Die Ahnen der Steinmetze hinterließen in Stift Lilienfeld ihr tiefen Spuren – als einziger lebender Meister seiner Zunft durfte sich Ex-Gendarmierchef Anton Muhr dort verewigen!
Wer durch das ehrwürdige Stift Lilienfeld streift, hört nicht nur das Echo der Jahrhunderte – er liest sie auch, eingeritzt in Stein. Hoch oben an Pfeilern, versteckt in Fugen, verborgen vor hastigen Blicken: geheimnisvolle Zunftzeichen der Steinmetze, Signaturen aus einer Zeit, in der Handwerk noch ein Schwur und jeder Schlag des Hammers ein Versprechen war. Sie sind klein, unscheinbar, doch sie erzählen von Stolz, von Konkurrenz, von harter Arbeit für die Ewigkeit. Damals wusste jeder Bauherr genau, welcher Meister welchen Stein behauen hatte – eine mittelalterliche Qualitätsgarantie aus Kalk und Mut.
Ein stummes Vermächtnis
Einer, der dieses stumme Vermächtnis mit besonderer Nähe erlebt hat, ist der in Ehren ergraute Steinmetz Anton Muhr! Mit leuchtenden Augen erinnert er sich: „Ich war – noch ehe ich in den Dienst der Gendamerie trat – mit dem Stift Lilienfeld und dessen Personen verbunden! So habe ich zum ersten Mal erfahren und auch gesehen, dass es in der Zisterzienserabtei schon immer normal war, dass sich die Steinmetze den Namen sogar außen am Stein eingravierten. Ich war also als Steinmetz nicht ganz allein, aber – die Ausnahme – noch lebend unter den Meistern dieser Zunft und bin daher tatsächlich auf Erden noch immer in Verbindung mit dem Stift!“ Seine eigenen Initialen hat er mit Genehmigung des damaligen Abtes Norbert dort ebenfalls verewigt: 19 AM 62, diskret gemeißelt beim Eingang der Justinus-Kapelle – ein moderner Gruß an eine jahrhundertealte Tradition.
Abt Pius Maurer lächelt über seinen eigenen Namen, der tatsächlich auf Maurer-Vorfahren hinweist, auch wenn er selbst Priester ist. „Im Mittelalter muss beim Bau ein reges Treiben geherrscht haben“, sagt er ehrfürchtig und denkt an die Heerscharen von Baumeistern, Maurern und Steinmetzen, die hier Arbeit und Brot fanden. Viele von ihnen hinterließen ihre Zeichen – und damit Spuren, die heute Archäologen helfen, Bauphasen zu entschlüsseln wie Kapitel eines steinernen Geschichtsbuchs. Dass auch in neuerer Zeit ein Handwerker dieses stille Ritual fortsetzen durfte, verdankt Muhr der Erlaubnis des damaligen Abtes Norbert Mussbacher.
So stehen sie dort, die Pfeiler von Lilienfeld, scheinbar reglos – und doch voller Stimmen. Wer genau hinsieht, erkennt: Jeder Strich im Stein ist ein Händedruck aus der Vergangenheit. Und manchmal antwortet sogar die Gegenwart.
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