"Er hat schwadroniert, dass er sich mit Bernie wahnsinnig gut verstünde", sagte der Zeuge am Dienstag in München vor Gericht. Wörtlich soll der frühere Bankvorstand Gribkowsky bei dem Dinner in London gesagt haben: "Ich habe fast das Gefühl, er sieht mich als Ziehsohn und will mich als Nachfolger aufbauen für die Formel 1." Daraus ist aber bekanntlich nichts geworden: Gribkowsky sitzt seit Jahren im Gefängnis, weil der Deutsche beim Verkauf der Formel-1-Mehrheit 44 Millionen Dollar von Ecclestone angenommen und nicht versteuert hat.
Zeugenaussage amüsiert Ecclestone
Ob es sich bei dem Geld um Bestechungsgeld handelte, wollen die Richter im seit einem Monat laufenden Prozess gegen Ecclestone klären. Laut Anklage soll der Formel-1-Macher das Geld gezahlt haben, um Einfluss auf die Auswahl des Käufers der Rennserie zu nehmen und damit seine Macht zu sichern. Ecclestone hat den Vorwurf der Bestechung stets zurückgewiesen und von einer Bedrohung durch Gribkowsky gesprochen. Er verfolgte die Schilderungen des Zeugen über Gribkowskys Träume von einer Karriere als "Mr. Formel 1" sichtlich amüsiert.
"Herr Dr. Gribkowsky hatte manchmal so Tage"
Der Landesbank-Mitarbeiter hat Gribkowsky aber nicht immer ganz ernst genommen. Schließlich habe der Vorstand damals auch erzählt, dass ihm Ecclestone einmal einen Koffer mit 20 Millionen Dollar hingestellt habe, den er aber nicht angenommen habe. Der BayernLB-Mitarbeiter tat dies als Märchen ab: "Herr Dr. Gribkowsky hatte manchmal so Tage, wo er solche Dinge erzählt hat. Das waren dann so Tage, wo ich abgeschaltet habe."
Nach der Ziehsohn-Geschichte habe er sich sogar für seinen Chef geschämt. "Es gibt ja den Begriff des Fremdschämens", sagte er dem Richter Peter Noll, der das Wort gleich lächelnd wiederholte. Nach einer früheren Aussage des Zeugen über den Koffer mit 20 Millionen hatte Noll ohnehin bereits ausrechnen lassen, ob so viele Dollar-Scheine überhaupt in einen kleinen Koffer passten - und das Ergebnis war negativ.
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