Erste heimische Fälle

Babymilch-Rückruf: Vier Kinder mit Vergiftung

Österreich
19.02.2026 21:25
Porträt von krone.at
Von krone.at

Der Skandal um verunreinigte Babynahrung betrifft Österreich deutlich stärker als bisher angenommen: Es gibt mindestens vier mutmaßliche Vergiftungsfälle im Land – eines der Kinder musste im Krankenhaus behandelt werden.

Laut einem aktuellen Bericht des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) und der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) meldete die heimische AGES (Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) vier Verdachtsfälle von Cereulid-Intoxikation bei Säuglingen.

Ministerium: „Verdacht hat sich erhärtet“
Auch das Gesundheitsministerium bestätigte am Donnerstagabend die vier Verdachtsfälle: „Den österreichischen Behörden liegen derzeit vier Fälle von Babys vor, bei denen sich der Verdacht auf eine Cereulid-Vergiftung erhärtet hat. Die betroffenen Fälle stammen aus den Kalenderwochen 52 (2025), fünf und sechs“, hieß es darin.

Die zuständigen Behörden seit der ersten Meldung von Nestlé über einen möglichen Cereulid-Verdacht „sofort ein engmaschiges Testprogramm gestartet“. Dabei würden sowohl Produkte im Handel getestet, als auch Proben bei medizinischen Verdachtsfällen gezogen.

Behandlung im Krankenhaus notwendig
Die betroffenen Kinder waren zwischen null und elf Monaten alt. Bei einem Säugling wurde das Toxin Cereulid in der zu sich genommenen Nahrung nachgewiesen. Zwei weitere Kinder hatten Produkte aus zurückgerufenen Chargen konsumiert, das vierte Kind ein Produkt aus einer nicht zurückgerufenen Charge.

Eines der Babys musste ins Krankenhaus, alle anderen sind bereits wieder genesen. Die Symptome traten zwischen dem 26. Jänner und dem 6. Februar 2026 auf.

Europaweit 26 Fälle im Krankenhaus
Europaweit hatten Behörden bis Mitte Februar 2026 mindestens 26 Babys gemeldet, die nach dem Verzehr zurückgerufener Säuglingsnahrung wegen Verdachts auf Cereulid-Vergiftung ins Krankenhaus kamen – alle konnten nach der Behandlung wieder entlassen werden.

Weitere betroffene Länder meldeten zahlreiche Fälle:

  • Belgien: acht Babys, alle erholt nach bestätigtem Verzehr zurückgerufener Produkte.

  • Dänemark: Eltern von rund 32 Kindern meldeten Magen-Darm-Symptome.

  • Frankreich: elf Babys im Krankenhaus behandelt, alle wieder genesen; zudem werden drei Todesfälle untersucht, bei denen ein Zusammenhang mit zurückgerufener Babynahrung bisher nicht bestätigt ist.

  • Luxemburg: drei Säuglinge untersucht, zwei wegen Dehydrierung ins Krankenhaus, alle wieder genesen.

  • Spanien: 41 Babys mit Magen-Darm-Beschwerden, 13 ins Krankenhaus, alle wieder entlassen.

  • Vereinigtes Königreich: 44 Babys mit Symptomen nach Konsum der betroffenen Produkte.

Die bislang letzte dem ECDC gemeldete Kontamination stammt vom 6. Februar 2026.

Cereulid in Babynahrung

  • Cereulid ist ein hitzestabiles Toxin, das von bestimmten Bakterien (Bacillus cereus) produziert wird.
  • In europäischen Rückrufen wurde Cereulid erstmals in Babynahrung nachgewiesen, die Arachidonsäureöl aus China enthält.
  • Betroffene Produkte: Vor allem Säuglingsanfangsnahrung und Präparate mit Arachidonsäureöl.
  • Bei Kleinkindern kann Cereulid Durchfall und Erbrechen auslösen.
  • Da das Toxin hitzestabil ist, können auch erhitzte Produkte kontaminiert bleiben.

Französische Staatsanwaltschaft ermittelt bereits
Untersuchungen zur Kontaminationsquelle laufen in sieben Ländern: Österreich, Belgien, Dänemark, Frankreich, Luxemburg, Spanien und dem Vereinigten Königreich. In Frankreich hat die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen fünf Molkereiunternehmen eingeleitet, um mögliche strafrechtliche Verantwortung für den Vertrieb verunreinigter Produkte zu prüfen.

Die NGO Foodwatch kritisierte, dass die Kommunikation der EU-Behörden das Vertrauen der Eltern massiv erschüttert habe. Rund 200 Eltern meldeten dem Verein eigene Beobachtungen von Magen-Darm-Beschwerden ihrer Kinder, darunter auch Fälle nach Konsum von nicht offiziell zurückgerufenen Chargen.

EU-Behörde sieht Gefahr bereits eingedämmt
Trotzdem sehen EFSA und ECDC die allgemeine Vergiftungsgefahr für Kleinkinder mittlerweile als größtenteils gebannt. „Angesichts des Umfangs der Rückrufe ist die derzeitige Wahrscheinlichkeit einer Exposition gegenüber kontaminierten Säuglingsanfangsnahrungsmitteln gering“, erklärten die Behörden.

Dennoch könnten weiterhin Fälle auftreten, wenn zurückgerufene Produkte nicht zurückgegeben wurden. Betroffene Eltern sollten weiterhin auf Rückruflisten achten und bei Symptomen ärztlichen Rat einholen.

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