen Fehltritten. So begab sich der König mitten in der Wirtschaftskrise vor zwei Jahren auf eine Luxussafari nach Botswana (siehe Bilder), die nur aufflog, weil er sich beim Elefantentöten an der Hüfte verletzte und ins Krankenhaus musste. Kurz darauf untersuchte sogar die Justiz, ob Juan Carlos das von seinem Vater geerbte Vermögen über die Schweiz am Fiskus vorbeigeschleust hat.

Auch der Korruptionsskandal um Prinzessin Cristina und ihren Ehemann, den ehemaligen Handballprofi Inaki Urdangarin, stürzte das Königshaus in ein enormes Popularitätstief. Zwei Drittel der Spanier sprachen sich laut Zeitungsumfragen zuletzt für die Abdankung ihres Königs aus.

Felipe für drei Viertel der Spanier Wunschkönig
Gleichzeitig glaubt die überwiegende Mehrheit der Spanier, dass die bisher von Skandalen verschont gebliebenen Felipe und Letizia das verloren gegangene Prestige der Monarchie zurückgewinnen können. So sprachen sich jüngst 73 Prozent dafür aus, dass der smarte Thronfolger und seine Gemahlin schon bald das Zepter des betagten Monarchen übernehmen sollen.

Ihr Wunsch wird nun erhört. Bereits für Dienstag berief Rajoy eine außerordentliche Kabinettssitzung ein, um das vorgesehene Gesetz für die Abdankung und Ernennung des Thronfolgers Felipe zum neuen König Felipe VI. einleiten zu können. Danach muss noch das spanische Parlament der Thronbesteigung zustimmen. Rajoy erklärte, Felipe habe sich seit Jahren gut auf diese Rolle vorbereitet und vertrete den König und damit Spanien bereits seit Jahren im In- und Ausland.

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